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Palmen, Eiseskälte und Herr Wasmeier

Palmen, Eiseskälte und Herr Wasmeier

Ich gebe zu, ich bin da etwas einfach gestrickt. Schnee ist kalt - daher will ich mit ihm nichts zu tun haben. Ich war noch nie in den Bergen zum Skifahren, auch wenn es auf den Gletschern ja schön warm sein soll, bin ich dagegen. Sonne, Strand, Palmen, Fußball - dafür gebe ich mein Urlaubsgeld aus

Ich gebe zu, ich bin da etwas einfach gestrickt. Schnee ist kalt - daher will ich mit ihm nichts zu tun haben. Ich war noch nie in den Bergen zum Skifahren, auch wenn es auf den Gletschern ja schön warm sein soll, bin ich dagegen. Sonne, Strand, Palmen, Fußball - dafür gebe ich mein Urlaubsgeld aus. Meine recht simpel strukturierte Antipathie gegen alles Kalte dieser Welt geht sogar soweit, dass ich bei Wintersport-Fernsehübertragungen wegschalte. Skispringen? Nö. Eiskanalfahrten? Geht gar nicht. Abfahrt? Maximal die Stürze. Und so sind meine Erinnerungen an die Winterspiele nahezu gar nicht existent. Aber eben nur nahezu. Es war im Jahre 1994, kurz vor meinen Abi-Prüfungen. Lernen oder Winterspiele in Lillehammer gucken, lautete die Frage. Ich entschied mich für die Spiele. Und so sah ich den Sohn eines Lüftlmalers vom Schliersee die Pisten runterbrettern. Für mich war er damals eine Reinkanation des nicht verstorbenen Sascha Hehn: Güldenes Kettchen, schicke Föhnwelle in Blond und ein Golf I Cabrio, um Skihasen von den Pisten abzutransportieren. Markus Wasmeier war für mich ein Lebemann, der meist hinterherfuhr. So auch bei der Abfahrt in Lillehammer: Platz 36 für den blonden Hobby-Schoßgeigenspieler. Niemand setzte einen Jägermeister auf ihn, doch Wasi siegte völlig unerwartet im Super-G und im Riesenslalom. Er war damit nach 58 Jahren der erste deutsche Skirennläufer, der Olympiasieger wurde (1936 hatte Franz Pfnür die Kombination gewonnen). Da Wasmeier danach zurücktrat, tat ich es ihm gleich und werde auch dieses Jahr die Spiele ignorieren. Außer, das Wetter in Vancouver ist besser als in Saarbrücken.