| 21:06 Uhr

Rennserie für Frauen geplant
Weibliches Sprungbrett für die Königsklasse

Susie Wolff war die letzte Frau, die es in ein Formel-1-Cockpit schaffte – als Trainingsfahrerin.
Susie Wolff war die letzte Frau, die es in ein Formel-1-Cockpit schaffte – als Trainingsfahrerin. FOTO: dpa / Valdrin Xhemaj
Berlin. Ein Cockpit in der Formel 1 – das ist für Frauen schon seit langem illusorisch. Seit 42 Jahren hat keine Pilotin mehr ein Rennen in der Königsklasse bestritten, über Tests und Trainingseinsätze kam zuletzt niemand hinaus. sid

Das, finden Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard und Red-Bull-Stardesigner Adrian Newey, muss sich ändern. Nicht kurzfristig, aber auf Sicht.


Mit einer eigenen Formel-Rennserie für Frauen soll der Umbruch im Motorsport eingeleitet werden. Für das kommende Frühjahr wurde nun mit Coulthard und Newey als namhafte Zugpferde die Gründung der „W Series“ bekanntgegeben. Langfristig, so die Hoffnung, sollen die Fahrerinnen dort Erfahrungen sammeln und sich für höhere Aufgaben empfehlen. „Du musst kein Mann sein, um ein erfolgreicher Rennfahrer zu sein“, sagte Michael Schumachers früherer Rivale Coulthard: „Wir glauben fest daran, dass Frauen und Männer auf demselben Level wettbewerbsfähig sein können.“

Gefahren wird künftig bei einer nicht näher genannten Anzahl von Rennen auf den „besten und berühmtesten Strecken Europas“. In den Folgejahren sollen die Rennen auch in Amerika, Asien und Australien stattfinden. 18 bis 20 Starterinnen, die ein spezielles Auswahlverfahren durchlaufen, sollen die Chance auf ein Cockpit bekommen. Gefahren wird in Formel-3-Einheitsautos. Als Preisgeld sind 1,5 Millionen US-Dollar festgesetzt.



Coulthard, zuletzt eher Verfechter einer eigenen Königsklasse für Frauen, glaubt, dass Frauen in der Formel 1 erfolgreich sein können. „Können sie so gut sein wie Lewis Hamilton? Ich weiß es nicht. Aber es gibt eine Menge männlicher Piloten in der Formel 1, die nicht so gut sind wie er. Wenn wir keine Plattform schaffen, die den Zugang beschleunigt, wird sich nichts ändern.“

Fundament der neuen Serie sei der feste Glaube, „dass Frauen auf dem selben Level wie Männer Motorsport betreiben können“. Ein reiner Frauenwettbewerb sei aber zunächst notwendig, um eine höhere weibliche Beteiligung zu „erzwingen“. Langfristig sollen die Pilotinnen durch die gewonnenen Erfahrungen in existierende „Mainstream-Rennserien“ aufsteigen können. Die W-Series sei ein Karriere-Sprungbrett, sagte Newey, „letztlich dafür, um erfolgreich in der Formel 1 zu sein.“

1976 bestritt die Italienerin Lella Lombardi als bislang letzte Fahrerin einen Grand Prix. In den Folgejahren scheiterten diverse Versuche von Frauen, sich für Rennen zu qualifizieren. Seit dem Ausstieg von Susie Wolff, Ehefrau von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, als Testfahrerin von Williams zum Ende der Saison 2015 gehört keine Frau mehr zum erweiterten Fahrerfeld der Formel 1. Wolff war 2014 und 2015 in insgesamt drei freien Trainings zum Einsatz gekommen.

Dass Frauen im Motorsport konkurrenzfähig sind, hatte Ende September Motorrad-Pilotin Ana Carrasco bewiesen. Die 21-jährige Spanierin hatte als Frau in einer Straßen-Weltmeisterschaft (Supersport 300) den Titel geholt. „Oft meinen die Leute mit dem Spruch ‚Fahre wie ein Mädchen‘ (Ride like a girl) etwas Schlechtes“, sagte Carrasco: „Wir wollen zeigen, dass es eine gute Sache ist. ‚Fahre wie ein Mädchen‘ heißt jetzt vielleicht ‚Fahre wie ein Champion‘.“ Irgendwann vielleicht auch in der Formel 1.