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Nur noch ein Tropfen Hoffnung

Nur noch ein Tropfen Hoffnung

Für Bayern München ist nach dem 0:3 beim FC Barcelona der Traum vom Champions-League-Finale in Berlin fast schon geplatzt. An ein Fußball-Wunder glaubt keiner so richtig, denn gegen Messi und Co. stieß das Team an seine Grenzen.

Pep Guardiola vergrub das Gesicht kurz in seinen Händen. Weit nach Mitternacht, als fast alle Stars des FC Bayern München und selbst Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge längst das Bankett verlassen hatten, tauschte sich der spanische Startrainer bei seiner qualvollen Barça-Rückkehr immer noch lebhaft mit Bruder Pere aus. Weder Pep Guardiola noch Rummenigge noch Philipp Lahm und Co. konnten sich das schockierende Halbfinal-Erlebnis mit der geballten Messi-Magie in der Fußball-Champions-League wirklich erklären.

"Ich bin traurig, nicht wegen dem Ergebnis, sondern einfach, wie das Spiel gelaufen ist. Die Mannschaft hat 77 Minuten heldenhaft gekämpft, gefightet", sagte Rummenigge in seiner Ansprache nachts um fünf vor Zwölf und mühte sich um aufbauende Worte.

"Wir sind an unsere Grenzen gestoßen", gestand Sportvorstand Matthias Sammer . Ohne Ausnahmekönner wie Robben, Ribéry oder Alaba sind die Bayern kein Gegner auf Augenhöhe. "Jetzt müssen wir uns erst mal schütteln", fand Sammer.

Was fehlt im Vergleich zu den Triumphen von 2013? Muss der Umbruch früher vollzogen werden? Gestaltet Pep das Team nun ganz nach seinen Wünschen um? Guardiola mochte der von einer kaum zu glaubenden Verletzungsmisere verfolgten Mannschaft "keinen Vorwurf machen". Angesichts der großen Personalprobleme dankte er sogar seinem Team: "Ich bin sehr stolz auf meine Spieler. Ein großes Lob."

Die 95 639 Augenzeugen im Stadion huldigten vor allem einem Akteur: Lionel Messi . Der argentinische Weltstar, der mit Guardiola in vier Jahren 14 Titel gewann, entzauberte seinen Ex-Chef und war auch vom weltbesten Torwart nicht aufzuhalten. "Unser letzter Tropfen Hoffnung ist Porto", meinte der tief enttäuschte Manuel Neuer in Bezug auf das 6:1 im Viertelfinal-Rückspiel.

Nach Messis Treffern Nummer 76 und 77 in der Champions League legte Neymar - natürlich nach Vorarbeit von Messi - beim ungestümen Münchner Bestreben auf das so wertvolle Auswärtstor nach. "Das letzte Tor ist natürlich auch noch mal ein Killer", ergänzte Thomas Müller , der zur Verwunderung von vielen von Guardiola wie schon im Pokal-Halbfinale gegen den BVB ausgewechselt wurde.

Ein Jahr nach dem krachenden K.o. gegen Real Madrid dürfte Guardiola die Halbfinal-Schmach gegen seine große Liebe noch tiefer ins Herz getroffen haben. Ein Jahr läuft der Vertrag des Spaniers noch bei seiner schwierigen Mission, die Bayern zum dritten Champions-League-Triumph nach 2001 und 2013 zu führen. Die Münchner wollen gerne mit ihm verlängern.

Um doch noch am 6. Juni im Berliner Olympiastadion um Europas Krone zu kämpfen, brauchen die Bayern am Dienstag in der heimischen Arena eine "Fußball-Sensation" (Müller) oder vielmehr ein "Fußball-Wunder" (Rummenigge). Nur einer Mannschaft ist es in 23 Jahren Champions League gelungen, einen Drei-Tore-Rückstand aufzuholen. Deportivo La Coruña wendete 2004 im Viertelfinale nach einem 1:4 beim AC Mailand noch mit einem 4:0-Heimsieg das Blatt.

Guardiola wird nach dem vielleicht traumatischen Erlebnis im Camp Nou morgen, wenn es im Derby gegen den FC Augsburg geht, erst einmal an die besten Nächte der jüngeren Bayern-Historie erinnert: Die Bayern lassen Triple-Trainer und Barcelona-Bezwinger Jupp Heynckes zum morgigen 70. Geburtstag hochleben.

Zum Thema:

Auf einen BlickInternationale Pressestimmen zur 0:3-Niederlage der Bayern im Halbfinal-Hinspiel der Champions League in Barcelona : Ekstrabladet (Dänemark): "Bayern wurde messikriert." Gazzetta dello Sport (Italien): "Bayern überrollt: Fantamessi. Das Barça-Ass ist wieder der Gott des Fußballs." Corriere dello Sport (Italien): "Fantastisches Barça: Es gibt einen einzigen König: Messi. Unmöglich, dieses Talent zu verteidigen: Pep hat wieder einmal Recht gehabt." Tuttosport (Italien): "Messi, der Außerirdische radiert Bayern aus." De Volkskrant (Niederlande): "In der zweiten Halbzeit war das Positionsspiel der Bayern besser, die Willenskraft stärker. Aber dann stand Messi auf, der König der Individualisten, der Spieljunge, der Klärung und Erlösung bringt." El País (Spanien): "Messi zerstört Guardiolas großes Bauwerk." Marca (Spanien): "Messi verschlingt Pep. Messi reißt die Mauer nach Berlin nieder." dpa