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Regionalliga Südwest
Neitzel muss nach nur acht Monaten seinen Hut nehmen

Karsten Neitzel (links) und Kevin Maek waren nach der Niederlage in Ulm enttäuscht. Es war Neitzels letztes Spiel als SVE-Trainer.
Karsten Neitzel (links) und Kevin Maek waren nach der Niederlage in Ulm enttäuscht. Es war Neitzels letztes Spiel als SVE-Trainer. FOTO: Heiko Lehmann
Ulm. Fußball-Regionalligist SV Elversberg entlässt nach dem 1:2 beim SSV Ulm seinen Trainer. Vorläufig betreut Vorstand Sport Roland Seitz die Mannschaft.

Am Sonntag um 10 Uhr leitete Trainer Karsten Neitzel noch das Auslaufen der SV Elversberg nach der 1:2-Niederlage gegen Ulm. Wenige Minuten nach dem Training wurde Neitzel gefeuert. Nach acht Monaten als Cheftrainer entließ die SVE den 50-Jährigen. „Nach den Entwicklungen in den vergangenen Wochen nach der Winterpause sahen wir uns gezwungen, zu reagieren“, sagt SVE-Präsident Dominik Holzer, nachdem der Verein aus fünf Ligaspielen nach der Winterpause fünf Punkte eingefahren hatte.


Neitzel hatte den Verein bereits in der Winterpause darüber informiert, dass das große Aussortieren von Spielern qualitativ Folgen haben wird. Die SVE trennte sich von fünf Spielern, darunter auch Ex-Kapitän Thomas Birk, Jan Washausen, der mittlerweile Leistungsträger beim Drittligisten FSV Zwickau ist, und Edmond Kapllani, der beste Torschütze der Vorsaison. Alle drei waren im Mannschaftsrat und machten auch ihren Mund auf, wenn ihnen etwas nicht passte. Alle drei mussten gehen.

Neitzel behielt offenbar Recht, dass es schwierig wird. Am Samstag in Ulm kassierte die SVE die Gegentore acht und neun in fünf Spielen nach der Winterpause. Bei der 1:2-Niederlage lieferte die SVE eine der schlechtesten Saisonleistungen ab. Neitzel, der statt mit den ausgemusterten Leistungsträgern mit Nachwuchsspielern klarkommen musste, redete davon, dass er die Mannschaft wohl nicht mehr zum Laufen bringen konnte. Eine Mannschaft, die in der vergangenen Saison Meister wurde und danach sieben Leistungsträger verlor.



Die Neuzugänge vor der Runde waren ähnlich wie in den vergangenen Jahren erfahrene Spieler, die ihre beste Zeit längst hinter sich hatten. Verantwortlich für die Transfers waren in den vergangenen Jahren die Trainer Willi Kronhardt, Michael Wiesinger, Karsten Neitzel – und über die gesamte Zeit auch Sportdirektor Roland Seitz. „Wir wollen uns abschließend bei Karsten für seine Anstrengungen für die Mannschaft und den Verein bedanken. Wir wissen sein Engagement der vergangenen Monate zu schätzen und wünschen ihm für seine Zukunft als Trainer und privat alles Gute“, wird Seitz in der offiziellen Pressemeldung des Vereins zitiert.

Seitz wird die Mannschaft als Interimstrainer ab sofort betreuen und bereits im Saarlandpokal-Viertelfinale am Mittwoch, 19 Uhr beim Saarlandligisten TuS Herrensohr auf der Bank sitzen. Vor dieser Saison war Seitz für die Verpflichtungen von Gaetan Krebs, Johannes Rahn, Smail Morabit und Milad Salem mitverantwortlich. Krebs zeigt ab und an, was er mal konnte, der Rest waren Fehleinkäufe. Salem und Morabit wurden sogar suspendiert.

Passend zu den verkorksten sportlichen SVE-Darbietungen ist die Darstellung nach außen. Bei Morabit wurden offiziell eine Schulter- und eine Knieverletzung als Gründe für seinen Ausfall angegeben. Dabei ist Morabit seit Januar suspendiert, da er sich ohne Absprache mit dem Verein in England ein Premier-League-Spiel anschaute. Die SVE kommunizierte etwas anderes – in der Mannschaft kannte aber jeder die Wahrheit.

Aktuelle Führungsspieler wollen oder dürfen nichts sagen. Ehemalige Spieler berichten, dass fast die komplette Mannschaft Angst vor dem Sportdirektor haben soll. Wer etwas sagt, der könne seinen Hut nehmen. Dass Innenverteidiger Kevin Maek genau wie Kapitän Leandro Grech nach der Saison gehen sollen, ist ein offenes Geheimnis – zwei Spieler, die ihre Meinung sagen. Auch Gaetan Krebs (Vertrag bis 2020) und Steffen Bohl (Vertrag bis 2019) sollen auf der Abschlussliste stehen.

Am Samstag in Ulm nutzten Neitzel auch keine ordentlichen 30 Minuten am Spielende. Julius Perstaller konnte zwar noch den 1:2-Anschlusstreffer erzielen, doch am Ende verlor die SVE – und Neitzel seinen Job. Am Mittwoch geht es weiter mit Interimstrainer Seitz an der Seitenlinie. Nach SZ-Informationen soll ihm ein Angebot der SVE über einen neuen Dreijahresvertrag vorliegen.