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Nur "Geheimsache Doping" stört die IdyllePowell & Co. starten nach Rolle rückwärts nun doch

Nur "Geheimsache Doping" stört die IdyllePowell & Co. starten nach Rolle rückwärts nun doch

Kienbaum. Sanftes Rauschen in den Bäumen, munteres Vogelgezwitscher, ein romantischer See mit Barschen und Aalen. Idylle. Stille. Der kleine Ort Kienbaum rund 50 Kilometer östlich der Bundeshauptstadt Berlin liegt dort, wo der Spötter schon mal von der Pampa spricht. Eine holprige Landstraße schlängelt sich auf dem Weg dorthin durch eine Allee wie durch einen grünen Tunnel

Kienbaum. Sanftes Rauschen in den Bäumen, munteres Vogelgezwitscher, ein romantischer See mit Barschen und Aalen. Idylle. Stille. Der kleine Ort Kienbaum rund 50 Kilometer östlich der Bundeshauptstadt Berlin liegt dort, wo der Spötter schon mal von der Pampa spricht. Eine holprige Landstraße schlängelt sich auf dem Weg dorthin durch eine Allee wie durch einen grünen Tunnel. Rundherum Wiesen und Felder. In dieser friedlichen Umgebung liegt das Bundesleistungszentrum Kienbaum, in dem der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) kurz vor der WM in Berlin (15. bis 23. August) seine Athleten zusammengezogen hat. Für letzte Trainingseinheiten, um Kraft zu tanken, den Teamgeist zu stärken.

Es ist die Ruhe vor dem Sturm, den die Heim-WM zweifellos bedeuten wird. Doch mit der Ruhe war es gestern zumindest für einen Tag vorbei. Zahlreiche Journalisten pilgerten in die Abgeschiedenheit des Sportler-Refugiums. Der DLV hatte offiziell zum Medientag eingeladen. Bei vielen Athleten die letzte Gelegenheit, Stimmen einzufangen, Informationen für die Vorberichterstattung zu sammeln, denn nicht wenige wollen unmittelbar vor ihren Wettkämpfen keine Fragen mehr beantworten.

Wie rote Flecken blitzen die einheitlichen Trainingsjacken der Athleten in den Trauben der Fragesteller. Die Sportler sprechen von Zielen - denen, die sie klar vor Augen oder sich ganz bewusst nicht gesetzt haben, um den Druck rauszunehmen. Die meisten wirken entspannt und betreiben zwanglos Smalltalk. Weitspringerin Bianca Kappler vom LC asics Rehlingen erklärt, wie sie ihre Sportlerkarriere und ihre Mutterrolle unter einen Hut bringt: "Mit einem großen, gut durchorganisierten Chaos." Hochsprung-Favoritin Ariane Friedrich versichert, dass sie sich vor ihrem Wettkampf keine neue Frisur mehr zulegen, sondern mit ihrem jetzigen wasserstoffblonden Schopf antreten werde. Und der neue Stern am deutschen Kugelstoßhimmel, der U 20-Weltrekordler David Storl, erzählt von Angelausflügen am Liebenberger See: "Gestern habe ich einen Barsch gefangen. Aber einen kleinen." Auch DLV-Vizepräsident Leistungssport Eike Emrich sieht der WM gelassen entgegen. Er verweist auf das mit 90 Athleten sehr große deutsche Feld, in dem "nur sechs Athleten sind, die nicht die Norm des Weltverbandes IAAF erfüllt haben".

Doch nicht alles an diesem Tag ist eitel Sonnenschein. Pünktlich vor der ersten Pressekonferenz in Kienbaum lief die Nachricht über den Ticker, dass die ARD um Mitternacht einen Beitrag mit dem Titel "Geheimsache Doping" senden würde, in dem Insider berichten, wie sie Athleten bis zur Perfektion dopen und Dopingkontrolleure austricksen. Auch ein deutscher Top-Läufer, der laut ARD-Recherchen in diesem Jahr deutscher Meister wurde, soll ihre Dienste in Anspruch genommen haben. Der DLV sieht noch keinen Anlass, aktiv zu werden, wie Emrich erklärt: "Die Hinweise sind zu unpräzise. Bei so einem Verdacht sollte man Ross und Reiter nennen."Berlin. Auf Druck des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF können Ex-Weltrekordler Asafa Powell (Foto: dpa) und 100-Meter-Olympiasiegerin Shelly-Ann Fraser sowie weitere vier Sportler doch an der WM in Berlin teilnehmen. "Wir respektieren Entscheidungen von unseren Verbänden, doch wir haben die Qualität der Weltmeisterschaften zu sichern", begründete IAAF-Generalsekretär Pierre Weiss gestern Abend die Intervention.

Wegen des unentschuldigten Fehlens von Powell, Fraser, der Olympia-Zweiten Shericka Williams (400-Meter-Hürden), Brigitte Foster-Hylton, Kaliese Spencer und Melaine Walker an einem gemeinsamen Trainingslager hatte der jamaikanische Verband der IAAF zunächst per Brief den Ausschluss des Sextetts mitgeteilt.

"Das Schreiben wurde zurückgezogen", sagte Weiss, der in einem Gespräch die Jamaikaner zur Revision ihrer Entscheidung bewegte. "Die WM ist unser Baby, darauf passen wir auf. Wir wollen, dass die besten Athleten bei der WM am Start sind", meinte er. Jamaika beugte sich der Argumentation. "Die Athleten haben unsere Regeln gebrochen, aber die IAAF muss an das große Ganze und die WM denken", sagte Jamaikas Verbandspräsident Howard Arias. "Wir werden es uns nun vorbehalten nach der WM Sanktionen zu verhängen." Arias begründete den erwogenen Rauswurf damit, dass der geplante Aufenthalt der sechs Athleten den Anti-Doping-Institutionen vorab gemeldet wurde. Da sie sich dort nicht aufhielten, haben sie gegen die Meldepflicht verstoßen.

Offen ist, wie die Doping-Fälle der fünf bei den nationalen Titelkämpfen in Jamaika positiv getesteten Leichtathleten geahndet wird. "Wir müssen den Bericht der Anti-Doping-Agentur Jadoc abwarten", erklärte Weiss. Die Jadoc hatte gegen die Entscheidung seiner eigenen Disziplinarkommission, Yohan Blake, Marvin Anderson, Lansford Spence und Allodin Fothergill freizusprechen, Berufung eingelegt. dpa

Am Rande

Die deutsche Medaillen-Hoffnung Sebastian Bayer will im Weitsprung-Finale der Leichtathletik-Weltmeisterschaften am 22. August in Berlin mit Schmerzmitteln starten. Dies kündigte der Bremer gestern im Trainingslager Kienbaum an. "Im Juli ist meine Kapselentzündung im linken Fuß erneut aufgetreten und schmerzt auch weiterhin", erklärte Bayer, der mit 8,49 Metern den vierten Rang der aktuellen Weltjahresbestenliste einnimmt. Im Training verzichte er noch auf die Schmerzmittel, aber im Wettkampf "hoffe ich, dass es für mich dann einfacher ist", sagte Bayer. dpa