Profiboxer Doberstein kämpft am Samstag in Saarbrücken

Saarbrücken · Er ist überzeugt von sich selbst, er ist gesund und fit, und er denkt nur an den Sieg. Sagt er zumindest. Jürgen Doberstein will am Samstag in der Saarlandhalle neuer Mediterranean-Champion der IBF werden.

 Jürgen Doberstein (links) und Kevin Thomas Cojean stehen sich beim Wiegen am Freitag erstmals gegenüber. An diesem Samstag treffen sie sich erneut – im Ring in der Saarlandhalle. Foto: Schlichter

Jürgen Doberstein (links) und Kevin Thomas Cojean stehen sich beim Wiegen am Freitag erstmals gegenüber. An diesem Samstag treffen sie sich erneut – im Ring in der Saarlandhalle. Foto: Schlichter

Foto: Schlichter

Jede Bewegung von Jürgen Doberstein ist ruhig und keinesfalls zu schnell. Der Profiboxer macht nur das Notwendigste. Während in seinem gesamten Umfeld um Berater Wolfgang Lauer die Spannung spürbar steigt, schottet sich Doberstein kurz vor seinem Kampf gegen Kevin Thomas Cojean ab, taucht in einen Tunnel ein, der an diesem Samstagabend vor den Seilen des Rings endet - wenn er bei dem auf ihn zugeschnittenen Boxabend in der Saarlandhalle um den Mediterranean-Titel der International Boxing Federation (IBF) boxt. Einlass ist um 18.30 Uhr.
Vorteil für Cojean

Wenn Doberstein dann gegen Ende der Veranstaltung am Ring steht, wird er die Nervosität nicht mehr unterdrücken können. "Die Aufregung wird kommen, wenn ich sie brauche", sagt er. Und dann soll das Adrenalin, das durch seinen Körper schießt, in positive Energie umgewandelt werden. Das ist auch nötig. "Ich spüre, dass mich etwas erwartet", sagt der 25-Jährige, "aber ich bin innerlich total ruhig." Jetzt bleibt ihm auch nichts anderes mehr übrig, als sich nur auf das Sportliche zu konzentrieren. "Mein Team hat alles getan, jetzt liegt es nur an mir", sagt Doberstein.

Den Grundstein für seine innere Ruhe hat er in der "sehr harten Vorbereitung" mit Manfred Wolke, dem Ex-Trainer von Henry Maske und Sven Ottke , geschaffen. "Deshalb genieße ich die Ruhe", sagt er. Auch wenn Cojean zumindest auf dem Papier der beste Gegner ist, der ihm bislang im Ring gegenüber stand. Nur zwei Boxer stehen in der Weltrangliste zwischen dem Franzosen (Rang 40) und Doberstein (37.). "Ein sehr kampfstarker Mann", sagt Manfred Wolke, der nicht in der Ecke von Doberstein stehen wird, "einer, der immer nach vorne geht und von der ersten bis zur letzten Runde schlägt."

Der Fokus der Vorbereitung lag aber nicht nur auf Cojeans Fähigkeiten. "Sich nur darauf zu fixieren, wäre nicht richtig. Es wird sich alles im Ring entscheiden", sagt Doberstein, "es gibt immer Situationen, auf die man instinktiv reagieren und sich einstellen muss." Unbestritten bleibt, dass der Bretone in diesem Jahr bereits sechs Kämpfe geboxt hat, fünf davon erfolgreich. Doberstein hingegen stand in den vergangenen 13 Monaten nur einmal im Ring. "Das ist natürlich schwierig für Jürgen", meint Wolke, der aber so sehr von Doberstein überzeugt ist wie dieser selbst. "Ich denke nicht darüber nach, ob ich verlieren kann, sondern nur, wie ich gewinnen kann", sagt Doberstein, der in seiner Karriere bisher einen Kampf verloren hat. Weil er geboxt hat, obwohl er krank war: "Da war ich mit mir selbst beschäftigt."
Sprung in Weltrangliste

Das soll am Samstag nicht passieren. Und Doberstein will nichts dem Zufall überlassen, kein Risiko eingehen. Das Desinfektionsspray immer griffbreit, nach jedem Händeschütteln. Nur nichts mehr einfangen, so kurz vor dem nächsten Etappenziel seiner Karriere. Doberstein will in die Rangliste eines der großen vier Weltverbände rutschen und in der Weltrangliste einen Sprung machen. Er will auf sich aufmerksam machen, will zeigen, dass hier in Saarbrücken jemand antritt, der zumindesten mittelfristig um den WM-Titel boxen will. "Am Ende entscheidet der Kopf", sagt Doberstein. Und natürlich die Durchschlagskraft.