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Öffentliches Duell um Bundestrainer-Job

Frankfurt. Auf der Suche nach dem neuen Handball-Bundestrainer sind jetzt auch offiziell nur noch die beiden Topkandidaten übrig. Beide stehen in der Bundesliga unter Vertrag, beide wollen das Amt – aber wer kriegt es? dpa-Mitarbeiter Eric Dobias

Shooting-Star oder Weltmeister : Nach dem überraschenden Wechselwunsch von Christian Prokop steuert das Bundestrainer-Casting des Deutschen Handball-Bundes (DHB) auf ein spannendes Finale zu. Neben dem Trainer des Bundesligisten SC DHfK Leipzig, der am späten Mittwochabend offiziell sein Interesse an dem Job verkündete, ist nur noch der Stuttgarter Markus Baur im Rennen um die Nachfolge von Dagur Sigurdsson.



Überraschende Kehrtwende

"Beide sind sehr gute Leute. Es sind verschiedene Typen mit verschiedenen Ideen, aber beide Konzepte sind mit den Vorstellungen des Verbandes kompatibel", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning gestern.

Prokop hatte nach der 23:31-Niederlage bei der SG Flensburg-Handewitt sichtlich aufgewühlt sein Interesse an dem Job bekundet. "Ich habe eine persönliche Entscheidung getroffen - und die heißt, dass ich gerne das Amt des Bundestrainers übernehmen möchte", sagte der 37-Jährige. "Ich habe ewig mit mir gerungen und kann nur hoffen, dass der Verband und unser Verein faire Gespräche führen werden."



Seine Ankündigung hatte überrascht, weil zuvor zahlreiche Medien von einer Absage Prokops an den DHB berichtet hatten. Zu der Verwirrung, dass Prokop der Mannschaft nach Medienberichten schon eine Zusage zum Verbleib in Leipzig gegeben hatte, wollte sich SC-Geschäftsführer Karsten Günther gestern nicht äußern.

Bei der Bundestrainer-Suche läuft es damit nun auf eine Entscheidung zwischen Prokop und Baur hinaus. Baur äußerte sich zurückhaltender zu seinen Ambitionen, die aber nicht minder groß sind. "Es ist eine Ehre, als Bundestrainer im Gespräch zu sein. Es ist natürlich eine sehr interessante Aufgabe", sagte der Weltmeister von 2007.

"Wir hatten eine Liste mit drei A-Kandidaten, zwei davon haben wir durchbekommen", sagte Hanning zufrieden. Dritter Anwärter auf die Nachfolge von Dagur Sigurdsson, der sein Amt nach der WM im Januar 2017 auf eigenen Wunsch abgibt, war der Däne Ulrik Wilbek. "Er ist ein erfahrener Mann, den ich sehr schätze. Er hat aber abgesagt", berichtete Hanning.

Der Verband hat nun die Qual der Wahl. Hier der aufstrebende Prokop, der als penibler Analytiker gilt und sich in der Branche schnell einen guten Ruf erworben hat. Dort der als Spieler zu Weltruhm gelangte Baur, der wie zu seiner aktiven Zeit - unter anderem beim TV Niederwürzbach - auch mal aus dem Bauch heraus Entscheidungen trifft und als früherer Nationalspieler und Junioren-Auswahltrainer mit den Verbandsstrukturen bestens vertraut ist.

Stephan übt Kritik am DHB

"Wir haben zwei A-Kandidaten und werden ganz ohne Hektik mit beiden transparent reden", kündigte Hanning weitere Gespräche an. Die wird es nun auch verstärkt mit den Vereinen geben. Prokop steht noch bis 2021 beim SC DHfK Leipzig unter Vertrag, Baur bis 2018 beim TVB 1898 Stuttgart. Dabei wird es vor allem um das Thema Geld gehen. Die Leipziger hatten schon im Vorfeld betont, Prokop nicht ohne Ablöse gehen lassen zu wollen. Geschäftsführer Günther bekräftigte diese Position gestern noch einmal. "Wir haben nie gesagt, dass es einen Freifahrtschein gibt. Es muss eine gute Lösung für alle sein", sagte er.

Kritik an der Vorgehensweise des DHB äußerte der frühere Welthandballer Daniel Stephan. "Man versteht nicht, dass der DHB das Casting um den zukünftigen Bundestrainer so öffentlich macht", sagte der 43-Jährige: "Es ist kein guter Stil, etwa Leipzig so in Aufruhr und so unter Druck zu setzen. Wenn die Verhandlungen scheitern, dann hat Leipzig ganz viele Wochen oder sogar Monate nur Theater und Unruhe gehabt."