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Poldi lebt die Fußball-Anarchie

Poldi lebt die Fußball-Anarchie

Nein, ich habe nicht geweint vor Freude, nein, ich habe keinen Auto-Korso organisiert, nein, ich habe nicht die 1.FC Köln-Flagge gehisst, als ich die definitive Meldung vom Poldi-Transfer hörte. Der Grund ist, dass alle wahren Fans des 1. FC Köln ES schon seit mindestens einem halben Jahr gewusst haben: Poldi wird kommen

Nein, ich habe nicht geweint vor Freude, nein, ich habe keinen Auto-Korso organisiert, nein, ich habe nicht die 1.FC Köln-Flagge gehisst, als ich die definitive Meldung vom Poldi-Transfer hörte. Der Grund ist, dass alle wahren Fans des 1. FC Köln ES schon seit mindestens einem halben Jahr gewusst haben: Poldi wird kommen. Die Wochen vor der Bekanntgabe kamen mir vor wie eine Geburt, die schon lange überfällig war und sehnlichst erwartet wurde: ER ist endlich da, Gott sei Dank!

Apropos Gott. In der Bibel kann man die Geschichte vom verlorenen Sohn nachlesen. Über den heimkehrenden Sprössling freut man sich einfach mehr als über den spießigen Bruder, der immer im Haus blieb. Zu recht. Denn manchmal tut es weh, sich einzugestehen, dass die Heimat und nur die Heimat der einzige Platz ist, an dem man sich wohl fühlen kann. Der Saarländer nennt dieses Gefühl "Geheischnis". Das Zurückkommen ist kein "Schritt zurück", wie einige meinten, sondern ein mutiger Schritt in die Zukunft. Poldi wird wieder zaubern. Und Tore am Fließband schießen. Wie das 3:0 gegen Saarbrücken in der Saison 2004/2005, diesen phantastischen Schlenzer mit dem Außenrist, dieses Tor, das später Tor des Monats wurde.

Aaaaber, ob das wirklich alles gut geht? Fragen in sämtlichen Medien die lokalen und nationalen Warner, Mahner und Nörgler. Die Wir-haben-es-kommen-gesehen-Besserwisser. Aber von denen wird man nichts hören, wenn Poldi einschlägt wie eine Granate. Und das wird er tun. Weil er in Köln sein Lachen, seinen Witz, seine Fußballanarchie wieder ausleben kann und wird.

Der Podolski-Transfer war aber auch eine Kampfansage. Es musste endlich Schluss sein mit der Methode Kleiner-Verein-gibt-an-großen-Verein-Spieler ab. Nein, der 1. FC Köln hatte die "Eier", wie Olli Kahn sagen würde, zehn Millionen für seinen Lieblingsspieler auf den Tisch zu legen. Denn seit wir 1990 Thomas Häßler für 17 Millionen DM nach Turin verkauft haben, gingen die Besten immer wieder zu den größeren, den besser zahlenden und bezahlenden Vereinen.

Und das, obwohl der 1. FC Köln früher der Transferkrösus der Liga war. Was war das für ein Geschrei, als die Kölner die ersten waren, die über EINE! MILLION!! D-MARK!!! für Roger van Gool überwiesen. Der erste Millionentransfer der Bundesliga. Und wenig später hieß es, Abwehrspieler kauft man doch nicht, die Klopper "züchtet" man selbst. Wie kann man nur zwei Millionen Mark nach Mannheim überweisen für einen jungen Mann namens Jürgen Kohler? Hat sich bezahlt gemacht.

Auch die 10 Millionen Euro für Poldi werden sich bezahlt machen. Zumal der FC auf die brillante Idee gekommen ist, den Transfer unter anderem durch den Bier-Konsum der Fans zu finanzieren. Prost auf Poldi!

 Lukas Podolski (rechts), hier gegen Adiele Echendu, erzielte gegen den 1. FC Saarbrücken mal das Tor des Monats. Foto: Schlichter
Lukas Podolski (rechts), hier gegen Adiele Echendu, erzielte gegen den 1. FC Saarbrücken mal das Tor des Monats. Foto: Schlichter