Schwimmen Nur „Filde“ bleibt dem Saarland treu

Saarbrücken · Der zweifache Olympia-Teilnehmer trainiert weiter in Saarbrücken. Das Thema Bundesstützpunkt ist für den Saarländischen Schwimm-Bund beendet.

 Christoph Fildebrandt startet seinen Anlauf auf das dritte Mal Olympia in Saarbrücken.

Christoph Fildebrandt startet seinen Anlauf auf das dritte Mal Olympia in Saarbrücken.

Foto: Oliver Dietze

Statt einer Erfolgswelle erlebt der Saarländische Schwimm-Bund derzeit eine Abgangswelle. Nach dem 16-jährigen Top-Talent Celine Rieder kündigten auch Henning Mühlleitner und Marlene Hüther ihren Abgang an. Alle wechseln nach Neckarsulm und begleiten damit Landestrainer Hannes Vitense, der seinen Abgang aus familiären Gründen nach Neckarsulm schon im August angekündigt hatte. Wie groß das Vertrauensverhältnis zwischen Vitense und den Spitzenathleten ist, zeigt der jüngste Weggang. Mit Annika Bruhn hat diese Woche die nächste Olympia-Teilnehmerin ihren Weggang bestätigt. Damit bleiben an der Hermann-Neuberger-Sportschule nur noch Freiwasser-Spezialist Andreas Waschburger und Christoph Fildebrandt.

Für den SSB ist das Thema Bundesstützpunkt, um den der Verband jahrelang mit Vitense gekämpft hatte, damit vorbei. Künftig gelte der Fokus dem Nachwuchs, sagte Verbandspräsident Martin Bartels: „Wir müssen uns neu positionieren und die Nische finden, in der wir arbeiten.“

Die Entwicklung in Sachen Stützpunkt sei aber auch mit dem Verbleib der anderen Spitzenschwimmer nicht aufzuhalten gewesen. Saarbrücken stand zwar bei der Sportministerkonferenz im vergangenen November in St. Wendel auf der „Positivliste“ der zu prüfenden Standorte im Schwimmen, diese Liste hätte nun aber schon keinen Bestand mehr und sei obsolet, sagte Bartels am Freitag.

„Filde“ wird in Saarbrücken bleiben, bestätigte der 28-Jährige jetzt. Für ihn gab es keine direkten Überlegungen, auch noch an den Neckar zu wechseln. „Vor Hannes hatte ich einen Trainer, der ganz anders trainiert hat. So ähnlich wird wohl auch der neue Trainer trainieren lassen. Und das ist genau das, was ich brauche“, erinnert sich Fildebrandt. Zwischen Vitense und dem neuen Landestrainer Felix Weins, der sein Amt in rund drei Wochen antritt, sieht der Schwimmer Parallelen: „Hannes ist auch hier als junger Trainer hergekommen und musste sich erst einen Namen machen.“

2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro stieg Fildebrandt, der im November 2013 aus Dormagen nach Saarbrücken gewechselt war, bei Olympia ins Becken. Sein nächstes Ziel sind jetzt die Spiele 2020 in der japanischen Hauptstadt Tokio. „Wenn ich das nicht hätte, könnte ich auch ein leichteres Leben haben als als Leistungssportler. Dafür will ich Gas geben“, sagt er lächelnd. Ein Vorteil könnte sein, dass sich dann in der Trainingsgruppe vieles auf ihn konzentriert.

Es wäre zwar gut, wenn noch ein weiterer Spitzenschwimmer als Neuzugang nach Saarbrücken käme, damit rechnet er aber nicht. Auf den kurzen Distanzen trainiert Fildebrandt, der noch einen Hauptsponsor sucht, mit dem jungen Jonathan Berneburg, der aber auch Anfang 2019 wohl in die USA gehen wird. Angst, dass ihm die adäquaten Trainingspartner ausgehen, hat der Polizeikommissar aber nicht: „Trainingspartner sind auch nicht alles. Ich hatte auch vor London 2012 nicht die optimalen Trainingspartner. Es ist eh schwer in Deutschland, da es nur fünf, sechs Leute auf meinem Niveau gibt.“

2016 in Rio hatte sich Fildebrandt überraschend für den Einzelwettbewerb über 200 Meter Freistil qualifiziert und war dort im Vorlauf ausgeschieden. Mit der deutschen 4x200 Meter Freistil wurde er Sechster. Gelingt ihm nun zum dritten Mal der Sprung zu Olympia, dann könnte wieder über Erfolgs- statt über Abgangswellen berichtet werden.

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