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Radsport
Neben Unkraut sprießt auch wieder ein Radsport-Traum

Nur noch wenig erinnert heute auf dem Saarbrücker Schanzenberg an das alte Oval, auf dem früher Größen wie Bahnrad-Olympiasieger Andreas Walzer ihre Runden drehten.
Nur noch wenig erinnert heute auf dem Saarbrücker Schanzenberg an das alte Oval, auf dem früher Größen wie Bahnrad-Olympiasieger Andreas Walzer ihre Runden drehten. FOTO: Tobias Fuchs
Saarbrücken. Die alte Radrennbahn auf dem Saarbrücker Schanzenberg könnte zur Heimstatt der saarländischen Radsportler werden.

Die Zukunft sieht ganz schön alt aus. Risse durchziehen das Oval der Radrennbahn auf dem Schanzenberg. Unkraut sprießt im bröckelnden Beton. Andreas Walzer aus Homburg, Bahnrad-Olympiasieger in Barcelona 1992, drehte hier einst seine Runden. Lange Zeit symbolisierte die verlassene Anlage, was dem Saarländischen Radfahrer-Bund (SRB) fehlt: ein modernes Trainingszentrum. Nun beflügelt der Schanzenberg wieder die Fantasie. Erfüllt sich oberhalb des Saarbrücker Messegeländes doch noch der Traum des Verbandes?



Fest steht: „Wir werden nicht aufhören, unsere Forderung nach einer Heimstatt für den SRB zu stellen“, sagt Verbandspräsident Jörg Aumann: „Unser erstes Problem ist, eine Fläche zu finden.“ Sie seien in den letzten Jahren von Pontius zu Pilatus geschickt worden. Ein Standort fand sich dennoch nicht. Dabei hatte es schon 2009 geheißen, in Saarbrücken könne ein Neubau entstehen. Das bedeutete das Aus für die alte Radrennbahn. Wer hätte gedacht, dass 2017 ausgerechnet der Schanzenberg eine neue Perspektive eröffnet? Alles auf Anfang.

Aumann übernahm vor zweieinhalb Jahren das Amt des Präsidenten von Peter Koch. Der hatte den Schanzenberg als „wunden Punkt“ bezeichnet. Weil die marode Anlage, erbaut im Jahr 1934, permanent auf die mangelhafte Infrastruktur im Radsport aufmerksam machte.

Was den aktuellen Verantwortlichen vorschwebt, formuliert SRB-Vizepräsident Leander Wappler: „Wir haben drei olympische Sportarten und sind der einzige Verband, der unterdurchschnittliche Trainingsmöglichkeiten hat.“ Daher geht es dem SRB um einen „Trainingsstützpunkt für die Kaderausbildung, bestehend aus BMX, Mountainbike und Straße in der Kombi“, konkretisiert Wappler. Viel sei kompensiert worden durch die ehrenamtliche Tätigkeit der Radsportvereine, sagt das Mitglied des RSC St. Ingbert. Trotzdem erkennt Wappler eine Schieflage.

Peter Schwöbel, der Sportliche Leiter des Verbandes, sieht durch den Status quo viel Potenzial gefährdet. „Aktuell ist es so, dass die Spitzensportler gezwungen sind, das Land zu verlassen“, sagt Schwöbel. Weshalb er den Landessportverband für das Saarland (LSVS) in die Pflicht nimmt – und dessen Präsidenten. Klaus Meister habe 2014 bei seiner Antrittsrede formuliert, dass Turner und Radfahrer jetzt an der Reihe seien, erinnert sich Schwöbel: „An diesen Worten wollen wir ihn jetzt messen. Unsere Mitglieder warten darauf, dass sich endlich mal was tut.“



Auch Jörg Aumann argumentiert mit den Ehrenamtlichen in den Clubs. „Man kann nicht hoch genug würdigen, was einige Vereine an Eigenengagement geleistet haben“, betont der SRB-Chef: „Die haben nicht abgewartet, bis sie mit Fördergeldern des LSVS irgendwo was hingebaut bekommen haben, die haben selbst was gebaut.“ Daher rühre das Anspruchsdenken, jetzt auch mal dran zu sein, sagt Aumann. Und meint: „Einen Fußballverein, der sich ohne Hilfe aus Kommune, Land und Sportplanungskommission einen Fußballplatz baut, den habe ich in diesem Land noch nicht gesehen.“ Er gönne jedem Verein die Infrastruktur, weil Sport die öffentliche Hand brauche. „Aber wir bräuchten sie auch mal“, sagt Aumann.

Überraschend erscheinen die Wortmeldungen aus dem SRB, weil es ein „Velodrom“ sogar in den Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD geschafft hat. „Aber Papier ist geduldig“, sagt Aumann. Nach SZ-Informationen erwartet der LSVS, dass sich der Bund Deutscher Radfahrer an einem Trainingszen­trum beteiligt. Doch laut Aumann unterstützt der deutsche Spitzenverband das Projekt des SRB nicht.

Immerhin: Mit dem Schanzenberg könnte es ein passendes Areal geben. Seit 1962 war im Oval der Radrennbahn auch der Reiterbund Saarbrücken beheimatet. Vor zehn Jahren sicherten sich die Reiter die Anlage durch einen Erbpachtvertrag. Doch der Reiterbund schlitterte in die Insolvenz, wurde liquidiert (wir berichteten). Die Radrennbahn ist verwaist. „Wir haben gleich unseren Hut in den Ring geworfen“, sagt Aumann, der LSVS, Land und Stadt kontaktierte. Er habe darum gebeten, mit dem Gelände nichts zu planen, was Fakten schaffe.