| 00:00 Uhr

Nach Krisensitzung: Schonfrist für 96-Trainer Tayfun Korkut

Hannover. sid

Tayfun Korkut betrat am Sonntagmorgen bei strahlendem Sonnenschein den Trainingsplatz von Hannover 96 - anschließend wurde im Büro von Martin Kind Tacheles geredet. Der mächtige Präsident hatte seinen Trainer und Sportdirektor Dirk Dufner zur Krisensitzung einbestellt, das Ergebnis: Korkut erhält nach dem 2:3 gegen Borussia Dortmund eine Schonfrist.

"Martin Kind, Dirk Dufner und Tayfun Korkut haben in einem ausführlichen Gespräch die aktuelle sportliche Situation analysiert. Der Austausch war offen, kritisch und konstruktiv. Als Ergebnis des Gespräches hat Tayfun Korkut das Vertrauen der Verantwortlichen", teilte der Verein gestern in einem Fünfzeiler mit. Direkt nach der Heimniederlage hatte sich Kind jegliches Treuebekenntnis verkniffen. Die Tendenz, trotz des Sinkflugs mit zehn Spielen ohne Sieg am Trainer festzuhalten, zeichnete sich erst am Sonntagvormittag ab.

"Wir wollen eine Vielzahl von Themen analysieren. Da geht es nicht nur um Punkte, alles wird auf den Prüfstand kommen", erklärte der Klubboss. Er habe das Gefühl, dass die Mannschaft dem Trainer folge, man müsse aber auch darüber reden, warum es immer wieder schwache Phasen im Spiel gebe.

Die Niedersachsen hatten zwar gegen den Vize-Meister einen engagierten Auftritt gezeigt, doch unter dem Strich trennen sie jetzt nur noch zwei Punkte vom Relegationsplatz 16. Eine dramatische Lage - doch der Zahlenmensch Kind folgt (noch) seinem Gefühl. Das Zögern des Patriarchen könnte damit zu tun haben, dass er für Korkut noch keinen direkten Nachfolger gefunden hat. Als Wunschkandidat des Unternehmers gilt André Breitenreiter, Trainer des Liga-Konkurrenten SC Paderborn. Der frühere 96-Profi würde allerdings erst in der kommenden Spielzeit zur Verfügung stehen.

Korkut war nach der dritten Niederlage in Serie kämpferisch aufgetreten: "Man hat gesehen, dass die Mannschaft unbedingt wollte. Wir haben es bis zur letzten Sekunde versucht", sagte der Türke, der zum Jahreswechsel 2013/14 Mirko Slomka beerbt hatte: "Wir sind jetzt mitten drin im Abstiegskampf, und es geht um die Zukunft von Hannover 96 . Ich habe die größte Verantwortung, spüre aber immer noch das Vertrauen."

Tiefe Augenringe zeichneten das Gesicht des Chefcoaches, der mit der spielentscheidenden Gelb-Roten Karte von Leonardo Bittencourt haderte (55. Minute). Seine bis dato tonangebende Mannschaft verlor anschließend kurzzeitig die Ordnung, Doppeltorschütze Pierre-Emerick Aubameyang (19., 61.) und Shinji Kagawa (57.) sorgten für die Entscheidung zugunsten des BVB. In der Schlussphase warfen die Gastgeber in Unterzahl zwar noch einmal alles nach vorne. Doch mehr als der zweite Treffer von Kapitän Lars Stindl sprang nicht heraus (31., 82.).

Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler sprach sich anschließend deutlich für eine Entscheidung pro Korkut aus. "Warum soll es nicht weitergehen?", fragte der 26-Jährige. Nach so einem Spiel gebe es überhaupt keinen Anlass für Diskussionen: "Ich bin nach wie vor von den Qualitäten des Trainers überzeugt." Auch der Pechvogel des Tages positionierte sich. "Mit elf Mann hatten wir gute Karten, das Spiel zu gewinnen", sagte Bittencourt: "So ist es einfach bitter. Wir müssen uns gemeinsam mit dem Trainer aus dieser Situation befreien." Bevor die Schonfrist abläuft.