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Copa Libertadores
Das große Bangen vor dem finalen Akt

Das Stadion von River Plate wird am Sonntag leer bleiben. Das Rückspiel im Finale der Copa Libertadores findet in Madrid statt.
Das Stadion von River Plate wird am Sonntag leer bleiben. Das Rückspiel im Finale der Copa Libertadores findet in Madrid statt. FOTO: dpa / Gustavo Ortiz
Madrid. Nach den heftigen Krawallen in Buenos Aires findet das Final-Rückspiel der Copa Libertadores am Sonntagabend in Madrid statt. dpa

Fußball ist in Argentinien Staatssache – und in diesen Tagen mehr als sonst. Und so nutzte Präsident Mauricio Macri in diesen Tagen seine Bilanz des G20-Gipfels in Buenos Aires, um noch einmal die Krawalle vor dem Final-Rückspiel der Copa Libertadores zu geißeln. „Wir wollen nicht die ganze Stadt militarisieren, um ein Fußballspiel austragen zu können“, sagte Macri. Und auch weil Argentinien das nicht will und nicht kann, wird das Skandal-Spiel zwischen River Plate und Boca Juniors am kommenden Sonntag (20.30 Uhr) im Stadion Santiago Bernabéu in Madrid stattfinden.


Macri äußerte sich vor allem entrüstet darüber, dass einige Fans den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino beim Eintritt ins River-Stadion angespuckt hätten. „Das ist viel schlimmer, als wenn einige Gewalttätige Steine gegen einen Bus werfen“, sagte er. „Die Bestrafung, das Spiel nach Madrid zu verlegen, hat viel mehr hiermit als mit den Ereignissen auf der Straße zu tun.“

Infantino hatte auf Einladung Macris auf dem G20-Gipfel am vergangenen Wochenende vor Journalisten aus aller Welt gesprochen. Der Angriff auf die Spieler der Boca Juniors sei ein „sehr trauriger Moment“ gewesen, sagte der Fifa-Chef: „Das war genug, sowas darf einfach nie wieder geschehen“. Ein angesetztes Spiel müsse immer ausgetragen werden. Und Madrid sei ja auch ein bisschen Südamerika: „Wir erwarten eine Fiesta.“



Wegen heftiger Krawalle war das Rückspiel der verhassten Stadt-Rivalen von Buenos Aires im Finale der südamerikanischen Champions League am 24. November abgesetzt worden. Der Mannschaftsbus der Boca Juniors war kurz vor der Ankunft im River-Stadion mit Steinen beworfen worden. Mehrere Spieler wurden dabei leicht verletzt und hätten nicht antreten können.

Zunächst sollte das Spiel einen Tag später stattfinden, dann wurde es komplett abgesagt und nach Madrid verlegt. River Plate wurde daraufhin mit einer Geldstrafe von 400 000 Dollar belegt und zum Publikumsausschluss bei den ersten beiden Turnier-Spielen 2019 verurteilt. Zudem ist der so wichtige Heimvorteil dahin, denn in Argentinien sind wegen Sicherheitsvorkehrungen Gäste-Fans in den Stadien nicht zugelassen. So aber wird das Rückspiel des ersten Finales der Copa Libertadores zwischen zwei argentinischen Teams im Ausland ausgetragen, auf neutralem Boden.

Schon jetzt ist klar, dass das 81 000 Menschen fassende Stadion von Real Madrid ausverkauft sein wird. Auch die Flüge in die spanische Hauptstadt sind für die Tage bis Sonntag bereits ausgebucht. Die breite Mehrzahl der 66 000 Zuschauer, die das Spiel ursprünglich im River-Stadion verfolgen wollten, wird allerdings leer ausgehen. Allenfalls bekommen sie den Nominalwert ihres Tickets zurück.

Beide Vereine reisen auch nur unter Protest nach Spanien. Boca Juniors verlangt weiterhin, den Titel ohne Rückspiel zugesprochen zu bekommen. River Plate sei für den Angriff auf den Mannschaftsbus mitverantwortlich. Das Disziplinar-Tribunal des südamerikanischen Dachverbands Conmebol wies den Antrag jedoch ab.

In Argentinien werden derweil die Scherben des Eklats zusammengekehrt. Der Staats-Chef präsentierte dem Parlament eine Gesetzesvorlage, die Strafen für die Störung eines Sportereignisses oder Ticketfälschung verschärft. Macri selbst hatte seine politische Karriere als langjähriger Vereinspräsident der Boca Juniors begonnen.

Der Appell des früheren Nürnberger Bundesliga-Profis Javier Pinola, inzwischen bei River Plate unter Vertrag, geht da geradezu unter. „Unglaublich“ seien die Vorfälle für ihn gewesen, sagte der 35-jährige Argentinier den Nürnberger Nachrichten: „Ich verstehe nicht, dass Menschen so verrückt sein können. Das ist ein Spiel, unser Spiel, unsere Liebe, kein Spiel für Idioten.“

In Nürnberg, wo er von 2005 bis 2015 gespielt hatte, konnten seine Kinder mit dem Rad zum Spielplatz fahren, „ganz normal leben“ – anders als in Buenos Aires, sagte Pinola. Als er 2017 von Rosario Central zu River wechselte, sei sein Haus mit Morddrohungen beschmiert worden. Er hoffe auf ein friedliches Fußballfest in der Heimat, unabhängig vom Ausgang des Spiels, sagte Pinola. Aber wirklich daran glauben mag er nicht. Vielmehr fürchtet er das Schlimmste. Dieses Spiel ist für die Argentinier eben mehr als Fußball. Es ist eine Staatsangelegenheit.