| 20:28 Uhr

Handball-Nationalmannschaft
Prokop will nicht mehr im Mittelpunkt stehen

Christian Prokop will nicht mehr über sich, sondern lieber über seine Mannschaft reden.
Christian Prokop will nicht mehr über sich, sondern lieber über seine Mannschaft reden. FOTO: Monika Skolimowska / dpa
Leipzig. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft bestreitet ihre ersten Testspiele nach dem Debakel bei der EM in Kroatien.

Die ständigen Fragen nach ihm und dem Verhältnis zur Mannschaft kann der umstrittene Handball-Bundestrainer Christian Prokop nicht mehr hören. Die Diskrepanzen und atmosphärischen Störungen nach der desaströsen EM mit Platz neun seien ausgeräumt, wiederholte der 39-Jährige sachlich, aber bestimmt. Vielmehr will er nun einen sportlichen und persönlichen Neuanfang starten. „Es wurde in den letzten Wochen sehr viel ausgewertet und geschrieben. Damit ist jetzt Schluss. Jetzt gilt es, nach vorne zu gucken, das gilt auch für mich“, sagte Prokop gestern in Leipzig – kurz vor den beiden Testländerspielen gegen Serbien.


Er hat einen Wunsch: „Ich möchte nicht, dass es um mich geht und die Art und Weise, wie ich was mache, im Fokus steht. Es geht mir darum, wie meine Mannschaft spielt und wie wir die Sachen umsetzen.“ Auch das Team will den Rückschlag hinter sich lassen. „Für uns ist das Thema gegessen, wir schauen nur nach vorne. Wir sind auf Wiedergutmachung aus“, sagte Kreisläufer Patrick Wiencek.

Die Spiele heute Abend in Leipzig (19 Uhr, Livestream auf www.live.dhb.de) und am Samstag in Dortmund sind die ersten Länderspiele der deutschen Auswahl nach dem EM-Debakel im Januar in Kroatien. Danach regte sich großer Widerstand gegen den noch bis 2022 unter Vertrag stehenden Prokop, einige Spieler sollen mit Rücktritt gedroht haben. Diese blieben aber aus.

Die Serbien-Spiele sind für Prokop und Co der Startschuss in die Vorbereitung auf die Heim-WM im Januar. Ein erneutes Scheitern wie bei der EM würde Prokop sicher den Job kosten. „Wir wollen gute Spiele abliefern und uns Selbstvertrauen holen“, sagte Prokop, der viele Gespräche mit den Spielern führte. Da sei auch über taktische Dinge diskutiert worden, jeder habe laut Wiencek seine Meinung kundgetan.

Im Mittelpunkt der Serbien-Spiele stehen für Prokop taktische Varian­ten und das Sichten von Spielern, wie die Außen Matthias Musche und Tim Hornke. Viel Augenmerk will er auf die Abwehr sowie die Position des Spielmachers legen. Prokop will auf dieser Position den bei der EM nicht berücksichtigten Fabian Wiede, Tim Kneule und Niclas Pieczkowski testen. Philipp Weber soll anders als bei der EM im linken Rückraum zum Einsatz kommen.



Zudem treffen sich Prokop und Sportvorstand Axel Kromer heute mit zahlreichen Bundesliga-Trainern. Dabei soll es um einen Austausch und die Vorstellung des WM-Fahrplans gehen. Aus den Reihen der Liga hatte sich nach der EM Widerstand gegen eine Weiterbeschäftigung Prokops geregt. Geplant ist nun ein turnusmäßiges Trainertreffen alle zwei bis drei Monate. Laut Kromer kommen drei Viertel der Trainer nach Leipzig. Keine Absage sei negativ behaftet gewesen. „Diejenigen, die nicht kommen, haben klar logische und zeitliche Gründe angeführt“, sagte er.