"Novak wird die Nummer eins"

Paris. Ein Tag ohne Tennis ist ein verlorener Tag für ihn. "Wenn ich den Schläger nicht in der Hand halte, werde ich nervös", sagt Niki Pilic (Foto: dpa). Der Mann, der in den goldenen deutschen Tenniszeiten das Kommando im Daviscup-Team hatte, steht noch immer fünf bis sechs Stunden pro Tag auf dem Platz. 68 Jahre ist Pilic alt

 Novak Djokovic gilt als talentiertester Pilic-Schüler. Heute trifft er im Viertelfinale der French Open auf den früheren Trainingskollegen Ernests Gulbis. Die deutschen Spieler sind längst raus. Foto: dpa

Novak Djokovic gilt als talentiertester Pilic-Schüler. Heute trifft er im Viertelfinale der French Open auf den früheren Trainingskollegen Ernests Gulbis. Die deutschen Spieler sind längst raus. Foto: dpa

Paris. Ein Tag ohne Tennis ist ein verlorener Tag für ihn. "Wenn ich den Schläger nicht in der Hand halte, werde ich nervös", sagt Niki Pilic (Foto: dpa). Der Mann, der in den goldenen deutschen Tenniszeiten das Kommando im Daviscup-Team hatte, steht noch immer fünf bis sechs Stunden pro Tag auf dem Platz. 68 Jahre ist Pilic alt. Darauf würde keiner tippen, der den drahtigen "Preußen vom Balkan" in seiner Akademie vor den Toren Münchens sieht. "Urlaub brauche ich nicht. Tennis ist Urlaub für mich", sagt Pilic - und lebt vor, was er seinen Schützlingen einimpft: Tennis atmen, Tennis essen, Tennis trinken. "Wer es an die Spitze bringen will, muss schon als Kind Unmenschliches leisten", erklärt er. "Kompromisse sind tödlich."

Drei Mal hat Pilic mit den Deutschen den Daviscup gewonnen, zwei Mal mit der "Boygroup" um Boris Becker Ende der 80er Jahre, ein Mal mit dem Team um Leitwolf Michael Stich 1993. Auch jetzt garantiert Disziplinfan Pilic auf deutschem Boden Erfolge im Tennis - aber eben nicht mehr für deutsche Spieler, da die nicht den Weg zu ihm finden. Pilics stärkster Schüler, der 20-jährige Serbe Novak Djokovic, hat bereits die Machtbalance im Welttennis verändert. Und Ernests Gulbis ist nach seinem Viertelfinaleinzug der Mann der Stunde in Roland Garros.

Auf der größten Sandplatzbühne der Welt kommt es heute zu einem Duell zwischen Djokovic und Gulbis, das viele Jahre schon in Oberschleißheim bei Pilic stattfand. "Das ist ein schöner, wehmütiger Moment", sagt Pilic, der es bei Djokovic und bei Gulbis abgelehnt hatte, als persönlicher Trainer auf Dauer um die Welt reisen. Denn auch dies ist dem Meistertrainer geblieben: die Flugangst.

Ein Rundgang mit Pilic durch die Akademie ist wie eine Erinnerungstour durch bessere deutsche Tennis-Epochen. An den Wänden hängen Bilder von Pilic mit Boris Becker ("Einer wie er wird nur alle 500 Jahre geboren") und mit Michael Stich ("Technisch einer der fünf besten Spieler aller Zeiten"). Viel hat Pilic nicht zurückbekommen - abgesehen von der Silberschale, die ihm 1997 der damalige DTB-Boss Stauder zum Abschied in die Hand drückte. Gern hätte Pilic auch deutsche Kinder ausgebildet. Aber die Versprechungen des Verbandes, seine Akademie zu unterstützen und vielleicht zu einem Verbandsstützpunkt auszubauen, blieben Versprechungen. Heute liegen ein DTB-Leistungszentrum und Pilics Drillstätte nur ein paar Kilometer auseinander: "Ich werde als Konkurrenz betrachtet, als Rivale", sagt Pilic, "mich fragt auch niemand um Rat." Seine talentiertesten, ehrgeizigsten Schüler kommen daher fast alle aus Osteuropa - aus Russland, Serbien, Kroatien, Estland oder Lettland.

Und was traut er Djokovic und Gulbis zu? "Novak wird die Nummer eins im Tennis. Vielleicht sogar noch zu Federers Zeiten." Gulbis wisse inzwischen, "wie gut er sein kann", so Pilic, "er hat etwas länger gebraucht. Aber nichts spricht dagegen, dass er mindestens in die Top Ten rauscht." "Urlaub brauche ich nicht. Tennis ist Urlaub für mich."

Tennistrainer Niki Pilic

Auf Einen Blick

Der Weltranglisten-Erste Roger Federer (Schweiz) steht bei den French Open nach einem 6:4, 7:5, 7:5 über den Franzosen Julien Benneteau im Viertelfinale. Sein weibliches Pendant, die Russin Maria Scharapowa, ist dagegen im Achtelfinale überraschend ausgeschieden. Die 21-Jährige verlor im russischen Duell gegen Dinara Safina 7:6 (8:6), 6:7 (5:7), 2:6. Die French Open bleiben damit das einzige Grand-Slam-Turnier, das Scharapowa noch nicht gewinnen konnte. dpa

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