Nagelsmann plant den nächsten Coup

Sinsheim · 1899 Hoffenheim will sich auf dem Weg in die Champions League auch nicht von Bayern München aufhalten lassen.

 Auf den Hoffenheimer Cheftrainer Julian Nagelsmann sind heute Abend beim Gastspiel in München alle Augen gerichtet. Foto: Stache/dpa

Auf den Hoffenheimer Cheftrainer Julian Nagelsmann sind heute Abend beim Gastspiel in München alle Augen gerichtet. Foto: Stache/dpa

Foto: Stache/dpa

Kaum war die Präsentation des saarländischen Putzmittel-Herstellers prowin vorbei (ab Sommer auf dem Ärmel des Trikots), stellte Julian Nagelsmann seine These vom sauberen Kasten auf. "Wir müssen es schaffen, dass der Bann nicht bricht", sagte der Trainer des Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim vor dem heutigen Spitzenspiel gegen Bayern München (20 Uhr): "Sonst fallen sie über dich her."

Dass der Spitzenreiter vor der Partie beim Dritten die zurückliegenden fünf Ligaspiele mit 21:0 Toren gewonnen hat, ist auch Nagelsmann nicht verborgen geblieben. "Das Beängstigende daran ist, dass Trainer Carlo Ancelotti vorhergesagt hat, dass sie im März und April richtig in Fahrt kommen", sagte Nagelsmann: "Von daher ist es ungünstig, dass wir jetzt gegen sie spielen müssen."

Doch trotz der überragenden Form der Bayern, die ohne Thomas Müller (Knöchelblessur) und Thiago (wird geschont) antreten, wollen die Kraichgauer nicht schon vor ihrem 150. Heimspiel in der Eliteklasse die weiße Fahne hissen. Im Gegenteil - auf dem Weg in die Champions League möchte sich die TSG, die es noch nie in einen europäischen Wettbewerb geschafft hat, nicht aufhalten lassen.

Der Plan von Taktikfuchs Nagelsmann steht bereits - bleibt aber bis zum Anpfiff streng geheim. "Wir haben für uns die Frage beantwortet, wie wir gegen sie spielen werden - aber das werde ich ganz überraschend nicht erzählen", sagte der Trainer, der mit bayerischem Einschlag nur Grundsätzliches verraten wollte: "Wenn du Bayern den Ball gibst, wird es extrem schwer - dann kannst nur drei Kreuze machen und hoffen. Es ist schon mein Anspruch, selbst den Ball zu haben, sonst wird es nichts."

Wie es gegen die Bayern funktioniert, haben die Hoffenheimer im Hinspiel unter Beweis gestellt. Damals holten die Kraichgauer, die seit sechs Partien ungeschlagen sind, ein 1:1 in München. Und zu Hause ist die TSG ohnehin eine Macht - in dieser Saison gingen Nagelsmanns Schützlinge noch nie als Verlierer vom eigenen Platz. Um den 100. Erstliga-Sieg der Clubgeschichte einzufahren, braucht die TSG nach Ansicht ihres Trainers dennoch einen "richtig guten Tag von allen Spielern". Eine Gala erhofft er sich von den künftigen Münchnern Niklas Süle und Sebastian Rudy. Die überragenden Akteure der vergangenen Monate sollen ihrem kommenden Arbeitgeber zeigen, was sie können - im eigenen Interesse. "Sie tun gut daran, sich zu empfehlen", sagte der 29-Jährige, der selbst schon als künftiger Bayern-Angestellter gehandelt wird.

Dabei ist Nagelsmann gerade mal ein Jahr im Profigeschäft, erst am 11. Februar 2016 war er bei 1899 als Nachfolger von Huub Stevens angetreten. Im Eiltempo formte Nagelsmann aus dem Fast-Absteiger einen potenziellen Champions-League-Teilnehmer. Dabei würde Nagelsmann für (fast) keinen Club der Welt sein bestehendes Arbeitsverhältnis kündigen. Nur wenn Real Madrid anruft, "würde ich Dietmar Hopp vielleicht fragen, ob er mich gehen lässt", verriet Nagelsmann: "Aber sie werden nicht anrufen."

Und deshalb dürfte der unlängst vom Deutschen Fußball-Bund als Trainer des Jahres ausgezeichnete Aufsteiger auch künftig die Verantwortung bei der TSG tragen. Der Fußball sei zwar "schwer planbar", sagte Nagelsmann. Aber er habe den Vertrag bis zum 30. Juni 2019 unterschrieben, "um ihn zu erfüllen".