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Pauline Schäfer-Betz turnt um eine WM-Medaille am Schwebebalken

Turn-WM in Japan : Saarländische Ex-Weltmeisterin Schäfer-Betz turnt um Medaille

Die Saarländische Ex-Weltmeisterin darf sich am Schwebebalken Hoffnung machen. Bei der WM in Japan läuft es bisher extrem gut für sie. Jetzt turnt sie um eine Medaille.

Ein Weltmeistertitel am Schwebebalken ist das eine, der Start in eine neue berufliche Zukunft das andere. Beim Countdown zu ihrem letzten Auftritt bei den Kunstturn-Weltmeisterschaften in Kitakyushu an diesem Sonntag (10 Uhr/MESZ) muss und will Pauline Schäfer-Betz zweigleisig fahren. „In der nächsten Woche beginnt in Chemnitz unser erstes Turncamp. Da muss ich auch von Japan aus so einiges erledigen“, sagt die 24-Jährige, die mit ihrem Partner Andreas Bretschneider die private Turnschule Grip & Grow gegründet hat.

Da wäre zum Einstieg eine WM-Medaille nicht die schlechteste Werbung für das junge Startup-Unternehmen. Denn das Projekt ist auch ein Gegenentwurf zur umstrittenen Methodik von Gabi Frehse, langjährige Trainerin der Weltmeisterin von 2017. Schäfer-Betz hatte die rigiden Trainingsmethoden ihrer langjährigen Betreuerin angeprangert und wirbt nun selbst mit dem Versprechen, „mit veralteten Turntraditionen und autoritären Trainingsregimes zu brechen“. Längst ist das Tischtuch zwischen den beiden Frauen zerschnitten.

Dank ihrer Routine sieht Schäfer-Betz der sonntäglichen Medaillenentscheidung gelassen entgegen: „Ich will keine wilden Prognosen abgeben, sondern einfach nur eine saubere und schöne Übung turnen.“ Schwieriger als ihr Vorkampfprogramm am Montag soll sie trotzdem sein, der Ausgangswert wird wohl von 5,4 auf 5,9 Punkte erhöht.

Die gesammelten Erfahrungen aus zahlreichen internationalen Championaten – zweimal Olympia inklusive – helfen bei der Vorbereitung nur bedingt. „Ich habe mich in der Qualifikation sicher gefühlt. Aber mit der Aufregung kurz vor dem Start wird es nicht besser. Jeder Wettkampf ist eine komplett neue Situation, die man sich erarbeiten muss“, sagt die Saarländerin, die es als einzige Deutsche in ein Finale der WM geschafft hat. Dabei empfindet sie es als positiv, dass anders als bei Olympia in Tokio zumindest japanisches Publikum in Kitakyushu wieder zugelassen ist: „Das empfinde ich als Ehre für uns, und ich versuche, das zu genießen.“

Kein Genuss sind hingegen die weiter strengen Corona-Restriktionen in Japan. „Es wird immer noch regelmäßig getestet, das Hotelzimmer ist klein. An die frische Luft kommt man leider wenig“, berichtet Schäfer-Betz. Wirklich aufatmen kann sie wohl erst wieder bei der Rückkehr nach Deutschland. Vielleicht ja mit einer WM-Medaille um den Hals.