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Mitgliederversammlung des LSVS
Der innere Zirkel demonstriert seine Macht

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Erst gab es keine Kandidaten für das LSVS-Präsidium – jetzt sind die Posten schon fast alle verteilt, auch weil ehemalige Funktionäre im Hintergrund mitmischen. Die Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet, haben einige schon aufgegeben. Von Mark Weishaupt
Mark Weishaupt

Der Schein trügt. Die Harmonie, die Franz Josef Schumann, der Vizepräsident des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS), vor der Mitgliederversammlung an diesem Sonntag in Eppelborn seit Tagen zu transportieren versucht, beschränkt sich auf einen gewissen Kreis an Personen. Personen, die in der Verantwortung standen oder stehen und direkt oder indirekt weiter an der Spitze der Dachorganisation des saarländischen Sports mitmischen wollen. Nennen wir diesen Kreis doch einfach den inneren Zirkel.


Warum wollte erst keiner? Klaus Steinbach. Heinz König. Boris Röder. Alle raus. Seit Mittwochabend, seit der „Informationsveranstaltung für die Fachverbände“, ist klar: Die sieben Plätze im künftigen Präsidium des LSVS, die am Sonntag gewählt werden, sind quasi vergeben. Das liegt vor allem daran, dass die beiden großen Fachverbände Fußball und Turnen mit ihrer Stimmenmehrheit die Gestaltungshoheit haben. Da trifft es sich ganz gut, dass Adrian Zöhler, der designierte Chef des LSVS, die Fußball-Hausmacht von SFV-Präsident Franz Josef Schumann sicher hat. Auch das ehemalige LSVS-Führungs-Duo Gerd Meyer (Ringen) und Kurt Bohr (Turnen) mengte im Hintergrund ordentlich mit, was den Kandidaten Gottfried Hares und Bodo Wilhelmi die Vize-Präsidentschaft sichern dürfte. Viele Funktionäre beschleicht deswegen das Gefühl: Irgendwie geht doch alles weiter wie bisher. Nur wer sich darauf einlässt, darf mitmischen. Und wer kritische Worte in den Mund nimmt, ist schneller durch die Wahl gefallen, als er seine Kandidatur angekündigt hat.

Boris Röder, der Leiter Unternehmenskommunikation bei Ursapharm, zog nach dem Mittwochabend seine Kandidatur zurück – enttäuscht, wie er sagt. „Ich habe den Eindruck, dass sich nichts ändern wird“, sagt Röder, „die Posten sind alle schon vergeben. Eine echte Wahl kann es auf Grund des Wahlsystems und der Tatsache, dass sich die Alt-Etablierten nach wie vor in die Besetzung der Führungsriege einmischen, nicht geben.“ Eine echte Chance hätte er vermutlich eh nicht gehabt, denn „ich gelte als Mensch, der pragmatisch und zielbezogen den saarländischen Sport auch gegen vielseitige Widerstände voranbringen will“, sagt Röder, „und das ist offenbar nicht gewünscht“.



Sowieso: Kritik wird nicht gerne gesehen. Eugen Roth etwa, der als Einziger des zuletzt verantwortlichen LSVS-Präsidiums nach Bekanntwerden des Finanzskandals früh die Konsequenzen zog und zurückgetreten war, gilt als Nestbeschmutzer. Den sehen viele auch in Jörg Aumann. Sein Saarländischer Radfahrer-Bund sieht die Wahl ohnehin kritisch. Leander Wappler, Vizepräsident Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation des SRB, hält die Mitgliederversammlung (MV) am Sonntag für womöglich rechtlich angreifbar, weil der Gesamtvorstand des LSVS vorher in seinen durch die LSVS-Satzung festgelegten Rechten zur Gestaltung der MV eingeschränkt worden sei. Patrick Nessler, der Justiziar des LSVS, sieht die Sachlage anders, ist der Auffassung, dass die MV durchgeführt werden kann.

Wie dem auch sei: Sonntag ist der Tag der Entscheidung. Die SZ wird vor Ort sein, andere Medienvertreter auch. Gefilmt oder fotografiert werden darf während der Veranstaltung nicht – der LSVS hat das untersagt. Man könnte ja fast den Eindruck bekommen, man hätte etwas zu verbergen. Dabei ist doch angeblich alles so harmonisch. Wie sich Sichtweisen doch unterscheiden können.