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Plötzlich im Rampenlicht

Plötzlich im Rampenlicht

Die 21-jährige Anna-Lena Friedsam steht in Melbourne als erste Deutsche im Achtelfinale. Die deutsche Tennis-Meisterin setzt ihre positive Entwicklung bei den Australian Open erstaunlich souverän fort.

Bis ihr Überraschungscoup gegen die Italienerin Roberta Vinci perfekt war, musste Anna-Lena Friedsam (21) eine kleine Schrecksekunde überstehen. Weil die US-Open-Finalistin von 2015 bei Friedsams Matchball das Hawk-Eye bemühte, dauerte es etwas länger, ehe Friedsams Einzug ins Achtelfinale der Australian Open perfekt war. "Als ich den Ball auf der Videoleinwand habe fliegen sehen, habe ich gedacht: Mist, der ist im Aus", berichtete die deutsche Meisterin von den bangen Sekunden. Doch dann bestätigte die Technik das 0:6, 6:4, 6:4 und damit Friedsams bislang größten Erfolg der Karriere.

"Das ist einfach unglaublich", sagte die Nummer 82 der Weltrangliste. Entgegen ihres sonst eher zurückhaltenden Naturells hüpfte sie nach dem Triumph über den hellblauen Platz in der Hisense Arena und stieß einen spitzen Jubelschrei aus. "Das hat sie klasse gemacht. Sehr beeindruckend, wie souverän sie das Match zu Ende gespielt hat", lobte Bundestrainerin Barbara Rittner , die die Partie auf der Tribüne der zweitgrößten Arena im Melbourne Parks verfolgte.

Rittner kann an diesem Samstag also mit einem guten Gefühl in den Flieger zurück in die Heimat steigen, denn mit Laura Siegemund oder Annika Beck steht auf jeden Fall eine weitere ihrer Spielerinnen nach einem deutschen Duell (in der Nacht zu Samstag) im Achtelfinale. Hinter der ebenfalls noch im Turnier vertretenen deutschen Nummer eins Angelique Kerber (trifft auf die Amerikanerin Madison Brengle) macht das Trio aus der zweiten Reihe in Melbourne gerade jede Menge Spaß. "Das haben sie sich verdient. Das sind alles gute Mädels, die einfach auch ihre Zeit brauchen", sagte Rittner.

Mit Blick auf das Fed-Cup-Duell gegen die Schweiz Anfang Februar in Leipzig hat sie auf einmal deutlich mehr Möglichkeiten. Vor allem Friedsam kommt für eine Nominierung infrage. Schon beim Jahresauftakt in Shenzhen erreichte sie das Halbfinale. Damals scheiterte sie an der Polin Agnieszka Radwanska , die auch jetzt ihre nächste Gegnerin ist. "Es ist noch nicht zu Ende für mich", sagte Friedsam. Weshalb sie an den Fed Cup auch noch keine Gedanken verschwendet.

Erst einmal stehen im ungewohnt regnerischen und kühlen Melbourne nun Erholung und Reha an, bereitet Friedsam doch schon seit einiger Zeit die rechte Schulter Probleme. Gegen Vinci musste sie sich im dritten Satz behandeln lassen. Eine Aufgabe stand aber zu keinem Zeitpunkt im Raum.

Von der Familie kamen nach dem erstmaligen Einzug ins Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers sofort Glückwünsche per WhatsApp, ansonsten hatte sie aus ihrem 300 Einwohner kleinen Heimatdorf Oberdürenbach noch nichts gehört. "Die schlafen ja alle noch", sagte Friedsam. Weil es in dem kleinen Eifelort keinen Tennisplatz gibt, musste Friedsam früher immer im rund 45 Minuten entfernten Koblenz trainieren, wo sie auch zur Schule ging. "Weil mein Vater dort gearbeitet hat, hat er mich morgens und abends immer mitgenommen. Das waren schon anstrengende Tage", erzählte Friedsam. Doch inzwischen zahlt sich der Einsatz aus.