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Nach Handball-Krimi: HG Saarlouis schafft Klassenerhalt

HG Saarlouis : Und das Beste kommt zum Schluss

Die HG Saarlouis bleibt in der 2. Handball-Bundesliga. Die letzte Partie gegen TuSEM Essen war ein Krimi mit Happy-End. Am Ende durfte auch Essen mit den Gastgebern nach dem 27:27 den Ligaverbleib feiern.

„Normal“ geht nicht bei der HG Saarlouis. Das Gewöhnliche ist nicht das Ding der Zweitliga-Handballer. Demnach war die Art und Weise, wie Saarlands beste Handball-Mannschaft am Samstagabend den Klassenverbleib klargemacht hat, wieder einmal ganz speziell. Sich selbst und ihren Fans verlangten die Spieler beim 27:27 (8:15) gegen TuSEM Essen alles ab. Zur Halbzeit lag die HG in der mit 1850 Zuschauern ausverkauften Stadtgartenhalle mit sieben Toren in Rückstand. Am Ende reichte es dennoch erstmals seit drei Jahren aus eigener Kraft zum sportlichen Ligaverbleib. Zuvor war dies nur dank der Lizenzentzüge anderer Mannschaften gelungen.

„Ich habe es meiner Mannschaft zugetraut, dass sie sich das Spiel zurückholen kann“, sagte Jörg Bohrmann nach dem letzten Saisonspiel, in dem er auf die verletzen Ibai Meoki und Philipp Kessler verzichten musste. Kapitän Jonas Faulenbach, der beste Feldtorschütze der Liga, musste nach einer Woche Krankheit anfangs ebenfalls passen. „Wir sind bis zum Schluss diszipliniert geblieben und haben vor einem tollen Publikum alles herausgeholt. Ich bin stolz auf das Team“, sagte Bohrmann. Auch Gedanken an die Saarlouiser Partymeile in der Altstadt wollte der Trainer direkt nach dem Spiel nicht zulassen: „Ich muss das erst einmal sacken lassen. Die Jungs sollen feiern. Ich werde jetzt mit meiner Frau etwas in Stimmung kommen, und dann schauen wir weiter.“

Zum Spiel. „Ich hätte die Mannschaft in der ersten Halbzeit besser unterstützen müssen. Da waren ein paar Bälle dabei, die zu mir gehörten“, gab Torwart Patrick Schulz zu. Diese Bälle holte er sich dann in der zweiten Hälfte und zeichnete wie der souveräne Siebenmeterschütze Lars Weissgerber (sieben Treffer aus acht Versuchen) für die erfolgreiche Aufholjagd mitverantwortlich. Aus sieben Toren Rückstand wurden nach Wiederanpfiff schnell drei (16:19), die sich mühselig weiter reduzierten (21:23, 23:24), ehe in der 54. Minute der 25:25-Ausgleich fiel. Kurz vor Schluss lag Saarlouis sogar mit 27:26 in Führung. Ein HG-Sieg hätte für Essen, das von mehr als 200 mitgereisten Fans lautstark angefeuert wurde, den Abstieg bedeutet. Doch dann erzielte Noah Beyer per Siebenmeter den 27:27-Endstand. „Ein Riesenkompliment an die Jungs. In der zweiten Halbzeit waren bei TuSEM die Kräfte aufgebraucht, aber wir haben weitergemacht“, freute sich Schulz.

„So ein Spiel, in dem es um alles geht, bekommst du in deiner Karriere nicht oft. Wir wollten unbedingt noch einmal zurückkommen“, erklärte der nach Ferndorf abwandernde HG-Kapitän Faulenbach, der nach dem Schlusspfiff offiziell verabschiedet wurde: „Drei Jahre sind schon was. Das macht man nicht einfach so. Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt. Jetzt stehen wir am Saisonende über dem Strich und haben sogar noch eine Mannschaft hinter uns gelassen“, sagte der Rückraumspieler und ergänzte: „Heute können wir richtig feiern. Darauf haben wir lange gewartet, das haben wir uns verdient.“

Den HG-Vorsitzenden Richard Jungmann ließ dieses Spiel einmal mehr staunend zurück: „Ich komme einfach nicht dahinter, wie die Mannschaft immer wieder in der Lage ist, solche Rückschläge auszumerzen. Es ist unglaublich“, schwärmte der Vereins-Chef: „Man kann vor der emotionalen und körperlichen Leistung der Spieler nur den Hut ziehen. So eine Mannschaft hat es wahrlich verdient, in der Liga zu bleiben.“ Mut gemacht hatte Jungmann der positive Zuspruch aus der saarländischen Sportwelt: „Ich war in letzter Zeit auf einigen Großveranstaltungen unterwegs. Es wurden so viele Daumen für uns gedrückt. So eine breite Zustimmung zur HG Saarlouis habe ich selten erlebt.“ Der für den Abstieg vorgesehene „Plan B“ kann demnach in der „untersten Schublade“ verstaut bleiben. Das Abenteuer 2. Bundesliga geht für die HG Saarlouis und das Handball-Saarland weiter.