Triathlon: Nur ein richtig großer Wettkampf fehlt noch

Triathlon : Nur ein richtig großer Wettkampf fehlt noch

Die Saarländische Triathlon-Union geht mit vielen Erfolgen und einer jungen Vorstands-Mannschaft in die Zukunft.

Bernd Zimmer zählt auf. Einen Erfolg nach dem anderen. 2017 war für die saarländischen Nachwuchs-Triathleten nämlich ein erfolgreiches Jahr im Dreikampf aus Schwimmen, Radfahren und Laufen. Und nachdem er einige der Erfolge bei deutschen Meisterschaften genannt hat, blickt der Präsident der Saarländischen Triathlon-Union (STU) auf und sagt: „Wir gehören zu den führenden Landesverbänden in Deutschland. Und das, obwohl wir nach Bremen der zweitkleinste Verband sind.“ Einen Olympiastützpunkt haben die Triathleten an der Saarbrücker Hermann-Neuberger-Sportschule noch mindestens bis zum Ende der Olympia-Periode bei den Sommerspielen 2020 in Tokio (Japan).

Zimmer ist ein bedächtig wirkender Mann, der seine Worte sorgsam wählt. Der 67-Jährige ist der älteste Verbandsvorsitzende in der Deutschen Triathlon-Union (DTU). „Ein Generationenwechsel ist schon anvisiert, die Übergabe wird vorbereitet“, sagt der Geschäftsführer eines Merziger Ingenieurbüros. Er peilt dafür die nächste STU-Versammlung im Januar 2020 an, Anfang dieses Jahres war Zimmer wiedergewählt worden. Ganz klar ist das Ganze aber noch nicht, ein möglicher Stabwechsel hängt auch von den Entwicklungen beim Landessportverband für das Saarland ab.

„Das Schwert schwebt über uns. Wir wissen noch nicht, wie viele Einnahmen wir dieses Jahr weniger haben und vom LSVS bekommen“, spricht Zimmer den Finanzskandal beim LSVS an und gibt ein Beispiel. Vom Landesausschuss für Leistungssport (LAL), dem der Triathlon-Mann angehört, hätte sein Verband eigentlich 4800 Euro für erfolgreiche Trainerarbeit bekommen sollen. Statt ursprünglich 80 000 Euro schüttet der LAL aber wohl nur 40 000 aus. „Das ist Geld, das schon im verabschiedeten Haushaltsplan für 2018 steht und uns fehlt“, rechnet der Präsident vor. Die STU plant 2018 mit jeweils rund 100 000 Euro Einnahmen und 100 000 Euro Ausgaben. Der Verband macht seine Geschäftsstelle selbst, bekommt dafür Geld vom LSVS. Ehrenamtlicher Geschäftsführer ist Uli Hagmann, selbst Triathlet und erst 24 Jahre alt.

Die Zahlen der STU selbst zeigen die gute Entwicklung, die der Verband mit Zimmer genommen hat. Seit 18 Jahren ist der fünffache Familienvater schon Präsident. „Als ich angefangen habe, hatten wir 450 Mitglieder“, erinnert er sich. In den vergangenen Jahren lagen die Mitgliederzahlen zwischen 1100 und 1300 und stagnierten zuletzt etwas. „Wir haben 23 Prozent Jugendliche in den Vereinen“, berichtet Zimmer und wünscht sich, dass die Zahlen wieder etwas nach oben gehen. Jetzt schon freuen kann er sich über ein junges Vorstandsteam. „Wir haben ein ganz neues Präsidium mit ganz jungen Leuten. Die Strukturen sind noch klarer geworden, die Aufgabenverteilung ruht auf mehr Schultern“, berichtet Zimmer. Nur einen Pressewart sucht die STU noch.

Was die Saarländische Triathlon-Union nochmal enorm nach vorne bringen würde, wäre ein richtig großes Event. So schaffte es der Triathlon-Verband in Hamburg, durch seine Riesen-Veranstaltung in der Hansestadt, von 200 auf rund 4000 Mitglieder zu wachsen. „Wir haben im Saarland eine Vereinsstruktur. Und für Vereine wird es immer schwieriger, etwas Tolles zu organisieren“, meint der erfahrene Funktionär. Es braucht viele Helfer, es entstehen hohe Kosten und ein gewaltiger organisatorischer Aufwand. So kostete es Ende Juli 2017 8600 Euro, um bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Merzig, bei denen das Saarland den Mannschaftstitel holte, eine Landstraße abzusperren und für die Umleitungsschilder.

Dabei hätte das Saarland mit dem Bostalsee eine wirklich sehr gut dafür geeignete Strecke und Infrastruktur. Und an Sportlern würde es wohl auch nicht fehlen, wie ein 70.3-Triathlon (Mitteldistanz) mit 2500 Teilnehmern im luxemburgischen Remich direkt an der deutschen Grenze vormacht. „So etwas an den Bostalsee zu bekommen, daran arbeiten wir“, sagt Zimmer. In Neunkirchen, Merzig, Illingen, Tholey und St. Ingbert gibt es beispielsweise im Saarland Veranstaltungen. Grenzen setzt dem Ganzen zum Beispiel in Neunkirchen schlicht die Größe des Schwimmbades, sodass die Teilnehmerzahl dort begrenzt ist.

„Was gut läuft, ist unsere Schüler-Serie mit fünf Veranstaltungen in St. Ingbert, Saarlouis, Neunkirchen, Illingen und Merzig. Mit tollen Veranstaltungen kann man Leute motivieren, den Sport zu betreiben“, sagt Zimmer. Die STU arbeitet an Kooperationen mit Schulen wie der Gemeinschaftsschule Tholey. „Gerade die Klassenstufen 5, 6 und 7, in denen man Talente sichtet, sind stressiger geworden“, sagt Zimmer. Er will sich auch mit dem Saarländischen Schwimmbund um Präsident Martin Bartels austauschen, dazu soll es sogar eine gemeinsame Präsidiumssitzung geben. Denn die Probleme der Sportarten mit G8 ähneln sich. „G8 hat einiges gravierend verändert. Wir als Verband merken das bei einigen Vereinen, dass Trainingszeiten zum Beispiel nicht mehr so genutzt werden können.“

Hauptamtliche Landestrainerin ist seit anderthalb Jahren Julia Seibt. Neben der 30-Jährigen kümmert sich auch Präsidentensohn Micha Zimmer um den Nachwuchs. Der ehemalige EM- und WM-Teilnehmer betreut die Schüler A und B, ist sportlicher Leiter und gute Seele des Bundesliga-Teams. Das bereitete den Verantwortlichen schon viel Freude. Vergangenes Jahr wurde das Männer-Team Dritter bei den deutschen Meisterschaften. Das aus zehn Sportlern bestehende KiologIQ-Team Saar geht heuer in sein sechstes Bundesliga-Jahr, 2017 wurde ein neuer Sponsorenvertrag mit Ursapharm unterzeichnet. In diesem Sommer gibt es wie im Vorjahr fünf Rennen, das erste war am 2. Juni im Kraichgau (Platz drei), die Saison endet am 8. September mit dem Finale im Ostseebad Binz auf Rügen. Die junge Mannschaft setzt in der aus 16 Teams bestehenden Eliteliga auf Talente aus dem Saarland.

Es gab zwar viele Anfragen anderer Triathleten, aber die Philosophie der STU ist auf die Jugend zugeschnitten, sagt Zimmer zufrieden. Große Stützen des Verbandes sind unter anderem die Triathlonfreunde in Saarlouis und im Hochwald sowie die DJK-SG St. Ingbert.

Viele Hoffnungen macht den Verantwortlichen zum Beispiel Tim Hellwig. „Er ist ein außergewöhnliches Talent“, sagt Zimmer. 2017 wurde Hellwig mit gerade mal 18 Jahren deutscher U23-Vizemeister, qualifizierte sich für die WM. Wenn er es 2020 nicht nach Tokio schafft, wäre er 2024 sicher ein Kandidat. Amateurweltmeisterin Svenja Thös hat nach einem Abstecher über Luxemburg mittlerweile ihren Lebens- und Trainingsmittelpunkt in Bayreuth. Ein weiterer großer Hoffnungsträger des Bundesstützpunktes ist Jonas Breinlinger (23) von der DJK-SG St. Ingbert, der vergangenes Jahr vor Hellwig deutscher U23-Meister wurde und im B-Kader der STU steht.

Und warum sollte ein Kind nun mit Triathlon anfangen? Lernen, sich zu quälen für ein Ziel quasi als Metapher des Lebens? „Schwimmen, Radfahren und Laufen sind die drei natürlichsten Bewegungsarten, die jedes Kind lernt. Es kann jeder für sich selbst machen, man kann aber auch das Gruppengefühl lernen. Und Rücksicht, sich an Regeln zu halten“, wirbt Zimmer trotz der Erkenntnis, dass „95 Prozent der Kinder erst mal Fußball spielen wollen“. Helfen können natürlich auch Idole wie Jan Frodeno, auch wenn der Olympiasieger vom LAZ Saarbrücken nicht mehr im Saarland präsent ist. Denn wer auch immer als STU-Präsident auf Zimmer folgt, der möchte sicher auch gerne viele Erfolge saarländischer Nachwuchs-Athleten aufzählen. Und vielleicht hat es bis dahin auch mit dem angepeilten Groß-Ereignis geklappt.

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