Pechstein wird vom Husten gequält

Kolomna · Das hatte sich Claudia Pechstein anders vorgestellt. Seit fast zwei Wochen quält die beste deutsche Eisschnellläuferin ein hartnäckiger Husten und verhindert so eine optimale Vorbereitung auf die WM. Starten will sie trotzdem.

Claudia Pechstein kann trotz einer Erkältung bei den heute beginnenden Eisschnelllauf-Weltmeisterschaften im russischen Kolomna an den Start gehen. "Der Husten ist immer noch nicht weg, aber sie wird es versuchen", sagte Bundestrainer Helge Jasch gestern Abend bei der Auslosung für die ersten beiden WM-Strecken. Jedoch fügte er hinzu: "Ob es richtig war, werden wir erst nach dem Rennen wissen."

Über 3000 Meter trifft die 43 Jahre alte Berlinerin heute im drittletzten Paar auf die Japanerin Miho Takagi. Dann soll der Frust der vergangenen Tage abgeschüttelt sein. "Da bereitet man die ganze Saison das große Ziel vor, ist heiß auf den Höhepunkt - und dann so was", hatte sie zuvor mit krächzender Stimme gesagt: "Es ist wirklich sehr bitter."

Immer wieder muss die 43-Jährige husten, seit knapp zwei Wochen ist sie von einer hartnäckigen Erkältung geplagt. Gerade mal eine Stunde hatte die deutsche Rekord-Olympionikin in den drei Tagen vor der Abreise am Sonntag auf dem Eis gestanden. Dennoch nahm sie die Maschine Richtung Moskau. Denn Pechstein ist eine Kämpferin. Sie ist die einzige noch aktive Eisschnellläuferin, die schon bei der WM-Premiere 1996 im norwegischen Hamar auf dem Eis stand. Damals holte sie den Titel über 5000 Meter und zweimal Silber. Keinen der folgenden 15 Titelkämpfe hat sie freiwillig versäumt und zumindest einmal Edelmetall mit nach Berlin gebracht. Nur 2009 durfte sie aufgrund ihrer Sperre wegen erhöhter Blutwerte nicht dabei sein. Das wurmt sie noch immer.

Viele Hämatologen haben eine vom Vater geerbte Blutanomalie als Grund für die Werte nachgewiesen. Der Eislauf-Weltverband Isu hält an seinem per "indirektem Beweis" gefällten Urteil von vor sieben Jahren fest. Am 8. März prozessiert Pechstein daher gegen den Verband nun vor dem Bundesgerichtshof - in der mittlerweile siebten Instanz.

Doch jetzt rückt erst einmal Kolomna in ihren Fokus. Das Eis mache einen guten Eindruck, teilte sie nach den ersten Schritten in der Arena mit. "Russische Bahnen finde ich generell ganz gut. Sie sind für gute Qualität bekannt", sagte die Berlinerin.

29 Medaillen hat Pechstein bei Einzelstrecken-Titelkämpfen gesammelt. Nummer 30 wäre eine Sensation. "Eigentlich müsste ich in meinem Alter in jedem Rennen Letzte werden. Insofern ist jeder Platz, der besser ist, schon ein Erfolg", sagt die älteste Läuferin der WM-Geschichte.

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