| 20:59 Uhr

1. FC Saarbrücken
Perdedaj ist der nächste Pechvogel

Fanol Perdedaj (Zweiter von rechts) wird von Manuel Zeitz und FCS-Physiotherapeut Paolo da Palma verletzt vom Platz geführt. Der Mittelfeldspieler gehört in dieser Saison bislang zu den Säulen der Mannschaft.
Fanol Perdedaj (Zweiter von rechts) wird von Manuel Zeitz und FCS-Physiotherapeut Paolo da Palma verletzt vom Platz geführt. Der Mittelfeldspieler gehört in dieser Saison bislang zu den Säulen der Mannschaft. FOTO: Andreas Schlichter
Haiger. Mittelfeldspieler des FCS verletzt sich beim 1:1 in Steinbach. Sein Einsatz gegen Waldhof Mannheim ist fraglich. Von Patric Cordier

Es war das Bild des Abends: Daniel Batz, der Torwart des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken, nimmt nach dem Abpfiff Mitspieler Fanol Perdedaj huckepack und trägt ihn Richtung Kabine. Der FCS hat das 1:1 beim TSV Steinbach mit einer weiteren Verletzung erkauft – wenn auch nicht so teuer wie zunächst befürchtet. „Es handelt sich wohl um eine muskuläre Verhärtung“, erklärte FCS-Sportdirektor Marcus Mann gestern, „wir glauben nicht, dass er länger ausfällt, für Sonntag könnte es aber knapp werden.“


Der FCS war vor fast 1700 Zuschauern nach 23 Minuten durch den quirligen Gillian Jurcher in Führung gegangen. Er besetzte die durch die muskulären Verletzungen von Sebastian Jacob, José Pierre Vunguidica und Marcel Carl entstandene Vakanz im Saarbrücker Sturmzentrum. „Natürlich bin ich froh, im ersten Spiel von Beginn an getroffen zu haben“, sagte der Neuzugang, „aber für die Mannschaft wäre ein Sieg wichtiger gewesen.“ FCS-Trainer Dirk Lottner hatte sich auch wegen des höheren Tempos für Jurcher und gegen Markus Obernosterer entschieden. „Wir hatten die Absicht, Tiefe in unser Spiel zu bringen“, sagte Lottner, „Gillian leitet den Konter selbst ein und schließt ab. Schönes Tor – und er hat auch so ein gutes Spiel gemacht.“

Bis zur 55. Minute war es sogar ein sehr gutes Spiel des FCS. Dann wirkte die Mannschaft müde, schaffte es kaum noch, die sichere Abwehr um die herausragenden Benajmin Kessel und Steven Zellner zu entlasten. Gerade Tobias Jänicke und auch Markus Mendler hinken derzeit hinter ihren Möglichkeiten her. „Es war bemerkenswert, wie Steinbach trotz des DFB-Pokalspiels in den Beinen in der zweiten Hälfte Druck aufgebaut hat“, sagte Mann, „ob es an ihnen oder uns lag, ist schwer zu beurteilen. Steinbach hat eine gute Mannschaft und ist gut in Form.“



Die Gäste ließen wenig zu, der Ausgleich von Sasa Strujic (62.) fiel nach einer Ecke, als einige Saarbrücker ein Handspiel reklamierten. Der Formcheck des FCS fällt schwierig aus. Zum Saisonstart gegen Frankfurt schlecht, in Freiburg besser, in Steinbach ersatzgeschwächt 60 Minuten sogar sehr gut – dann am Ende doch wieder diskutabel. Alexandre Mendy rettete in der Nachspielzeit den insgesamt verdienten Punkt vor dem eingewechselten Steinbacher Benedikt Koep.

Dass die Diskussion um die Stürmersuche als Deckmantel für andere Probleme dienen kann, wollte von den Verantwortlichen öffentlich (noch) keiner unterschreiben. „Wenn du bei Vereinen anrufst, bekommst du oft die Antwort: Abgeben wollen wir keinen, aber wir suchen selbst noch einen Stürmer“, sagte Mann zum Fortgang der Bemühungen. Hoher Krankenstand, Fragen nach Fitnesszustand und Form, noch kein Stürmer – das sind die Baustellen nach der Partie in Steinbach, aber vielleicht auch das richtige Fundament für eine erneute Trotzreaktion im nächsten Spitzenspiel am Sonntag gegen Waldhof Mannheim (15 Uhr, Völklingen).

Acht Stunden vor dem Anstoß in Haiger wurde am Mittwoch an einer anderen Saarbrücker Baustelle der Grundstein gelegt: im Ludwigsparkstadion. „Die Rückkehr nach Hause ist in Sicht, wir müssen nur noch ein bisschen Geduld haben“, sagte FCS-Aufsichtsratschef Frank Hälsig, der den Club nur als „potenziellen Hauptmieter“ bezeichnete – ein Hinweis darauf, dass bislang weder Betriebskonzept noch Mietvertrag ausgearbeitet sind.

Oberbürgermeisterin Charlotte Britz sprach nicht aus, dass das Projekt zunächst auf 16 Millionen Euro kleingerechnet wurde, nun aber realistische 28 Millionen Euro kosten soll. Kein Wort zur gescheiterten Suche nach einem Generalunternehmer, dem Baustopp und der jetzigen Vergabe in Teilbereichen. „Ein Stadionbau ist für Oberbürgermeister nie ein freudiges Projekt“, ließ Britz in Bezug auf die massive Kritik und die aus ihrer Sicht mangelnde Unterstützung auch der saarländischen Landesregierung aber dann doch eine gewisse Verstimmung durchklingen: „Als es schwierig wurde, waren wir ziemlich alleine. Ich hoffe, dass wir nun das Stadion gemeinsam zu einem guten Abschluss bringen.“ Der ist immer noch für Anfang 2020 vorgesehen.