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Platini träumt vom Fifa-Thron

Platini träumt vom Fifa-Thron

Michel Platini geht nun auch offiziell ins Rennen um die Präsidentschaft beim Fußball-Weltverband Fifa. Der Franzose gilt als Favorit für die Nachfolge von Joseph Blatter. Der Kreis der Kontrahenten ist überschaubar.

Michel Platini hat wochenlang taktiert, Flugmeilen gesammelt, Verbündete gesucht und im Verborgenen Allianzen geschmiedet. Nun war es an der Zeit, sich der Fußball-Welt als Heilsbringer zu präsentieren. Der frühere Superstar greift bei der Fifa nach der Macht und will den taumelnden Weltverband zurück auf den Pfad der Tugend führen - dabei ist Platini selbst alles andere als unumstritten. "Zusammen können wir den Millionen Fans die Fifa geben, die sie sich wünschen", schrieb der Boss der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in einem Brief an die 209 Fifa-Mitgliedsländer. Er werde bei der Präsidentschaftswahl am 26. Februar 2016 antreten und den Verband aus den Skandalen befreien. Das Ziel: "Eine Fifa als Vorbild, die zusammensteht und Solidarität zeigt. Eine Fifa, die respektiert und von den Menschen gemocht wird."

Platini erklärte gestern, er wolle der Fifa die "Würde und den Stellenwert" zurückgeben, die der Weltverband verdiene: "Ich kandidiere mit Enthusiasmus und Überzeugung, aber auch mit Demut - denn ich weiß, dass ich nicht alleine erfolgreich sein kann." Sollte der 60-Jährige auf Joseph S. Blatter folgen, gilt Wolfgang Niersbach , Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), als Anwärter auf den Uefa-Chefposten.

Niersbach unterstützt Platini

Niersbach sicherte Platini die Rückendeckung des DFB zu. "Ich kann versichern, dass er unsere volle Unterstützung besitzt", sagte der 64-Jährige: "Das Ziel, die dringend notwendigen Reformen bei der Fifa zeitnah umzusetzen, kann Michel Platini aber nicht alleine erreichen. Ich werde ihn dabei gerne im Exekutivkomitee mit aller Kraft unterstützen." Der frühere Präsidentschaftskandidat Prinz Ali sieht das ganz anders. "Platini ist nicht gut für den Fußball . Die Fans und die Spieler haben Besseres verdient", kommentierte der 39 Jahre alte Jordanier die Platini-Kandidatur: "Die Fifa braucht eine unabhängige Führung, die von den Praktiken der Vergangenheit unbelastet ist."

Bei den Hochrechnungen vorne

Eine große Rolle dürfte das allerdings nicht spielen - Platini hat bei allen Hochrechnungen die Nase vorn. Als einziger ernsthafter Gegenkandidat wird der frühere Fifa-Vize und Auto-Milliardär Chung Mong-Joon aus Südkorea erwartet. Ob Argentiniens Ikone Diego Maradona, der frühere brasilianische Weltstar Zico, Liberias Verbandsboss Musa Bility oder andere gehandelte Kandidaten antreten werden oder dürfen, ist offen. Bis zum 26. Oktober müssen die Anwärter ihre Bewerbung eingereicht haben.

Sollte Platini nach der Wahl beim außerordentlichen Fifa-Kongress in Zürich tatsächlich als Blatters Erbe feststehen, beginnt das große Stühlerücken. Niersbach wird als Favorit auf die Platini-Nachfolge bei der Uefa gehandelt. Schon Mitte September auf Malta könnte der DFB-Präsident von seinen Kollegen bei der Uefa-Versammlung gebeten werden, für das Amt zu kandidieren. "Bis dahin bringt es nichts, sich an irgendwelchen personellen Spekulationen zu beteiligen", sagte Niersbach. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge von Bayern München hat bereits Liga-Präsident Reinhard Rauball als neuen DFB-Boss ins Spiel gebracht. "Rauball wäre ohne Frage eine gute Alternative", sagte Rummenigge gestern.

Meinung:

Netzwerker unter sich

Von SZ-RedakteurMichael Kipp

Michel Platini ist Favorit auf die Nachfolge von Joseph Blatter. Nicht, weil er die große Hoffnung auf eine ethisch, fair gehandelte und moralische Fifa aus dem Bioladen ist. Nein, weil er es genauso gut versteht wie Blatter, die Klaviatur der Netzwerke zu spielen. Die sind bei der Uefa nicht anderes gestrickt als bei der Fifa: sehr unsauber. Es gibt unzählige Indizien dafür, dass auch Uefa-Exekutivmitglieder gerne mal Entscheidungen wie geschmiert durchdrücken. Zum Beispiel der Ukrainer Hryhorij Mychajlowytsch Surkis. Er verhalf Platini ins Uefa-Amt, und die Ukraine bekam die EM 2012. Oder Platinis Sohn Laurent: Er sitzt in Genf als Manager des Sportartikelkonzerns Burrda Sport, ein Unternehmen aus dem Portfolio des "Fonds Qatar Sports Investment", der unter anderem Paris St. Germain besitzt. Platini hat übrigens für die WM in Katar 2022 gestimmt. Oder Platinis Schwiegersohn Yohann Zveig. Ein Komponist. Aus dessen Feder stammt die Hymne der Europa League und auch die Hymne des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Dass daher DFB-Chef Niersbach im Falle eines Wahlsieges Platinis vom Uefa-Thron trällern darf, ist natürlich Quatsch - aber dennoch sehr wahrscheinlich. Schließlich funktionieren die alten Netzwerke bestens. Die zerstört ja keiner.

Zum Thema:

auf einen blickDer Fußball-Weltverband Fifa wählt am 26. Februar 2016 auf einem Sonderkongress den erst neunten Präsidenten seiner bislang 111-jährigen Geschichte. Die Präsidenten seit 1904: der Franzose Robert Guerin (1904 bis 1906), der Engländer Daniel Burley Woolfall (1906 bis 1918), der Franzose Julet Rimet (1921 bis 1954), der Belgier Rodolphe William (1954 bis 1955), der Engländer Seeldrayers Andrew Drewry (1955 bis 1961), der Engländer Stanley Rous (1961 bis 1974), der Brasilianer João Havelange (1974 bis 1998) und zuletzt der Schweizer Joseph Blatter, der seit 1998 im Amt ist. dpa