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Legen die USA Protest ein?: Oh, wie schön für Panama

Legen die USA Protest ein? : Oh, wie schön für Panama

Phantom-Tor sorgt für erstmalige WM-Teilnahme des Kanalstaates. Die USA verpassen sensationell das Ticket zur WM 2018, können aber Protest einlegen.

Panamakanal und Panama-Papers – viel mehr ist in Deutschland nicht über das Land in Mittelamerika bekannt. Doch nun hat sich Panama zum ersten Mal für eine WM-Endrunde qualifiziert. Und das Dekret über den nationalen Feiertag am Mittwoch unterzeichnete Juan Carlos Varela noch in der Nacht – dabei trug der Staatspräsident Panamas den Trainingsanzug der Fußball-Nationalmannschaft.

„Zelebriert diesen historischen Tag! Das ist Euer Tag! Es lebe die Mannschaft! Es lebe Panama!“, twitterte Varela an seine vier Millionen Landsleute, die zu diesem Zeitpunkt schon längst kollektiv feierten. Auch Kevin Kuranyi, dessen Mutter aus Panama stammt, war gestern bester Laune. „Das ist sensationell“, sagte der frühere deutsche Nationalspieler: „Ich habe noch Verwandte in Panama und bin dort auch regelmäßig zu Besuch. Deshalb weiß ich, was die Qualifikation für die Menschen dort bedeutet.“

Varela ließ keinen Zweifel daran, dass das 2:1 (0:1) im letzten Qualifikationsspiel in der Nacht auf Mittwoch gegen Costa Rica eines der größten Ereignisse in der Historie des mittelamerikanischen Landes ist. Die Reise zur Endrunde könnte auch den Rest der Menschheit begeistern, denn das Motto des Landes lautet „Für das Wohl der Welt“. Und mit dem Wohl kennen sich die Panamaer aus. Dank der Einnahmen durch den Panamakanal gehört das Land, das 1903 vom Nachbarn Kolumbien unabhängig wurde, zu den reichsten in Lateinamerika. Auch deshalb zählen die Einwohner der Republik Panama, die sich Diktator Manuel Noriega 1989 mit Hilfe der USA vom Hals schafften, zu den glücklichsten Menschen weltweit.

Es besteht allerdings die Gefahr, dass sich Varela und seine Landsleute zu früh gefreut haben. Schließlich landete Panama nicht nur wegen des Patzers der USA (1:2 bei Trinidad und Tobago) auf dem dritten Platz der Qualifikation in Nord- und Mittelamerika.

Panama profitierte von einem Phantomtor, das stark an den irregulären Treffer von Thomas Helmer aus dem Jahr 1994 im Trikot von Bayern München erinnerte. Der Ball von „Torschütze“ Gabriel Torres wurde klar vor der Linie geklärt, anschließend stocherte Blas Perez den Ball deutlich am Pfosten vorbei. Trotzdem entschied Schiedsrichter Walter Lopez (Guatemala) auf Tor, es war das zwischenzeitliche 1:1.

Ein Protest der USA und/oder von Honduras, das als Viertplatzierter in die Playoffs müsste, erscheint wahrscheinlich. Am Ende muss sich wohl der Kontinentalverband Concacaf oder sogar der Weltverband Fifa mit dem Fall beschäftigen. Von einer Entscheidung am grünen Tisch will beim 60. der Fifa-Weltrangliste allerdings (noch) niemand etwas wissen.

Sichtlich geschockt zeigten sich in der Nacht auf Mittwoch die USA. Das Team um Trainer Bruce Arena und die Bundesliga-Profis Christian Pulisic und Bobby Wood ließ sich das fast schon sicher geglaubte WM-Ticket durch ein blamables 1:2 am finalen Spieltag bei Schlusslicht Trinidad und Tobago noch aus den Händen reißen. Der Dortmunder Pulisic traf nur zum 1:2 (49. Minute), damit findet erstmals seit 1986 eine WM-Endrunde ohne die USA statt. 2010 in Südamerika und 2014 in Brasilien hatten die Amerikaner jeweils den Sprung ins Achtelfinale geschafft.

„Wir haben eine ganze Nation hängen lassen“, sagte Pechvogel Omar Gomez, der die sensationelle Niederlage mit einem Eigentor eingeleitet hatte: „Dieser Treffer wird mich ein Leben lang verfolgen.“ Für Sports Illustrated war es das „peinlichste Scheitern“ in der Geschichte des US-Fußball-Teams.