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Pilotprojekt mit PerspektiveJoana Meyers Ziel heißt BundesligaPremiere mit Lerneffekt"Eine Konzentration ist notwendig"

Pilotprojekt mit PerspektiveJoana Meyers Ziel heißt BundesligaPremiere mit Lerneffekt"Eine Konzentration ist notwendig"

Saarlouis. In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich im saarländischen Jugend-Basketball etwas entwickelt, das getrost als kleine Revolution bezeichnet werden darf. Es handelt sich um eine Spielgemeinschaft mehrerer Vereine im Mädchenbereich

Saarlouis. In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich im saarländischen Jugend-Basketball etwas entwickelt, das getrost als kleine Revolution bezeichnet werden darf. Es handelt sich um eine Spielgemeinschaft mehrerer Vereine im Mädchenbereich. Diese SG Saar umfasst Spielerinnen der Jahrgänge 1994 und 1995 der Vereine TuS Ensdorf, Schaffhausen 96ers, des TV Saarlouis sowie der Baskets 98 Völklingen. Gerade eine Zusammenarbeit der beiden letztgenannten Vereine erschien wegen der jahrzehntelangen Rivalität der beiden saarländischen Aushängeschilder unmöglich. Aber der Erfolg gibt dem Projekt Recht: Am Wochenende kann die SG in der Ensdorfer Großsporthalle Regionalliga-Meister werden.Doch der Reihe nach: Alles begann mit einer Zusammenarbeit des TV Saarlouis und des TuS Ensdorf. Beide Clubs hatten mangels Masse Schwierigkeiten, Mädchenmannschaften zu melden. "Was vor allem daran liegt, dass es einfach nicht sehr viele Mädchen gibt, die Basketball spielen", erklärt Ingobert Schmidt, Vorstandsmitglied des TuS Ensdorf.Diese neue Mannschaft - eigentlich der Altersklasse U14 - erwies sich als so spielstark, dass sie als reine Mädchenmannschaft bei der männlichen U16 in der Landesliga antrat und dort die Meisterschaft errang. Fast gleichzeitig ging es beim Basketballverband Saar darum, neue Auswahlmannschaften bei den Mädchen zu sichten. Und die nach dem Rücktritt von Zsuzsa Boksay vakante Stelle des Auswahltrainers neu zu besetzen. Nach einer Sichtung wurde die neue Saar-Auswahl nominiert - und sie war fast identisch mit der SG Saarlouis/Ensdorf. Blieb die Stelle des Trainers. In Saarlouis kümmerten sich Trainer Andreas Edelbluth und Bundesliga-Spielerin Julie Page bereits um die Mannschaft, also lag es nicht mehr fern, den Trainer der Bundesliga-Mannschaft des TV Saarlouis, Ren&; Spandauw, zu fragen. Der sagte zu - und die Entwicklung nahm seinen Lauf. Er sichtete im Saarland weiter und hatte schnell weitere viel versprechende Talente entdeckt. Aus Schaffhausen stieß Julia Contelly zum Team, in Völklingen fiel ihm Fee Zimmermann auf. Ihre Vereinstrainerin Anne Baldauf überlegte nicht lange, sondern bemühte sich um die Zweitlizenz. Durch diese müssen die Jugendlichen nicht ihren Stammverein verlassen, sondern sind für beide Vereine spielberechtigt. Da es aber mit einem Zweitspielrecht für eine Spielgemeinschaft laut den Regularien Probleme gibt, startet die SG Saar unter dem Namen TV Saarlouis.Kein Problem für Anne Baldauf, Jugendtrainerin bei den Baskets Völklingen: "Es wird wirklich Zeit, dass man über diese altbackene Rivalität hinwegsieht, denn die bringt den saarländischen Basketball nicht weiter. Wir können es uns nicht leisten, die wenigen Talente, die wir haben, auch noch im ganzen Saarland zu verstreuen. Diese Konzentration ist notwendig und sinnvoll."Und sie ist erfolgreich. Beim stark besetzten internationalen Turnier in Soleuvre in Luxemburg im Dezember reichte es zu Platz vier. Erstmals wurden Lehrgänge mit dem Basketballverband Rheinland-Pfalz durchgeführt, um gemeinsam die südwestdeutsche Auswahl zu bilden. Von der SG Saar haben sich mit Kristin Schmidt, Joana Meyer und Rieke Sommerfeld drei Spielerinnen qualifiziert. Nicht zu Unrecht, denn bei einer Sichtungsmaßnahme des Deutschen Basketball-Bundes in Dortmund Anfang Februar gelang der saarländischen Auswahl erstmals seit über zehn Jahren wieder, sich gegen die Auswahl aus Rheinland-Pfalz durchzusetzen. Ein historischer Sieg - dem noch einige folgen sollen. Die nächste Chance gibt es am Samstag (ab 15.30 Uhr) und Sonntag (ab zehn Uhr) in Ensdorf. Die Gegner heißen Grünstadt, Weiterstadt und Trier.Herr Spandauw, wie kam es zu Ihrer Mitarbeit bei der SG Saar?Ren&; Spandauw: Es bietet sich an, dass ein Bundesliga-Trainer, der immer auf der Suche nach Talenten ist, sich dort engagiert. Welches Ziel treibt Sie dabei an?Spandauw: Ich möchte, dass junge Mädchen eine Chance bekommen, wenn sie talentiert und mit Begeisterung dabei sind. Dass wir in Saarlouis in der Bundesliga auf junge deutsche Spielerinnen setzen, ist schon sehr gut. Aber noch besser wäre es, wenn bald wieder Saarländerinnen dort spielen. Wie kann das erreicht werden?Spandauw: Durch eine möglichst frühe und intensive Förderung und Konstrukte wie die SG Saar. Eine Konzentration ist notwendig, ich sehe keinen anderen Weg. Dabei ist es völlig egal, wo sie stattfindet. Können Sie garantieren, dass solche Konstrukte Erfolg haben?Spandauw: Garantien gibt es nie, aber gute Beispiele. In Holland haben wir mal Talente aus mehreren Vereinen zusammengeführt. Diese Mannschaft wurde die Nummer drei in Holland, von zwölf Spielerinnen wurden zwei Nationalspielerinnen und fünf haben es in die erste Liga geschafft. Das hätten die einzelnen Vereine nie hinbekommen. Was würden Sie Vereinsvertretern sagen, die sich einer solchen Konzentration der Kräfte versperren?Spandauw: Ich würde fragen, ob es ihnen um die Spielerin geht oder nur um die Vereinsinteressen. Wenn eine richtig gut wird, kann sie ein kleiner Verein sowieso nicht halten. Aber er sollte ihr nicht die Chancen verbauen, noch besser zu werden. Wäre eine SG Saar auf den Aktiven-Bereich übertragbar?Spandauw: Zur Zeit glaube ich das nicht. Dazu sehen zu wenige Vereine die Notwendigkeit dazu. Was aber gerade im Herren-Bereich heißt, dass hier zur Zeit wohl kein Club über die Regionalliga hinauskommen wird.Saarlouis/Gießen. Die SG Saar ist an diesem Wochenende nicht die einzige saarländische Jugendmannschaft, die um die Regionalliga-Meisterschaft spielt. Auch die männliche U18 des TV Saarlouis mit ihrem Coach Ricky Easterling (Foto: SZ) darf sich mit den besten Teams im südwestdeutschen Raum messen. "Schon die Qualifikation war eine Überraschung", gibt Dieter Kirsch, Abteilungsleiter Basketball im TV Saarlouis, offen zu: "Das ist das erste Mal, dass eine Saarlouiser Mannschaft in dieser Altersklasse so weit gekommen ist."Die Gegner in Gießen sind der TV Langen, das Basketball-Leistungszentrum Mittelhessen sowie die Nachwuchs-Mannschaft des Basketball-Bundesligisten TBB Trier, die unter dem Namen Bernkastel-Kues startet. "Diese Mannschaften gehören zu den besten in Deutschland", weiß Kirsch: "Daher sind die Chancen, einen der beiden ersten Plätze zu belegen, fast bei null." Noch dazu, da die Saarlouiser Spieler im Schnitt fast zwei Jahre jünger als ihre Konkurrenten sind. Kirsch erklärt: "Wir haben nur drei Spieler aus dem Jahrgang 1990 dabei, alle anderen sind ein oder sogar zwei Jahre jünger. Und das macht gerade in dieser Altersstufe körperlich und leistungsmäßig eine Menge aus."Der Lerneffekt steht also im Vordergrund. Deshalb wird auch Chris Cummings, Trainer der Saarlouiser Herren, als Co-Trainer mit nach Gießen fahren. "Auch wenn die Mannschaft wohl keine Chance haben wird, werden sich die Spieler entwickeln. Fünf davon spielen schon in unserer Landesliga-Mannschaft. Das Ziel ist es, mittelfristig mehrere Spieler in die erste Mannschaft zu integrieren", erklärt Abteilungsleiter Dieter Kirsch. sprSaarlouis. Noch heute macht Joana Meyer ein ungläubiges Gesicht, wenn sie an den vergangenen April zurückdenkt. Damals war sie 13 und großer Fan der Saarlouiser Bundesliga-Mannschaft. Schließlich kommt sie aus der Stadt, spielt im selben Verein, seit sie drei Jahre alt war. Gerade hatten die Royals den USC Freiburg geschlagen und sich den dritten Platz in der Meisterschaft gesichert. Wie fast nach jedem Heimspiel ging Joana zu den Spielerinnen, um sie zu beglückwünschen. "Plötzlich stand Ren&; Spandauw vor mir und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, bei der Bundesliga-Mannschaft mitzutrainieren. Ich habe das erst für einen Witz gehalten, selbst als er nach meiner Telefonnummer und sonstigen Daten gefragt hat." Es war aber kein Witz. Denn Spandauw hatte sich die U14, in der sie bis dahin spielte, genau angesehen und ihr Talent erkannt. "Dann ging alles ganz schnell", erinnert sich Joana. "Ich durfte die komplette Vorbereitung des Bundesliga-Teams mitmachen." Überfordert wurde sie damit nicht, denn es ging in der Vorbereitung vor allem um die Basisarbeit. "Ich habe so viel gelernt, mich quasi in jedem einzelnen Training verbessert und setze viele Dinge schon im Spiel um." Zum Bundesliga-Kader gehört sie natürlich noch nicht. Dafür spielt sie bei der SG Saar und der Saarauswahl bei der U14 und ist dort eine der Leistungsträgerinnen, dazu in der U16. Mit all diesen Teams trainiert sie auch - aber auf die Arbeit mit dem Bundesliga-Kader freut sie sich besonders: "Da lernt man einfach am meisten." Bis zu sechs Mal trainiert Joana in der Woche. Mit der Schule sei das gut zu vereinbaren. "Das ist kein Problem, meine Noten sind gut", sagt die Schülerin der achten Klasse am Max-Planck-Gymnasium. Ihr Lieblingsfach? Natürlich Sport. Die ersten Erfolge haben sich schon eingestellt: Bei einer Sichtung des Deutschen Basketball-Bundes Anfang Februar schaffte sie es unter die zwölf besten Spielerinnen, wurde zudem für die südwestdeutsche Auswahl ihrer Altersklasse nominiert. Vielleicht nur der Beginn einer größeren Karriere. Denn die 14-Jährige hat Großes vor: "Ich will irgendwann für Saarlouis in der Bundesliga auflaufen." spr "Ich will irgendwann in der Bundesliga auflaufen" Joana Meyer, 14."Diese Konzentration ist notwendig und sinnvoll."Anne Baldauf, Jugendtrainerin der Baskets 98Meinung

Über Schranken hinwegsehen

Talent: Joana Meyer. Foto: SZ

Von SZ-MitarbeiterSascha Sprenger Was seit Jahren lediglich wie eine hehre Idee erschien, passiert zur Zeit: saarländische Basketballvereine - auch welche, die eine lange Rivalität pflegen - kooperieren zum Wohl ihres Sports. Oder vielmehr zum Wohl der Spielerinnen, die in der SG Saar die Chance haben, sich unter professionellen Strukturen weiterzuentwickeln. Die Vereine haben zunächst nur aus der Not eine Tugend gemacht, doch dieses Beispiel sollte Schule machen. Im Saarland herrschen nicht die Strukturen wie in Hessen oder Baden-Württemberg vor, wo es mehrere Basketball-Internate gibt - von der weit geringeren Anzahl der Jugendlichen ganz abgesehen.Wenn der saarländische Basketball nicht den Anschluss verlieren will, dürfen sich die Vereine einer solchen Bündelung der Kräfte nicht verschließen. Und sollten dabei auch mal über (veraltete) Vereinsschranken hinwegsehen.