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DFB-Pokal
Nur kein neues Vestenbergsgreuth, bitte

Paderborn. Bayern München muss heute Abend im Viertelfinale des DFB-Pokals bei Drittliga-Spitzenreiter Paderborn bestehen.

Steffen Baumgart musste schmunzeln. Von einem Journalisten angesprochen auf einen möglichen Dreierpack von Bayern-Superstar Robert Lewandowski im DFB-Pokalschlager des SC Paderborn am Dienstag (18.30 Uhr/Sky) gegen München, meinte der Trainer des SC Paderborn verschmitzt: „Sollte Lewandowski tatsächlich drei Tore machen, hoffe ich, dass wir vier machen.“



Der 46-Jährige weiß aber auch: „Wir kriegen das nur kompakt hin. Wir sollten das Spiel annehmen, elf gegen elf.“ Mit der krassen Außenseiterrolle kann der Drittliga-Tabellenführer gut leben. „Wir haben uns das Heimspiel verdient“, konstatierte Baumgart und hofft auf ein Pokal-Wunder: „Wir gehen die Sache so an, damit wir in die nächste Runde kommen.“

Dass die Partie gegen den FC Bayern ein anderes Kaliber als die normalen Begegnungen in der 3. Liga darstellt, musste der Trainer schon beim Gang zur Pressekonferenz am Montag erfahren. Als der frühere Bundesligastürmer (Rostock, Wolfsburg) die Tür öffnen wollte, ging diese aufgrund des großen Journalisten-Andrangs nicht auf, Baumgart lugte durch den Türspalt und staunte: „Was ist denn hier los? Sonst sitzen hier nur fünf Leute.“

Der FC Bayern will dagegen kein neues Weinheim, Vestenbergsgreuth oder Magdeburg erleben. „Wir haben große Ambitionen. Eine Mannschaft wie der FC Bayern darf es sich nicht erlauben, mit angezogener Handbremse zu agieren. Wir werden hochmotiviert ins Spiel gehen. Meine Message ist bisher immer angekommen“, sagte Trainer Jupp Heynckes am Montag bestimmt.

Blamagen gegen unterklassige Teams wie Magdeburg (2000), Vestenbergsgreuth (1994) oder Weinheim (1990) – Heynckes war damals zum ersten Mal Trainer in München – sind lange her. „Damit befasse ich mich nicht. Das ist eine andere Zeit“, betonte der Bayern-Trainer deshalb auch. „Das soll auch so bleiben“, fügte Kapitän Thomas Müller an: „An der Mentalität und an der Art und Weise, wie wir spielen, sind wir noch nie gescheitert.“



Fehlen werden den Bayern Jérôme Boateng (Magen-Darm-Infekt) und Javi Martínez, der seine Sprunggelenksprobleme noch nicht ganz überwunden habe. Der zuletzt erkrankte Arturo Vidal steht dagegen vor der Rückkehr in den Kader.

Der SCP will sich so teuer wie möglich verkaufen. Deshalb bleibt der Club im eigenen kleinen Stadion, das mit 15 000 Zuschauern längst ausverkauft ist. „Entscheidend ist, dass wir ein Heimspiel haben. In unserem Stadion, in unserem Zuhause“, erklärte Baumgart: „Ich gehe doch nicht von meinem Zuhause weg, nur weil ich woanders vielleicht fünf Zuschauer mehr habe oder man da höhere Einnahmen erzielt.“ In Paderborn hat man sich mit den Gegebenheiten arrangiert. Aus diesem DFB-Pokal-Marketing-Pool kassierte der SCP mit dem Einzug in die Runde der besten Acht bereits knapp drei Millionen Euro. Beim Halbfinal-Einzug würden weitere 2,55 Millionen Euro fällig.

Paderborn hat sich jedenfalls in den vergangenen Monaten ein gesundes Selbstbewusstsein aufgebaut – die im laufenden Wettbewerb ausgeschalteten Zweitligisten St. Pauli (2:1), Bochum (2:0) und Ingolstadt (1:0) können ein Lied davon singen. „Wenn wir am Dienstag rausfliegen sollten, dann erhobenen Hauptes“, sagt Baumgart.