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„Portugal hat verdient gewonnen“

„Portugal hat verdient gewonnen“

Der Europameisterschafts-Titel ist futsch, doch ins Tal der Tränen stürzte die Niederlage gegen Gastgeber Portugal keinen der deutschen Tischtennis-Asse. Schnell waren die Ereignisse von Lissabon eingeordnet.

Bei Nachos, Rippchen und einem Glas portugiesischem Bier war der erste Frust über das verlorene EM-Gold bereits vergessen. Timo Boll freute sich über den Triumph seiner San Francisco 49ers in der nordamerikanischen Football-Profiliga NFL , der über die Leinwand flimmerte. Dimitrij Ovtcharov schoss ein paar Erinnerungsfotos, und Bundestrainer Jörg Roßkopf wagte sogar eine Kampfansage. "Wie viele EM-Spiele hatten wir bis heute nicht verloren?", fragte er in die Runde: "37? Dann stellt euch schon mal auf 38 ein."

Das 1:3 im Finale in Lissabon gegen Gastgeber Portugal riss keinen der erfolgsverwöhnten deutschen Tischtennis-Asse ins Tal der Tränen. Tatsächlich können Boll und Co. den Verlust des EM-Titels sportlich sehen. Hinter den Seriensiegern liegt ein Turnier, das mit mehr Stolpersteinen gespickt war als alle vergangenen Jahre zusammen. Eine Familientragödie verhinderte den Einsatz von Patrick Baum, Zahnschmerzen warfen den Olympiadritten Ovtcharov aus der Bahn, der überraschend gegen Tiago Apolonia vom Bundesligisten 1. FC Saarbrücken-Tischtennis verlor. Im Spitzeneinzel kassierte dann Boll gegen den entfesselt aufspielenden Marcos Freitas sein einziges Verlustspiel.

Mit Silber sind die sechsmaligen EM-Champions daher sogar gut bedient, "auch wenn es schon weh tat", die Portugiesen feiern zu sehen, wie Ovtcharov unumwunden zugab. "Campeõnes, Campeõnes", schrie das Publikum in der MEO Arena von Lissabon . "Bei Portugal haben heute alle über ihrem Limit gespielt und damit verdient gewonnen", sagte Jörg Roßkopf . Silber sei aber "kein Beinbruch. Wir sind noch immer das zweitbeste Team der Welt und werden 2015 auch wieder die Chinesen angreifen".

Ende Oktober trifft sich Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig mit dem Deutschen Olympischen Sportbund. "Da wird man uns zu Silber gratulieren, aber eigentlich zählt das nicht", sagte der 52-Jährige: "Natürlich fahren wir zu einer EM, um Erfolg zu haben, doch es gibt bei uns klare Prioritäten: Olympia, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften." Daher ist es auch mehr als ungewiss, ob der Deutsche Tischtennis-Bund im kommenden Jahr seine Top-Spieler Boll und Ovtcharov zur EM ins russische Jekaterinburg schicken wird.