Platini vor dem Aus

Uefa-Präsident Michel Platini muss eine lebenslange Sperre durch die Ethik-Kommission des Fußball-Weltverbandes Fifa fürchten. Anwalt Thibauld d'Alès wittert eine Verschwörung, um Platini loszuwerden.

Der Traum vom Fifa-Thron ist so gut wie geplatzt, und als Uefa-Chef ist er kaum noch zu halten: Michel Platini steht vor dem Scherbenhaufen seiner Funktionärs-Karriere. Dem Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (Uefa) droht eine lebenslange Sperre durch die Ethikkommission des Weltverbandes Fifa. Doch selbst eine mildere Strafe würde das Aus für den 60 Jahre alten Franzosen, der sich in drei Monaten zum Fifa-Boss wählen lassen wollte, bei beiden Verbänden bedeuteten.

Platinis Anwalt Thibauld d'Alès bestätigte gestern, dass die ermittelnde Kammer der Kommission bei der rechtsprechenden Kammer um den Vorsitzenden Hans-Joachim Eckert aus München eine lebenslange Sperre beantragt hat. D'Ales bezeichnete die Strafforderung als "großen Skandal" und als "vollkommen unverhältnismäßig".

Zu Wochenbeginn hatte die Kommission mitgeteilt, dass die rechtsprechende Kammer ihre Verfahren gegen Platini und den scheidenden Fifa-Präsidenten Joseph S. Blatter eingeleitet hat - nachdem die Ermittler um den Schweizer Cornel Borbély ihre Untersuchungen abgeschlossen hatten. Ein Urteil soll im Dezember gesprochen werden.

Platini und Blatter waren am 8. Oktober für 90 Tage suspendiert worden. Das Blatter-Lager wollte gestern nicht kommentieren, ob dem 79 Jahre alten Schweizer dieselbe Strafe wie Platini droht - was als wahrscheinlich gilt und in Medien gestern auch schon spekuliert wurde. Platini wollte eigentlich am 26. Februar beim Fifa-Kongress in Zürich zum neuen Fifa-Präsidenten gewählt werden. Als Kandidat nachrücken kann er aber nur, wenn er die Vorwürfe gegen seine Person entkräftet hat und nicht mehr suspendiert ist.

Es geht in dem Verfahren um eine Zahlung von 1,8 Millionen Euro von Blatter an Platini, deren angebliche Rechtmäßigkeit Blatter erst am vergangenen Sonntag in einem Fernseh-Interview unterstrichen hatte. "Es gibt einen Vertrag. Auch in den Fifa-Regularien steht, dass ein Vertrag schriftlich oder mündlich abgeschlossen werden kann. Es ist ein mündlicher Vertrag, ein Arbeitsvertrag", betonte Blatter. Das Geld wurde 2011 überwiesen - zehn Jahre nach Abschluss der angeblichen Beratertätigkeit von Platini.

Am vergangenen Mittwoch hatte die zuständige Berufungskommission die Einsprüche von Blatter und Platini gegen ihre Sperren abgelehnt. Als Folge hatte Platini Klage gegen seine Suspendierung vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS eingereicht. "Es gibt keinerlei Grund für eine lebenslange Strafe", sagte Platini-Anwalt D'Ales, der eine Verschwörung gegen seinen Mandanten wittert: "Der Chef-Ermittler sollte in Chef-Ausschalter von Michel Platini im Rennen um die Fifa-Präsidentschaft umbenannt werden. Die Masken bei der Fifa fallen. Es gehört alles zu der Strategie, um Platini zu schaden und um ihn loszuwerden."

Die Ethikkommission bestätigte derweil lediglich, dass der Ermittlungsbericht und die Strafforderung den Anwälten von Blatter und Platini übergeben wurde. "Sie kennen den Inhalt, und es steht ihnen frei, diesen Inhalt zu kommentieren", sagte Sprecher Andreas Bantel, der die Strafforderung nicht bestätigen wollte.

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HintergrundZur Wahl des Fifa-Präsidenten am 26. Februar in Zürich sind aktuell fünf Bewerber zugelassen: der Südafrikaner Tokyo Sexwale (62), der Jordanier Prinz Ali bin Al Hussein (39), Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa aus Bahrain (49), der Franzose Jérôme Champagne (57) und der Schweizer Gianni Infantino (45). Michel Platini kann erst zugelassen werden, wenn er offiziell freigesprochen ist. In diesem Fall würde Infantino, der Generalsekretär der Uefa, seine Bewerbung zurückziehen und Platini unterstützen. Nun dürfte es zu Infantinos Kandidatur kommen, der dank der Uefa-Unterstützung zu den Favoriten zählt. sid/dpa