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Basketball
Nur die Krönung bleibt Wagner versagt

Moritz Wagner (Mitte) von den Michigan Wolverines lässt sich nicht stoppen, auch nicht von einem Trikot-Zupfer. Trotzdem mussten sich seine Wolverines im Finale der College-Meisterschaft geschlagen geben.
Moritz Wagner (Mitte) von den Michigan Wolverines lässt sich nicht stoppen, auch nicht von einem Trikot-Zupfer. Trotzdem mussten sich seine Wolverines im Finale der College-Meisterschaft geschlagen geben. FOTO: Song Quiong / dpa
San Antonio. Das Basketball-Talent aus Berlin verliert mit den Michigan Wolverines das Finale um die US-College-Meisterschaft.

Moritz Wagner stapfte tieftraurig vom Parkett des Alamodome in San Antonio. Fast 70 000 Zuschauer veranstalteten einen Höllenlärm – doch das 20 Jahre alte Basketball-Talent aus Berlin konnte die einmaligen Eindrücke nicht mehr genießen: Wagners Traum vom Meistertitel in der US-College-Liga NCAA war Sekunden zuvor geplatzt.


„Verlieren ist scheiße, egal ob im ersten oder letzten Spiel“, sagte der 2,11-Meter-Mann, kurz nachdem er im Finale der „March Madness“ mit den Michigan Wolverines gegen den Titelfavoriten Villanova Wildcats 62:79 verloren hatte.

Wagner hat sich bei dem Großereignis in den USA in die wichtigsten Notizbücher der Branche geworfen, gedunkt und gepasst. Seine Zukunft liegt aller Voraussicht nach in der Profiliga NBA. Doch das war ihm im Moment der Niederlage erst einmal egal. „An diesem Abend geht es nicht um das nächste Jahr“, sagte der variable Flügelspieler, der neben seiner starken Physis auch ein gutes Händchen für Distanzwürfe mitbringt. Im vermeintlich letzten Spiel seiner College-Karriere kam er auf 16 Punkte. „Jetzt versuche ich erst einmal, die Saison zu reflektieren. Dann werde ich mich mit dem Trainer zusammensetzen und sehen, was wir machen“, sagte Wagner, der auch noch ein weiteres Jahr College-Basketball spielen könnte.

Doch allerspätestens mit seinem Gala-Auftritt im Halbfinale gegen die Loyola Ramblers aus Chicago hat sich der Deutsche ins Rampenlicht gespielt. Mit 24 Punkten und 15 Rebounds erreichte er überragende Statistiken – mehr als 20 Zählern und 15 Rebounds in einem Final-Four-Spiel waren in den vergangenen 40 Jahren nur den späteren NBA-Superstars Larry Bird (1979) und Hakeem Olajuwon (1983) gelungen. „Wow, das ist ziemlich cool“, kommentierte Wagner, der von seinem Trainer geadelt wurde: „Moritz gehört zu einer kleinen Gruppe von besonderen Spielern“, sagte John Beilein. Angesichts der Gala hatte sich auch Superstar Dirk Nowitzki als begeisterter Fan gezeigt und den Youngster über Twitter angeschrieben: „Ich hab dich im Blick.“

Bereits im vergangenen Jahr stand Wagner kurz vor dem großen Schritt in die NBA, in der aktuell vier Deutsche spielen (siehe Text rechts). Nach der College-Saison im April hatte er sich für die alljährliche Talentverteilung (Draft) angemeldet. Doch Wagner zog wenig später zurück, um an der University of Michigan weiter an seinem Spiel zu feilen. Nun sind seine Chancen deutlich gestiegen, am 22. Juni einen Vertrag bei einem NBA-Club zu erhalten. Doch die Konkurrenz ist riesengroß und eine starke College-Saison noch längst keine Garantie.



Im Finale der „March Madness“ war es den Villanova Wildcats gelungen, Wagner nach einem furiosen Start zu kontrollieren. Neun der ersten elf Wolverines-Zähler gingen auf das Konto des Deutschen, der seiner Mannschaft damit zum besseren Start verhalf. Danach bewiesen die Wildcats allerdings ihre Stärke jenseits der Drei-Punkte-Linie und hatten in Spielmacher Donte DiVincenzo (31 Punkte) einen überragenden Spieler in ihren Reihen. Der 21-Jährige verwandelte zehn seiner 15 Wurfversuche im Spiel, inklusive fünf von sieben Dreiern.

„Villanova ist nicht umsonst das an Nummer eins gesetzte Team im Land. Ihre Treffsicherheit und auch ihre Verteidigung haben es uns schwer gemacht“, sagte Wagner nach dem Spiel: „Wir haben gegen ein richtig gutes Team verloren.“ Für Villanova war es der zweite Titelgewinn innerhalb der vergangenen drei Jahre und der dritte in der Schulgeschichte.