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Problem für Verband? Handball will auch Migranten für sich gewinnen

Studie beschäftigt sich mit Problem : Handball will auch Migranten für sich gewinnen

Nur wenige Kinder mit Migrationshintergrund spielen Handball. Laut einer Studie ist dies ein großes Problem für den Verband.

Uwe Gensheimer, Andreas Wolff, Finn Lemke – die Namen der deutschen Nationalspieler gingen den Fans bei der Heim-Weltmeisterschaft leicht über die Lippen. Nur ein Handballer im Team von Trainer Christian Prokop hat einen Migrationshintergrund – Tim Suton, dessen Eltern aber schon vor seiner Geburt aus Kroatien nach Deutschland kamen. Suton spielte früher bei der HG Saarlouis, die sein früh verstorbener Vater Goran trainierte.

Klaus Cachay, Sportsoziologe an der Uni Bielefeld, und Carmen Borggrefe von der Universität Stuttgart haben dieses Phänomen mit einer Studie wissenschaftlich untersucht. Und beide kommen zu dem Ergebnis: Das Fehlen eines Migrationshintergrunds bedroht die Existenz des deutschen Handballs.

Der Deutsche Handballbund weiß um diese Problematik. „Migration ist ein Thema, weil wir wissen, wenn wir an diese Zielgruppe nicht herangehen, dass dann die Gesamtheit kleiner wird. Es steht seit ein paar Jahren auf unserer Agenda“, sagte DHB-Vorstandschef Mark Schober: „Es gibt schon die ersten Maßnahmen, auch wenn wir nicht explizit besondere Programme auflegen.“

Die mehr als 19 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund machen fast ein Viertel (23,6 Prozent) der Gesamtbevölkerung aus. Doch während der Fußball kaum Probleme hat, Kinder aus anderen Kulturkreisen zu gewinnen, fällt dies im Handball äußerst schwer.

Die Erklärungen dafür sind vielschichtig. Integration, Tradition, Infrastruktur und Schule sind die häufigsten Schlagworte. „Entscheidend sind dabei auch die Eltern“, sagte Schober. Nach Ansicht von Borggrefe ist aber auch der Handball gefordert. Auf den Internetseiten oder Social-Media-Kanälen der Vereine seien meist lauter blonde Kinder abgebildet, sagt die Sport-Wissenschaftlerin. Anders als in Frankreich, wo die Bemühungen zur Integration viel früher begannen und in der Nationalmannschaft etwa zwei Drittel Spieler mit Migrationshintergrund sind, setzt der DHB in der Außendarstellung immer noch verstärkt auf typisch deutsche Tugenden.

Verbandsboss Andreas Michelmann findet dies nicht verwerflich. Sein Credo: Bei dem Versuch, den Handball vielfältiger zu machen, dürfe man sich nicht verbiegen. Es sei der falsche Weg, „zu verbergen, dass Handball eine europäische oder gar deutsche Sportart ist, mit der Begründung, andernfalls würden Migranten dadurch abgeschreckt“, sagte Michelmann. Aus Sicht des DHB-Präsidenten komme es vielmehr darauf an, die richtigen Angebote zu machen. „Vielleicht müssen wir stärker die Kombination von Sport und Sprache anbieten. Denn wenn die Eltern mitbekommen, dass ihre Kids beim Handball spielend Deutsch lernen und so auch ihre Chancen in der Schule steigen, kann das ein Weg sein, über die Kinder zu mehr Nachwuchs für den Handball zu kommen, ohne sich als Sportart zu verbiegen.“