Paolo Guerrero im Visier der Fahnder

Paolo Guerrero im Visier der Fahnder

Hamburg. Paolo Guerrero ein Fall für die Justiz. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Hamburger Staatsanwaltschaft haben Ermittlungen gegen den Stürmer des Hamburger SV aufgenommen. Sein Verein hatte dem Peruaner tags zuvor eine Geldstrafe auferlegt, die es in dieser Höhe nie beim Fußball-Bundesligisten gegeben habe, wie HSV-Chef Bernd Hoffmann sagte

Hamburg. Paolo Guerrero ein Fall für die Justiz. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Hamburger Staatsanwaltschaft haben Ermittlungen gegen den Stürmer des Hamburger SV aufgenommen. Sein Verein hatte dem Peruaner tags zuvor eine Geldstrafe auferlegt, die es in dieser Höhe nie beim Fußball-Bundesligisten gegeben habe, wie HSV-Chef Bernd Hoffmann sagte. Schätzungen reichen von 50 000 bis 100 000 Euro.

Nachdem Guerrero nach dem 0:0 am Ostersonntag gegen Hannover 96 einem pöbelnden Fan eine gefüllte Kunststoff-Trinkflasche an den Kopf geschleudert hatte, will der DFB die Stellungnahme des Stürmers abwarten, bevor er vermutlich eine Sperre verhängt. "Auch wenn Guerrero von einem Zuschauer provoziert worden sein sollte, gilt für ihn das, was auch auf dem Platz gilt: Ein Sportler kennt keine Rache. Wer sich nicht daran hält, wird bestraft", sagte Anton Nachreiner vom DFB.

Obwohl keine Anzeige des Opfers vorliegt, ist die Staatsanwaltschaft aktiv geworden. Es bestehe der Anfangsverdacht einer gefährlichen Körperverletzung. Weil es sich um ein Offizialdelikt handelt, bedarf es keiner Anzeige.

Die Aufregung um den HSV lässt Uwe Seeler schaudern: "Profis dürfen sich so etwas nicht leisten." Das HSV-Idol sorgt sich auch wegen der sportlichen Talfahrt des Vereins. Viel schlechter als gegen Hannover gehe es nicht, sagte Seeler. "Da kann man nichts Positives mehr erkennen und darf das auch nicht schönreden", erklärte der 73-Jährige. Der HSV läuft Gefahr, den sechsten Platz in der Bundesliga zu verspielen, der zur Europa-League-Qualifikation reichen würde. Seeler wundert sich über den Leistungsverfall des einstigen Champions-League-Anwärters. "Dabei hat der HSV das beste Spielerpotenzial neben Bayern München und Bayer Leverkusen", sagte der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft.

Kritik gab's von HSV-Stadtrivale FC St. Pauli. "Bei uns würde er nicht mehr spielen", stellte Präsident Corny Littmann in Sachen Guerrero klar: "Der Fan ist das größte Gut des Vereins. Wenn das ein Spieler nicht weiß oder gar verletzt, dann muss der Verein energisch reagieren." Von einem Fußball-Millionär dürfe man ein entsprechendes Verhalten erwarten. Nur eine Geldstrafe hält Littmann nicht für angemessen. "Da muss man konsequent sein und eine mögliche sportliche Schwächung der Mannschaft in Kauf nehmen. Alles andere ist kurzsichtig." Er sieht ein Problem im Fußball, wenn er das Zusammenspiel zwischen Fans und Mannschaft betrachtet: "Immer weniger Spieler können Identität schaffen mit dem Verein. Da werden Vereinswechsel zu abenteuerlichen Summen vollzogen. Das böse Wort vom Söldnertum erhält neue Nahrung. Der Fan kann nicht mehr die Verbundenheit des Profis zum Verein und seinen Anhängern erkennen, sondern nur die Verbundenheit des Profis zu seinem gut dotierten Vertrag." Mit hohen Gehaltsforderungen für eine Vertragsverlängerung habe Guerrero Unzufriedenheit unter den Fans angestachelt. dpa