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| 20:44 Uhr

Ringen-Playoffs
Nach dem Wunder reifen die Titelträume

Der Moment, als das Wunder Realität wird: Der Köllerbacher Andrej Shyyka reißt die Arme hoch. Er hat den Adelhausener Stephan Brunner technisch überlegen bezwungen und die entscheidenden Punkte geholt.
Der Moment, als das Wunder Realität wird: Der Köllerbacher Andrej Shyyka reißt die Arme hoch. Er hat den Adelhausener Stephan Brunner technisch überlegen bezwungen und die entscheidenden Punkte geholt. FOTO: Andreas Schlichter
Püttlingen. Die Ringer des KSV Köllerbach gewinnen den Halbfinal-Rückkampf gegen Adelhausen mit 17:7 und stehen im Meisterschafts-Finale. Von Patric Cordier

Samstagabend, 21.27 Uhr, im Trimmtreff in Püttlingen. Andrej Shyyka, der Kapitän des KSV Köllerbach, kommt noch einmal in die Oberlage gegen Stephan Brunner vom TuS Adelhausen. Kampfrichter Björn Goller zeigt eine Zweierwertung, das anschließende akkustische Signal des Mattenleiters geht im Jubel der über 1000 Fans unter. Shyyka, vor einer Woche im Hinkampf gegen Akhmed Chakaev noch klar unterlegen, siegt diesmal technisch überlegen und führt seine Mannschaft doch noch ins Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Ringen.

Köllerbach bezwingt Adelhausen mit 17:7 und pulverisiert damit den Neun-Punkte-Rückstand aus dem Hinkampf (11:20). „Vom Verlierer zum Helden ist es oft nur ein kleiner Schritt“, sagte Shyyka: „Letzte Woche hatte ich die falsche Taktik gewählt. Wir haben trotzdem weiter an uns geglaubt.“ In den Finalkämpfen trifft der KSV auf Wacker Burghausen – am 20. Januar auswärts und am 27. Januar in der Hermann-Neuberger-Halle in Völklingen.

Die von Shyyka angesprochene Taktik war am Samstag der Schlüssel zum Erfolg. Köllerbachs Mannschaftsverantwortlicher Thomas Geid hatte eine überraschende, aber goldrichtige Aufstellung gewählt. Statt auf den französischen Spezialisten Melonin Noumonvi setzte Geid in der Klasse bis 98 Kilo griechisch-römisch auf den deutschen Freistiler Gennadij Cudinovic. Damit wurde einer der vier Ausländerplätze frei, und Cudinovic wuchs in der fremden Stilart gegen den Schweden Zakarias Berg über sich hinaus (2:3). „Die Idee hatten wir schon nach dem Hinkampf“, erzählte Kollege Timo Badusch: „Ich war dann mit Genna nach dem Abendessen in Adelhausen spazieren, um ihn von dem Plan zu überzeugen.“

Badusch selbst hatte eine ganz undankbare Aufgabe. Er musste gegen seinen Trainingspartner Konstantin Schneider ran. Der frühere KSV-Kapitän hatte extra Gewicht gemacht, ihm fehlte aber auch darum gegen Baduschs Dynamik einfach die Kraft. „Wir kennen uns wie die eigene Frau“, sagte Badusch lachend: „Da weiß man auch genau, was sie vorhat.“ Badusch kannte Schneider etwas besser als umgekehrt, siegte 4:3.

Die Schlüsselkämpfe des Abends waren aber andere. Der von Etienne Kinsinger gegen Ivo Angelov etwa. Adelhausens Bulgare hatte in dieser Saison noch keinen Kampf abgegeben und im Vorjahr auch Kinsinger deutlich besiegt. Nach sechs Minuten hatte zwar keiner der beiden Athleten eine technische Wertung, Kinsinger aber zwei Punkte und den Sieg wegen Angelovs Passivität. „Das war Weltklasse“, urteilte der saarländische Landestrainer Frank Hartmann: „Etienne hat einen Entwicklungsschritt gemacht.“

Weltklasse war auch, was Mihail Sava und Akhmed Chakaev in der Klasse bis 71 Kilo Freistil boten. Adelhausens Chakaev führte zu Beginn der zweiten Runde mit 3:0, ehe es atemberaubend wurde. Sava attackierte, Chakaev konterte. Eine Aktion floss in die nächste. Selbst für das geübte Auge des Kampfgerichts war kaum auszumachen, wer welche Wertung bekommen musste. Der Videobeweis brachte Klärung. Sava siegte mit 11:9. „Ich sage nichts zur Schiedsrichterleistung“, meinte Adelhausens Trainer Florian Philipp, der seinen Schützling kaum beruhigen konnte: „Köllerbach hat den Rückstand aus dem Hinkampf aufgeholt und am Ende dann verdient gewonnen.“ Dass sich Adelhausens Sascha Keller bei der Niederlage gegen Laszlo Szabo schwer verletzte und mit Verdacht auf Ellenbogenbruch ins Krankenhaus kam, trübte einen Abend, der ansonsten beste Werbung für den Sport machte.

„Jeder wusste, dass wir mit unserem fantastischen Publikum im Rücken eine Chance haben“, berichtete Teamleiter Geid, mit den Freudentränen kämpfend: „Jeder hat für jeden und um jeden Punkt gekämpft. Nur so sind solche Ergebnisse möglich.“ Istvan Vereb (86 Kilo Freistil) und Aleksander Khotsianivski (130 Kilo Freistil) steuerten jeweils drei Zähler zum Ergebnis bei. Auch die Leistung von Nico Zarcone (61 Kilo Freistil) bei seiner 4:7-Niederlage war bemerkenswert. Nur die Schulterniederlage von Nachwuchsringer Sergio Schäfer gegen Nick Scherer (57 Kilo greco) drückte zunächst auf die Stimmung. Umso größer war der Jubel am Ende.

Der Köllerbacher Teamleiter Thomas Geid (links) kann die Tränen nicht zurückhalten. Sein Ringer Timo Badusch freut sich mit ihm.
Der Köllerbacher Teamleiter Thomas Geid (links) kann die Tränen nicht zurückhalten. Sein Ringer Timo Badusch freut sich mit ihm. FOTO: Andreas Schlichter