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2. Handball-Bundesliga
Notnagel Barkow will im Saisonfinale vorangehen

Der Saarlouiser Kreisläufer Moritz Barkow kämpft sich durch die Abwehr. Aufgeben ist für ihn im aktuellen Abstiegskampf keine Option.
Der Saarlouiser Kreisläufer Moritz Barkow kämpft sich durch die Abwehr. Aufgeben ist für ihn im aktuellen Abstiegskampf keine Option. FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Die HG Saarlouis hängt am Tabellenende der 2. Handball-Bundesliga fest. Das soll sich noch ändern. Diesen Samstag kommt TuSEM Essen. Von Sebastian Zenner

Er war eine Not-Verpflichtung und ist doch der einzig konstante Neuzugang bei der HG Saarlouis: Moritz Barkow. Die Verpflichtung des Kreisläufers wurde durch die schwere Verletzung von Peter Walz notwendig. Der kampfstarke 23-Jährige hatte sich Anfang November 2017 unter anderem einen Kreuzbandriss zugezogen und fällt noch bis Saisonende aus. Von Anfang an konnte sich HG-Trainer Philipp Kessler auf den 29-jährigen Ersatzmann verlassen. Dabei war zunächst unklar, ob Barkow, der sich zuvor nach einer Verletzung bei Viertligist SG Ratingen fit gehalten hatte, schnell wieder sein Zweitliga-Niveau erreichen würde.


„Ich wusste, dass ich fit genug bin. Und ich denke, das habe ich auch bewiesen“, sagt Barkow selbstbewusst. In bisher 16 Spielen erzielte er 58 Tore – weitere sollen diesen Samstag im Heimspiel des Schlusslichts gegen TuSEM Essen folgen (19.30 Uhr, Stadtgartenhalle).

„Natürlich ist es sportlich nicht gerade das, was ich mir erträumt habe. Aber ich fühle mich in der Mannschaft und in dem Verein sehr wohl“, sagt Barkow und erklärt: „Es gab viele Spiele, die wir unnötigerweise verloren haben – gerade gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. Das war schon enttäuschend. Es gab aber auch sehr gute Spiele.“ Weshalb sein Team es nicht schafft, immer das volle Potenzial auf das Spielfeld zu bringen, weiß er nicht. „Wüsste ich das, würden mich viele Vereine anrufen und ich müsste dort als Berater vorbeikommen“, scherzt der Rechtshänder und ergänzt mit ernster Stimme: „Wir haben eine sehr junge Mannschaft mit Spielern, die mal ein Formtief haben dürfen. Das ist normal, aber das fällt bei uns gleich ins Gewicht. Mittlerweile hat sich das gebessert.“



Vielleicht auch dank seiner Rolle im Team. „Ich versuche, in Sachen Trainingseifer, -umfang und -leistung ein Vorbild zu sein“, sagt Barkow, der die Mannschaften nach besonders schweren Niederlagen aufbaut, und ergänzt mit Blick auf das Saisonfinale: „Wir müssen trotz allem locker bleiben und dürfen nicht verkrampfen, um im nächsten Spiel wieder etwas erreichen zu können. Das lernt man ab einem gewissem Alter.“ Seine Erfahrung ist es auch, die ihn zuversichtlich macht. Wie Abstiegskampf geht, weiß er aus seiner Zeit beim TuS Ferndorf, mit dem er 2013 aus der 2. Bundesliga abstieg. Ob Barkow über das Saison­ende hinaus in Saarlouis bleibt – egal in welcher Spielklasse – ist offen. „Damit beschäftige ich mich im Moment nicht. Der Fokus liegt auf unserer Aufgabe, noch möglichst viele Punkte zu holen“, sagt er.

Barkow glaubt an den Klassenverbleib, obwohl er die Chance als gering einschätzt: „Es geht ja auch noch darum, ob man 17., 18. oder 19. wird. Vielleicht gibt es ja wieder mal einen Verein, der die Lizenz nicht bekommt und am grünen Tisch absteigt“, meint er. Dann würde sich jeder „in den Arsch beißen, wenn wir ab jetzt im Training nur kicken und danach in den Biergarten gehen würden“. Vielmehr müssten aus den kommenden Spielen – nach Essen geht es gegen Elbflorenz (12.) und die HC Rhein Vikings (13.) – vier bis sechs Punkte her, um sich eine gute Ausgangsposition für die Schlussphase der Saison zu erarbeiten.

„Wir hatten einen knüppelharten März, aber haben das vermeintlich leichtere Restprogramm“, sagt Barkow und denkt schon an den Abschluss der Runde: „Es wäre ziemlich geil, wenn wir am letzten Spieltag in Eisenach den Abstieg vermeiden und dann die lange Rückfahrt antreten würden.“