1. Sport
  2. Saar-Sport

Peiffers Nerven versagen

Peiffers Nerven versagen

Ruhpolding. Magdalena Neuner schlug die Hände vors Gesicht, dann strich sie Arnd Peiffer tröstend über den Rücken. Seine Strafrunde nach dem letzten Schießen kostete die deutsche Mixed-Staffel die Goldmedaille und Neuner einen perfekten Auftakt in ihre letzte Biathlon-Weltmeisterschaft

Ruhpolding. Magdalena Neuner schlug die Hände vors Gesicht, dann strich sie Arnd Peiffer tröstend über den Rücken. Seine Strafrunde nach dem letzten Schießen kostete die deutsche Mixed-Staffel die Goldmedaille und Neuner einen perfekten Auftakt in ihre letzte Biathlon-Weltmeisterschaft. Die als Zweite hinter Slowenien ins Ziel gekommenen Norweger durften wegen einer Zeitgutschrift der Jury den ersten Titel in Ruhpolding feiern. "Wir haben die erste Medaille im eigenen Land gewonnen. Und jetzt fangen wir an zu sammeln", sagte Neuner, die ihre Karriere mit sechs Medaillen bei sechs Starts beenden möchte. Danach tröstete sie Peiffer: "Ist doch klar, dass er sich darüber ärgert. Aber jeder von uns hat diese Situation schon erlebt."58,7 Sekunden hatte Peiffer von seinen drei Staffel-Kollegen als Vorsprung auf die Schlussrunde mitgenommen. Vor dem letzten Schießen war der Großteil davon übrig - dann versagten ihm vor 26 000 Fans die Nerven. "Schön, dass die anderen drei so tolerant sind, aber ich ärgere mich maßlos", sagte Peiffer. Neben Neuner spendeten die Kollegen Andrea Henkel und Andreas Birnbacher Trost: "Das Wichtigste ist, dass wir nicht vom Podest gestoßen worden sind."

Wer oben stehen darf, war unklar. Außenseiter Slowenien war als Erster ins Ziel gekommen. Doch die als Zweite eingelaufenen Norweger jubelten am Ende. Ihr vorletzter Starter Ole Einar Björndalen hatte eine Scheibe getroffen, der Computer den Treffer aber nicht erkannt - Björndalen musste eine Strafrunde laufen. Norwegen legte Protest ein und erhielt am grünen Tisch 28,4 Sekunden gutgeschrieben.

Es war das dramatische Finale eines Rennens, in dem die Nerven der Deutschen nicht hielten. Bei frühlingshaften Bedingungen sammelte Startläuferin Henkel 46,3 Sekunden Rückstand an. "Ich war diesmal tatsächlich etwas nervös", sagte Henkel. Sie übergab als Sechste an Neuner, die am Schießstand drei Mal nachladen musste: "Da war schon ein bisschen Zittern dabei." Doch sie lief wie entfesselt. So betrug der Rückstand der Deutschen als Zweite auf die führenden Franzosen nur noch 7,2 Sekunden, als Neuner an Birnbacher übergab. Der holte den Rückstand bis zum ersten Schießen auf - und schockte die Konkurrenten dann mit einer Schnellfeuereinlage, die er beim zweiten Schießen wiederholte. Birnbacher holte 58,7 Sekunden Vorsprung für Peiffer heraus. Neuner jubelte schon: "Ich denke, wir holen Gold." Es kam anders, Deutschland hatte im Ziel 32,8 Sekunden Rückstand. Doch die Rekord-Weltmeisterin ließ sich die Laune mit Blick auf den Sprint morgen nicht verderben: "Es ist doch alles so schön hier. Die Sonne scheint, die Leute sind wie ein großer Chor. Das kann man doch nur genießen." Selbst wenn man statt Gold nur Bronze gewinnt. dapd

"Jeder von uns hat diese Situation schon erlebt."

Magdalena Neuner über Arnd Peiffer

Am Rande

Kurz vor dem Auftaktrennen der Biathlon-WM in Ruhpolding wurde die Strecke gestern mit Salz präpariert. Dies war nötig, da Frühlingseinbruch und Regen dem Kurs zugesetzt hatten. 110 Kilogramm Salz wurden auf die 2,5 Kilometer lange Runde gestreut. "Es gibt jetzt in ganz Ruhpolding nur noch Brezeln ohne Salz", scherzte Wettkampf-Chef Norbert Baier. Salz entzieht Kunstschnee Wasser. "Damit wird der Schnee härter", erklärte Baier. Er hofft darauf, dass der Winter zurückkehrt: "Wir haben nicht damit gerechnet, dass es um diese Zeit so warm wird." Die WM dauert bis zum 11. März. "Wenn man Salz öfter verwendet, wird irgendwann der Kurs zerstört", gab Baier zu bedenken. dpa