Noch viel Arbeit bis zur EM

Noch viel Arbeit bis zur EM

Bergen. Die deutschen Leichtathleten sind bei der Team-Europameisterschaft im norwegischen Bergen vom Thron gestoßen worden. Russland hat gestern wieder die Macht auf dem Kontinent übernommen und mit 379,5 Punkten vor Großbritannien (317) und Deutschland (304,5) gewonnen

Bergen. Die deutschen Leichtathleten sind bei der Team-Europameisterschaft im norwegischen Bergen vom Thron gestoßen worden. Russland hat gestern wieder die Macht auf dem Kontinent übernommen und mit 379,5 Punkten vor Großbritannien (317) und Deutschland (304,5) gewonnen. "Nach dem enttäuschenden ersten Tag hat die Mannschaft sich noch mit Kampf in die Spitzengruppe katapultiert", sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Prokop fügte mit Blick auf die EM vom 27. Juli bis 1. August in Barcelona an: "Man hat gesehen, dass sich die Mannschaft motivieren kann."

In den 40 Wettbewerben konnten die deutschen Athleten nur sechs Sieger stellen: Nadine Müller (63,53 Meter) und Robert Harting (beide Diskus/66,80 Meter), Christina Obergföll (59,88 Meter) und Matthias de Zordo (beide Speer/83,80 Meter) sowie Betty Heidler (Hammer/73,74 Meter) und Sabrina Mockenhaupt (5000 Meter/15:17,38 Minuten). Sehr überraschend kam der Erfolg von Speerwerfer de Zordo (Foto: rup), der mit 83,80 Metern immerhin den Doppel-Olympiasieger Andreas Thorkildsen (Norwegen/82,98) schlagen konnte. "Ich kann es nicht glauben, ihn besiegt zu haben. Es ist ein Traum", jubelte der von Boris Henry trainierte de Zordo.

Von den weiteren Leistungsträgerin im 47-köpfigen Aufgebot erfüllten auch Silke Spiegelburg (Stabhoch), Petra Lammert (Kugel), Ralf Bartels (Kugel) mit zweiten Plätzen sowie Ariane Friedrich (Hochsprung) und Markus Esser (Kugel) als Disziplin-Dritte die Erwartungen. Dagegen konnten andere Asse wie der WM-Dritte Raul Spank (Hochsprung/10.) und Christian Reif (Weitsprung/6.) nicht überzeugen. Bianca Kappler (LC Rehlingen) sprang mit 6,22 Metern auf Platz acht.

Während die "Techniker" im DLV die Punktelieferanten waren, überzeugte allein Sabrina Mockenhaupt bei den insgesamt schwachen DLV-Starter in den Laufwettbewerben. "Das war ein Rennen nach meinem Geschmack, da habe ich die Musik gespielt", freute sich Sportsoldatin aus Köln, für die nur der Sieg zählte: "Zeiten sind nur Schall und Rauch."

Auch Harting herausragend

Einer der herausragenden Athleten der Team-EM war Weltmeister Robert Harting, der mit einer Weite von 66,80 Meter den WM-Zweiten Piotr Malachowski (Polen/65,55) und Bogdan Pischalnikow (Russland/63,72) besiegte. Gleichzeitig überbot er erneut die EM-Norm (64,00 Meter). "Der Körper reicht für 70 Meter, das Timing für 62, rausgekommen sind 66", haderte der 25-jährige Berliner mit "technischen Fehlern". Trotz des starken Sieges nahm er den Mund vor der EM nicht so voll: "Die Medaille ist das Ziel, nicht der Titel."

Auch Betty Heidler, die Weltmeisterin von 2007, wollte sich trotz des Einzelerfolgs nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. "Die Aussagekraft für das Abschneiden bei der EM ist nicht groß", sagte die 26-jährige von der LG Eintracht Frankfurt, die mit dem Team-Ergebnis in Bergen unzufrieden war. "Es ist enttäuschend, dass wir den Titel nicht verteidigen konnten", meinte Heidler. "Alle müssen bis Barcelona etwas zulegen."

Deutschland hatte schon am ersten Wettkampftag die Titelverteidigung vertan. Mit einem Rückstand von 67,5 Punkten auf Russland und nur Rang sieben gingen die DLV-Asse ohne Siegchance in die zweite "Halbzeit" der Team-EM. dpa