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„Prince Vince“ jagt Rocky-Rekord

„Prince Vince“ jagt Rocky-Rekord

Vincent Feigenbutz könnte an diesem Samstag dank einer glücklichen Fügung jüngster Profi-Weltmeister der deutschen Boxgeschichte werden. Sein letzter Auftritt war allerdings ein Offenbarungseid.

Im Rekordtempo auf den Thron: Vincent Feigenbutz kann an diesem Samstag jüngster Profi-Champ der deutschen Box-Geschichte werden. Der 20-Jährige kämpft in Offenburg gegen den Italiener Giovanni De Carolis um die WM-Krone der WBA (22.20 Uhr/Sat.1) und könnte Rekordhalter Graciano "Rocky" Rocchigiani ablösen, der mit 24 Jahren Champion wurde.

"Das ist eine große Sache, ein Lebenstraum - mir fehlen die Worte", sagt "Prince Vince". Der forsche Draufgänger profitiert von einem kühnen Winkelzug, der wohl nur im Boxen möglich ist. Da die WBA Titelträger Fjodor Tschudinow kurzerhand zum Super-Champion als Nachfolger von Andre Ward (hochgerückt ins Halbschwergewicht) ernannt hat, darf Interims-Weltmeister Feigenbutz nach der WM-Krone greifen.

"Vincent hat die große Chance, am 9. Januar Boxgeschichte zu schreiben", sagt sein Promoter Kalle Sauerland. Der Berliner Boxstall will den Youngster mit aller Kraft zum neuen Aushängeschild des angeschlagenen Profi-Boxens in Deutschland machen. Mit seinem spektakulären Boxstil und seiner großen Klappe erfüllt Feigenbutz das Klischee des Vollblut-Boxers. Mike Tyson ist passenderweise sein Vorbild, "Iron junior" sein Spitzname.

Doch hat Feigenbutz vor seinem 23. Kampf (21 Siege, davon 19 Knockouts, eine Niederlage) dazu gelernt. Die Sprüche sind nicht mehr ganz so schrill. Die wenig überzeugende Leistung im ersten Kampf gegen De Carolis im Oktober hat ihn vorsichtig gemacht. Am Ende gewann der Karlsruher, der zuvor fast nur deutlich schwächere Gegner hatte, höchst umstritten. Feigenbutz war sogar zwei Mal zu Boden gegangen.

"De Carolis wird mir alles abverlangen. Er hat ja ebenfalls die Chance, Weltmeister zu werden", sagt Feigenbutz und zeigt ungewohnten Respekt vor seinem Gegner. Seine überheblichen Verbal-Attacken nach dem ersten Fight gegen den Italiener ("Ich habe ihm tausend Jabs in die Fresse geballert"), die ihm die Zuschauer in Karlsruhe übel nahmen, bereut Feigenbutz mittlerweile: "Es tut mir leid, was da aus mir herausgeplatzt ist."

De Carolis selbst blieb auf Kampflinie und postete auf seiner Facebook-Seite eine Karikatur, die einen weinenden Feigenbutz zeigt, dem De Carolis den Kopf schert. "Eigentlich geht es mir vor allem darum, Vincent zu zeigen, was Demut bedeutet", sagt der 31-Jährige. Vor dem ersten Kampf hatte Feigenbutz ein Lamm geschoren und gemeint: "Und jetzt rasiere ich De Carolis."

Die Strategie von Sauerland und TV-Partner Sat.1 ist indes klar: Sollte Feigenbutz De Carolis schlagen, winkt ein Kampf um den Titel des Super-Champions gegen den Sieger des Kampfes Tschudinow gegen Felix Sturm . Der Fight ist für Ende Februar in Oberhausen geplant. Ein rein deutsches Duell im Anschluss um die WBA-Krone zwischen Feigenbutz und Sturm würde die Kasse klingeln lassen.