Olympische Spiele bald im Privat-Fernsehen?

Olympische Spiele bald im Privat-Fernsehen?

Hamburg. ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz schließt Olympia-Übertragungen im Privat-TV nach den Spielen 2012 in London nicht aus. Nachdem das Internationale Olympische Komitee (IOC) das Angebot der Europäischen Rundfunk-Union (EBU) für die Ausstrahlung der Olympischen Spiele 2014 und 2016 abgelehnt hat, könnte es ein nationales Wettbieten für die beiden Großveranstaltungen geben

Hamburg. ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz schließt Olympia-Übertragungen im Privat-TV nach den Spielen 2012 in London nicht aus. Nachdem das Internationale Olympische Komitee (IOC) das Angebot der Europäischen Rundfunk-Union (EBU) für die Ausstrahlung der Olympischen Spiele 2014 und 2016 abgelehnt hat, könnte es ein nationales Wettbieten für die beiden Großveranstaltungen geben. "Rein theoretisch besteht die Möglichkeit, dass Olympia ins Privat-TV abwandert. Aber das IOC sollte bedenken, was die Öffentlich-Rechtlichen in den vergangenen Jahrzehnten für Olympia und vor allem auch zwischen den Spielen für die Olympische Bewegung getan haben", sagte Gruschwitz am Mittwoch. Das IOC strebt an, für die Spiele 2014 und 2016 eine Milliarde US-Dollar aus dem Verkauf der TV-Rechte für Europa zu erlösen. Die öffentlich-rechtlichen Sender Europas haben die Spiele seit 1956 übertragen. Von 2014 an will das IOC nun Abkommen mit einzelnen Ländern schließen und so mehr Geld für Übertragungsrechte erlösen. Wie hoch das EBU-Gebot war, wurde nicht mitgeteilt. IOC-Sprecherin Emmanuelle Moreau sagte: "Das IOC verfolgt einen fairen und offenen Bieterprozess, der allen interessierten Parteien die Möglichkeit gibt, für die Olympischen Spiele 2014 bis 2016 die Rechte für Europa zu erwerben." ARD und ZDF bedauerten die Entscheidung des IOC. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte am Mittwoch in Mainz: "Ich habe große Zweifel, dass durch Einzelverkäufe in den Ländern mehr Geld erwirtschaftet werden kann. Die Entscheidung verkennt außerdem, dass die in der EBU zusammengeschlossenen öffentlich-rechtlichen Sender Europas immer dafür gesorgt haben, dass die Spiele ein größtmögliches Publikum hatten und dass der Sport in seiner ganzen Breite abgebildet wurde. Wie auch immer - bis 2014 ist es noch lange hin. Da wird es noch viele Gespräche geben." ARD-Programmdirektor Volker Herres stellte in München fest: "Die hohen finanziellen Forderungen des IOC haben uns schon sehr überrascht - wir halten die Erwartung für überzogen. Nun werden wir abwarten, wie das IOC hinsichtlich der Rechtevergabe entscheiden wird." 2014 finden die Winterspiele in Sotschi (Russland) statt. Der Austragungsort der Sommerspiele 2016 wird im kommenden Oktober zwischen Chicago, Tokio, Madrid und Rio de Janeiro ausgewählt. Die EBU zahlte 443,4 Millionen Dollar für die Spiele in Peking und 135 Millionen Dollar für die Spiele 2006 in Turin. Für Vancouver 2010 und London 2012 hält die EBU bereits die Rechte. dpa