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Profiboxer Doberstein hofft auf erfolgreichen Protest gegen Punktniederlage in Berlin

Jürgen Doberstein blickt sehr kritisch auf seinen letzten Kampf zurück. Er weiß, er wäre besser nicht angetreten. Foto: Hiegel
Jürgen Doberstein blickt sehr kritisch auf seinen letzten Kampf zurück. Er weiß, er wäre besser nicht angetreten. Foto: Hiegel FOTO: Hiegel
Saarbrücken. Auch eine Woche später hat Profiboxer Jürgen Doberstein seine Punktniederlage im EM-Kampf gegen Cagri Ermis noch nicht verdaut. Nach den mehr als zwielichtigen Begleitumständen hat er Protest eingelegt. Michael Aubert

Manche Dinge lassen sich nicht ändern. Selbst wenn man einen Boxkampf an einem noch so schönen Ort präsentiert, alles in edle Tücher legt, in ein warmes Licht taucht und statt Stuhlreihen runde Tische um den Boxring aufstellt, am Ende bleibt es trotzdem Boxen. So ehrlich der Kampf Mann gegen Mann im Ring auch ist, die Geschichten um die Kämpfe lassen den Sport oft in einem zwielichtigen Licht erscheinen. "Es ist ein dreckiges Geschäft", sagt Profiboxer Jürgen Doberstein. Und deshalb haben er und sein Team gegen die Punktniederlage gegen Cagri Ermis vor einer Woche in Berlin Protest eingelegt.
Kritik von Lorch


"Wir haben jetzt zehn Tage Zeit, alles zu dokumentieren und den Einspruch zu begründen", sagt Doberstein, der keine Prognose auf Erfolg abzugeben wagt. "Ich warte jetzt einfach mal ab", sagt der 26-Jährige, der diese Aufgabe in die Hände seines Teams gelegt hat. Für den ehemaligen Profiboxer Uwe Lorch, der für den Weltverband IBF als Ring- und Punktrichter tätig ist, kommt der Protest sehr spät und hat so geringe Chancen auf Erfolg. "Er hätte diesen Kampf gar nicht antreten müssen", sagt Lorch: "Als Weltranglisten-18. muss er nicht gegen die Nummer 92 boxen. Unter den Top 20 der Welt hat man realistische Chancen auf einen WM-Kampf."

Die Szenen in der Halle waren absolut fragwürdig. Veranstalterin Eva Rolle musste nach der Niederlage Dobersteins in den Ring steigen, um für Ordnung zu sorgen. "Keiner betritt den Ring", ermahnte Rolle nach der letzten Runde die Zuschauer, die drauf und dran waren, das Viereck zu stürmen. "Dies ist kein Krieg", mahnte Rolle über das Mikrofon, "es ist Sport. Und wir haben heute zwei Sportler gesehen, die sich einen großartigen Kampf geliefert haben". Einen Kampf, den Doberstein rückblickend am liebsten nicht bestritten hätte.

"Ich hätte gleich absagen sollen, nachdem ich gesehen habe, dass der Ring nicht die abgemachten Maße von sechs auf sechs Meter hat", meint er mit ein wenig Abstand. Ausschlaggebend war dies nicht, auch wenn es definitiv Nachteile für Doberstein und dessen Taktik hatte. "Das Urteil ist ärgerlich, aber vertretbar", sagt Dobersteins Berater Wolfgang Lauer, "nur eben die Umstände nicht".
Viele Unregelmäßigkeiten

Deshalb der Protest bei den Dachverbänden der IBF und der German Boxing Association (GBA). "Wegen mehrerer Unregelmäßigkeiten bei der Dopingkontrolle", sagt Lauer. Zudem sei dem Team Doberstein, um die Rundenlängen nachzuvollziehen, das Bildmaterial immer noch nicht zur Verfügung gestellt worden. Doch was den St. Ingberter tatsächlich aus dem Konzept brachte, waren die Tumulte in seiner Kabine kurz vor dem Kampf (die SZ berichtete). Durch die Unterstellung, er habe sich vor den Augen des gegegnerischen Betreuers Adrenalin gespritzt, herrschte ein gewaltiges Tohuwabohu, und Doberstein verlor seine Konzentration und Linie.

Wie es nun mit ihm weitergeht, vermag der Profiboxer nicht zu sagen. Er wünscht sich einen Rückkampf, aber zunächst wird er abwarten müssen, wie die IBF und die GBA mit seinem Protest umgehen. Klar ist nur: Um den Sport aus seinem oft unbegründet schlechten Ruf zu hieven, bedarf es mehr als ein paar schöne Tücher und warmes Licht - auch in der Hauptstadt Berlin.