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Neuanfang in der Saarlandliga

Neuanfang in der Saarlandliga

Neunkirchen. Der saarländische Handball-Traditionsverein TuS Neunkirchen steht vor einem Neuanfang. Die Verantwortlichen des Frauen-Drittligisten haben nach einer Krisensitzung am Dienstagabend einen freiwilligen Abstieg aus der Weststaffel der 3. Liga beschlossen. Das Reglement sieht vor, dass ein Verein bei einem ungezwungenen Rückzug direkt zwei Ligen nach unten muss

Neunkirchen. Der saarländische Handball-Traditionsverein TuS Neunkirchen steht vor einem Neuanfang. Die Verantwortlichen des Frauen-Drittligisten haben nach einer Krisensitzung am Dienstagabend einen freiwilligen Abstieg aus der Weststaffel der 3. Liga beschlossen. Das Reglement sieht vor, dass ein Verein bei einem ungezwungenen Rückzug direkt zwei Ligen nach unten muss. Das bedeutet: Saarlandliga. Eine schwere Entscheidung für die Vereinsleitung.

Finanzierung fällt schwer

"Es ist für uns alle sehr deprimierend. Wir waren über so lange Zeit die führende Damen-Mannschaft im Saarland. Doch in unserer aktuellen Lage ist eine weitere Saison in der 3. Liga nicht möglich", erklärt TuS-Präsident Arno Feber. Trainer Mirko Pesic ergänzt: "Die gesamte Mannschaft ist zutiefst enttäuscht."

Die Gründe sind sowohl sportlicher als auch finanzieller Natur. So ist der Kader aus Sicht der Vereinsleitung nach einer durchwachsenen Saison für eine weitere Drittligaspielzeit nicht stark genug und zu dünn besetzt. Auch die Finanzierung ist nach dem Wegfall einiger Sponsoren nicht mehr tragbar. Ausschlaggebend hierfür war vor allem der Rücktritt von Bernd Kolling, der sich 17 Jahre um die Sponsoren-Akquise des Vereins kümmerte. "Zum einen fehlt uns die sportliche Qualität für die 3. Liga, zum anderen ist unser finanzieller Rahmen enger geworden. Wir hätten zu wenig Gelder gehabt, auswärtige Spielerinnen zu verpflichten", erklärt Feber, der das vorhandene Kapital stattdessen lieber in neue Strukturen und die Verbesserung der Jugendabteilung investieren will.

Genau dort liegt TuS-Spielerin Anja Severin zufolge auch das Hauptproblem: "Dem Verein fehlt der Unterbau. Die Jugendabteilung ist sehr dürftig, und die Strukturen sind teilweise zu unorganisiert. Es gibt auch nicht genügend Leute im Umfeld, die sich engagieren." Das bemängelt auch Trainer Pesic: "Es gibt keine klaren Strukturen, und niemand hat ein konkretes Konzept."

Doch das soll sich ändern. Die Strukturen in der Damen-Abteilung werden dem Präsidenten zufolge neu gestaltet. Erste Maßnahme ist die Ernennung einer Abteilungsleiterin, die als Bindeglied zwischen Mannschaft und Präsidium fungieren soll. Dadurch soll sich eine Situation wie die der überraschenden Rücktritte von Alexandra Depta (Zusage bei der DJK Marpingen), Lea Schuhknecht und Gina von Gilgenheimb (werden beide mit der SG Mainz-Bretzenheim in Verbindung gebracht) vor einigen Wochen nicht wiederholen. "Die Kommunikation muss sich verbessern", erklärt Feber.

Einige Spielerinnen werden dem TuS nach dieser Entscheidung den Rücken kehren - darunter auch Urgestein Aleksandra Jelicic. Die 38-Jährige wird nach insgesamt acht Jahren beim TuS als Spielertrainerin zu RPS-Oberligist HSV Püttlingen wechseln. "Die Entscheidung fiel mir sehr schwer. Aber ich will neue Wege gehen und neue Ziele erreichen. Ich sehe meinen Weggang jedoch als Erleichterung für die jungen Spielerinnen - diese können sich nun beweisen", erklärt Jelicic. Auch Leistungsträgerin Miljana Cosic wird in der Saarlandliga nicht mehr auflaufen. Der Grundstock des neuen Kaders wird somit vor allem durch Spielerinnen aus der Jugend gebildet, die zweite Mannschaft wird aufgelöst.

Trainer Pesic hegt jedoch noch Hoffnung, den Abstieg im letzten Moment abwenden zu können: "Ich hoffe noch auf ein Wunder. Die Anmeldefrist für die 3. Liga endet am 30. April. Vielleicht findet sich ja doch noch ein zahlungskräftiger Sponsor." Pesic wird den TuS-Frauen auch in der Saarlandliga als Trainer zu Seite stehen. "Es ist für uns alle sehr deprimierend."

Arno Feber

vom TuS 1860 Neunkirchen