Neuanfang mit saarländischer Note

Saarbrücken · Tennisprofi Benjamin Becker ist zurück im deutschen Davis-Cup-Team. Zweieinhalb Jahre nach seinem letzten Auftritt wird der 33-jährige Saarländer in zehn Tagen in Frankfurt gegen Frankreich aufschlagen.

Zweieinhalb Jahre nach seinem letzten Auftritt im deutschen Davis-Cup-Team erhält Benjamin Becker eine neue Chance, ein großes Ziel in seiner Karriere zu verfolgen - einen Sieg für Deutschland. Der ist dem Tennisprofi aus Orscholz nämlich in seinen bisherigen fünf Partien für die Nationalmannschaft nicht gelungen.

Der neue Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann hat Becker gestern für die Erstrundenpartie von 6. bis 8. März in Frankfurt gegen Frankreich berufen. Zuletzt war der 33-Jährige im September 2012 beim 3:2-Relegationserfolg gegen Australien am Hamburger Rothenbaum mit dabei. "Der Davis Cup hat für mich immer einen hohen Stellenwert", sagt Becker, der derzeit im mexikanischen Acapulco im Einsatz ist und in der ersten Runde seinen Landsmann Tobias Kamke mit 7:6 (7:4), 6:2 besiegte. Es war Beckers erster Sieg bei einem ATP-Turnier in diesem Jahr, wenn man die Australian Open ausklammert.

Seine Leistungen in Melbourne waren allerdings ausschlaggebend für die Nominierung. Der 33-Jährige zog als bester Deutsche in die dritte Runde ein, schlug unter anderem den ehemaligen Weltranglistenersten Lleyton Hewitt. Und: Becker ist in der Weltrangliste auf Rang 41 notiert - und zweitbester Deutscher hinter Philipp Kohlschreiber (25).

Kohlmann, Nachfolger des glück- und erfolglosen Carsten Arriens, hatte gleich bei seinem Amtsantritt betont, mit der bestmöglichen Aufstellung antreten zu wollen. Und so führte an Becker kein Weg vorbei - gleiches gilt für Kohlschreiber, der nach seiner Suspendierung unter Arriens zurückkehrt. Und zwar dort, wo vor einem Jahr das ganze Chaos um das deutsche Team begann. In Frankfurt, am Ort eines der peinlichsten Auftritte in der deutschen Davis-Cup-Geschichte, hoffen Kohlmann, Co-Trainer Dirk Dier und ihr Team auf einen Neuanfang.

Damals hatten sich Kohlschreiber, Tommy Haas und Florian Mayer gegen Spanien am letzten Tag geweigert, zum bedeutungslosen Einzel anzutreten. Es war der Anfang eines monatelangen Zwists zwischen Kohlschreiber und dem früheren saarländischen Verbandstrainer Arriens, der Anfang Februar gehen musste.

Kohlmann war im Februar 2014 als Assistent dabei und stellt klar: "Jeder weiß, dass so etwas nie wieder passieren darf." Wegen damals auf Kohlschreiber zu verzichten, kam für den 41-Jährigen nicht in Frage. "Ich habe gleich nach meiner Berufung mit Philipp telefoniert, und wir hatten ein sehr gutes Gespräch", sagt Kohlmann: "Ich bin absolut überzeugt davon, dass er sich voll ins Team einbringen wird."

Neben Kohlschreiber und Becker, die die Einzel bestreiten dürften, nominierte Kohlmann noch Jan-Lennard Struff und André Begemann für die Partie gegen den Vorjahresfinalisten. Der kommt mit Topspieler Gaël Monfils, der Nummer 19 der Welt, sowie Gilles Simon , Richard Gasquet, Nicolas Mahut und Julien Benneteau. "Frankreich ist Favorit, aber wir werden alles geben, um in die nächste Runde einzuziehen", sagt Kohlmann.