Neue Diskussionen ums Ellenfeld

Neue Diskussionen ums Ellenfeld

Martin Bach, der Vereins-Chef des Oberligisten Borussia Neunkirchen, schätzt, dass 300 000 Euro ausreichen, um das altehrwürdige Ellenfeld-Stadion auf einen regionalliga-tauglichen Stand zu bringen.

Noch im Insolvenzeröffnungsverfahren befindlich, schmiedet Fußball-Oberligist Borussia Neunkirchen neue Pläne: Der Traditionsclub zieht die Sanierung und perspektivisch sogar den Rückkauf des Ellenfeldstadions von der Kreisstadt Neunkirchen in Betracht.

Nach einer Begehung mit der Unteren Bauaufsichtsbehörde (UBA) im Dezember 2015 sind die Verantwortlichen des Vereins davon überzeugt, dass sich erste Maßnahmen günstiger gestalten als bisher gedacht. Demnach reicht ein mittlerer fünfstelliger Betrag, um Betonsanierungen vorzunehmen, die das Entfernen der 2011 aufgestellten Bauzäune und die Nutzung des zweiten Tribüneneingangs ermöglicht. So wäre ein Teil der "Spieser Kurve" wieder zugänglich. Das frühere Aufsichtsratsmitglied Jens Kelm kümmert sich im Auftrag des Vereins darum. Genaue Zahlen möchte er nicht nennen, will aber bis zum 31. Januar einen Antrag auf Investitionszuschuss darüber bei der Stadt Neunkirchen einreichen.

Wie viel Geld investiert werden muss, um das Stadion regionalliga-tauglich herzurichten, sollen unter anderem Untersuchungen der Universität Luxemburg klären. Auch von Unterlagen der Stadt, die ihm seit gestern zur Verfügung stehen, erhofft sich Kelm Erkenntnisse. Der Neunkircher Vereinsvorsitzende Martin Bach schätzt, dass etwa 300 000 Euro reichen könnten - inklusive Flutlichtanlage. Jens Kelm hält diesen Betrag für zu gering, betont aber: "Wir geben kein Geld aus, das wir nicht haben."

"Wir bräuchten die Unterstützung von Stadt und Land", sagt Bach: "Bedenkt man die Investitionen der öffentlichen Hand in die Stadien in Saarbrücken, Elversberg und Völklingen, so verdient auch das Stadion der zweitgrößten saarländischen Stadt zukünftig mehr Aufmerksamkeit."

Neunkirchens Bürgermeister Jörg Aumann sieht nach der Begehung der UBA "keine wesentlich neuen Erkenntnisse". Die Stadt sei in der Kostenfrage ohnehin nicht in der Pflicht. "Es gibt keinen Mietvertrag, sondern einen Gestattungsvertrag mit dem Verein. Der besagt, dass die Borussia das Stadion wie ein Eigentümer behandeln muss", sagt Aumann. Trotzdem muss der Verein geplante Baumaßnahmen mit der Stadt absprechen.

Anfang der 1990er Jahre kaufte die Stadt dem Verein das Stadion für 1,2 Millionen D-Mark ab. "Nicht etwa, weil die Stadt es gut gebrauchen konnte, sondern um die Insolvenz der Borussia zu vermeiden", erinnert Aumann: "Wenn die Borussia es schafft, das Stadion mit Hilfe von Sponsoren zu sanieren, wäre das schön. Aber dann kommt sie nur der Pflicht nach, der sie seit über 20 Jahren bis heute nicht in ausreichendem Maße nachgekommen ist." Ob etwaige Sanierungsmaßnahmen von der Stadt mitfinanziert werden, muss der Stadtrat entscheiden.

Zur Vision des Rückkaufs des Stadions sagt Aumann: "Diese Idee ist mir völlig neu und es gab diesbezüglich noch keine Gespräche." Gespräche, aber keine Einigung über den Verkauf gab es mit der Firma F&R, dem Unternehmen des früheren Borussia-Vorsitzenden Giuseppe Ferraro. Der Unternehmer, der im Kopfbau ein Wellnesshotel errichten wollte, hätte das Stadion für den symbolischen Betrag von einem Euro erwerben können. "Hier waren die finanziellen Möglichkeiten gegeben, das Stadion hinterher ordentlich sanieren zu können. Ob die Borussia diese Möglichkeiten hat, bliebe abzuwarten. Wenn dem so ist, kann man prinzipiell über alles reden", sag Jörg Aumann .