Neue Hierarchie im Tor steht bevor

Neue Hierarchie im Tor steht bevor

Die Zeit des Dortmunders Roman Weidenfeller im DFB-Trikot ist bald abgelaufen. Gegen Gibraltar darf er noch einmal spielen, doch danach forciert Bundestrainer Joachim Löw einen Umbruch bei den Torhütern.

Das Wort Abschiedsspiel nahm Joachim Löw nicht in den Mund. Aber die Signale sind eindeutig: Roman Weidenfeller wird im EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar an diesem Samstag (20.45 Uhr/RTL) zum letzten Mal für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielen. "Die Zukunft gehört den jungen Torhütern", sagte Löw am Freitag in Faro und nannte die Schlussmänner Marc-André ter Stegen, Bernd Leno und Timo Horn sowie Kevin Trapp. Der Eintracht-Torhüter steht für die Partie am Samstag auch als dritter Torwart auf Abruf bereit.

Diese Rolle kommt für Weidenfeller nach dem Sommer nicht mehr in Betracht. Löw sprach über den 34-Jährigen, der auch seine Zukunft bei Borussia Dortmund in den kommenden Wochen noch klären muss, schon in der Vergangenheitsform: "Er war bei uns in jeder Beziehung wichtig." Das fünfte Länderspiel wird wohl das letzte für Weidenfeller sein.

Besonders viel Arbeit wird er in Faro gegen die Amateure Gibraltars nicht haben. Es ist für Weidenfeller dennoch ein versöhnlicher Abschied einer späten DFB-Karriere, die so nicht zu erwarten war. Lange hatte Löw ihn ignoriert, trotz der guten Leistungen als Meister und Champions-League-Finalist mit Dortmund. Öffentlich hatte sich der BVB-Keeper mokiert. Erst als ein Mann mit Erfahrung für das WM-Projekt in Brasilien gesucht wurde und Löw sich sicher sein konnte, dass Weidenfeller die Rolle des Ersatzmannes hinter Manuel Neuer absolut klaglos akzeptiert, wurde der BVB-Torwart berufen. Sein Debüt gab er beim 1:0 gegen England im November 2013 im Wembleystadion. In Brasilien erfüllte er seine Rolle professionell. "Er war für uns ein unglaublich wichtiger Spieler bei der WM. Er hat sich reingehängt und die jungen Spieler, gerade die aus Dortmund, geführt, obwohl er wusste, dass er wohl nicht zum Einsatz kommt", sagte Löw. Der Lohn: Auch Weidenfeller darf sich Weltmeister nennen.

An der Position von Manuel Neuer als klare Nummer eins gibt es auch in Zukunft keine Zweifel. Dahinter hat sich offenbar Ron-Robert Zieler positioniert. "Ron hat gegen die USA ein sehr gutes Spiel gemacht", sagte Löw. Der Kampf um die Plätze hinter Neuer für die EM in Frankreich verspricht aber Brisanz. Ter Stegen, Leno und Horn werden sich bei der U21-EM in Tschechien in diesem Monat schon in Richtung A-Team positionieren wollen. Trapps Situation mutet ein wenig skurril an. In Faro steht der Torhüter aus dem saarländischen Rimlingen auf dem Mannschaftsbogen, weil dort laut Uefa-Regularien drei Torhüter stehen müssen. Die Partie verfolgt er aber aus Frankfurt, falls Weidenfeller oder Zieler bis zum Anpfiff nicht noch passen müssen.

Im Vergleich zum 1:2-Test gegen die USA wird Löw auf jeden Fall mindestens eine weitere Änderung vornehmen. Jerome Boateng soll die zuletzt wacklige Abwehr verstärken. Offen ist, ob Sami Khedira oder Ilkay Gündogan neben Kapitän Bastian Schweinsteiger auf der "Sechs" spielen wird. Der Uchtelfanger Patrick Herrmann dürfte nach seinem starken Debüt gegen die USA erneut von Anfang an spielen.

Zum Thema:

Auf Einen BlickVoraussichtliche Aufstellung Gibraltar - Deutschland: Gibraltar: Robba (23 Jahre/6 Länderspiele) - Joseph Chipolina (27/11), Sergeant (20/7), Ryan Casciaro (32/11), Roy Chipolina (32/10), Garcia (22/6) - Bardon (22/4), Priestley (24/10), Payas (30/5), Walker (27/10) - Lee Casciaro (33/5). - Deutschland: Weidenfeller (Borussia Dortmund /34/4) - Rudy (1899 Hoffenheim/25/8), Boateng (Bayern München/26/51), Mustafi (FC Valencia /23/8), Hector (1. FC Köln/25/4) - Schweinsteiger (Bayern München/30/110), Gündogan (Borussia Dortmund /24/10) - Herrmann (Bor. Mönchengladbach/24/1), Özil (FC Arsenal /26/65), Schürrle (VfL Wolfsburg /24/45) - Götze (Bayern München/23/44). - Schiedsrichter: Pisani (Malta). dpa

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