Leichtathletik: Müller will den Titel unterm Hallendach

Leichtathletik : Müller will den Titel unterm Hallendach

Die Leichtathletin des LC Rehlingen erzielt in diesem Winter eine Bestzeit nach der anderen. Nun geht es zur deutschen Meisterschaft.

Laura Müller huscht an der Fensterfront vorbei. Schon ist die Sprinterin des LC Rehlingen von draußen nicht mehr zu sehen. In der Leichtathletik-Halle der Hermann-Neuberger-Sportschule trainiert die 23-Jährige für die deutschen Hallen-Meisterschaften an diesem Wochenende in Leipzig. Müller startet über 400 Meter, ihre Stammstrecke, die sie bekannt gemacht hat. An diesem Samstag um 14.30 Uhr findet der Vorlauf statt, das Finale knapp 24 Stunden später.

„Laura will um den Titel laufen, denke ich“, sagt ihr Trainer Uli Knapp. Sie habe mit Nadine Gonska (MTG Mannheim) aber eine harte Konkurrentin. Die deutsche Meisterin schaffte die 400 Meter kürzlich in Luxemburg in 52,97 Sekunden – nah an ihrer Bestzeit. Gonska erfüllte damit auch die Norm für die Hallen-EM in Glasgow (1. bis 3. März), die bei exakt 53 Sekunden liegt.

Müller lief sich dagegen bei den süddeutschen Meisterschaften mit 53,52 Sekunden warm. Eine gute Standortbestimmung, findet sie. „Laura startet über 400 Meter immer relativ unauffällig in eine Saison und steigert sich über die Rennen“, erklärt Trainer Knapp. Trotzdem sagt er schon vor dem Wochenende in Leipzig: „Bis jetzt ist es ihre beste Hallensaison.“ Müller erreichte über 60 (7,38 Sekunden) und 200 Meter (23,78) neue Hallen-Bestzeiten.

Auf den 300 Metern unterbot die Dudweilerin sogar ihre schnellste Zeit unter freiem Himmel – erst ein, dann ein zweites Mal (37,19) am vergangenen Sonntag beim Meeting in Metz. „In der Halle muss man wegen der engen Kurven ungefähr eine halbe Sekunde schlechter kalkulieren als draußen“, sagt Knapp. Das mache die Zeit umso hochwertiger. Der Trainer meint: „Wenn es jetzt in Leipzig über die 400 Meter noch klappt, wäre das eine abgerundete Saison, die man kaum hätte besser machen können.“

An der Sportschule biegt Müller auf die Zielgerade, es ist ihre letzte Trainingsrunde an diesem Nachmittag. Knapp stoppt die Uhr am Handgelenk. „So“, ruft der Trainer. Das war es jetzt. Gleich macht Müller im Kraftraum weiter. Was meint die Athletin zu ihren Auftritten unterm Dach? „Weil die wichtigen Wettkämpfe im Sommer erst so spät sind, haben wir bewusst die Halle ausgesucht, um die ewig lange Zeit zu überbrücken“, sagt Müller. Die Leichtathletik-WM wird in diesem Jahr in Doha stattfinden, der Hauptstadt Katars – vom 28. September bis 6. Oktober, so spät wie nie. Bisher galt der August als fester Monat für Mega-Events wie WM und Olympia. Danach begann die sogenannte Off-Season – die Zeit der Erholung, die im Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio ungewohnt kurz ausfallen wird. Müller sagt zum Termin der WM in der Wüste: „Das ist für uns alle neu, der Zeitpunkt ist sehr unytpisch.“ Weshalb der Formaufbau diesmal anders verläuft als gewohnt. Man könnte sagen: Die 23-Jährige muss zwei Saisons in einer planen.

Im vergangenen Oktober begann Müller mit der Vorbereitung, sie war im Trainingslager in Südafrika und auf Teneriffa. „Im Januar war ich noch mal ein bisschen krank, das ist immer arg nah an den Wettkämpfen“, sagt sie. „Das hat mich ein bisschen zurückgeworfen.“ An ihren Ergebnissen lässt sich das nicht ablesen. Sie erscheinen umso bemerkenswerter, weil Müller in der Vergangenheit nicht nur aus Termingründen weniger auf die Halle setzte. „Laura ist keine Hallenspezialistin“, sagt Knapp. „Sie läuft lieber im Freien, das kommt ihrem Naturell, ihrem Schrittmuster entgegen.“ Deshalb wäre es auch „kein Beinbruch“, so Knapp, sollte es in Leipzig mit der Qualifikation für die Hallen-EM in Schottland nicht klappen.

Müller formuliert im Konjunktiv: „Wenn ich in Glasgow starten wollen würde, müsste ich die EM-Norm jetzt in Leipzig laufen.“ Das soll keine vorzeitige Absage sein. Sondern unterstreichen, wo ihre Prioritäten liegen. Sie sagt: „Es ist immer gut, sich international zu messen, aber wenn es mit der EM nicht klappt, dann ist es so – und wir werden unsere Lehren daraus ziehen.“

Wichtiger für sie ist die inoffizielle Staffel-WM im Mai in Yokohama. Sie gilt buchstäblich als Testlauf für Olympia 2020. Müller wird mit dem Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ein dreiwöchiges Trainingslager im Gastgeberland der nächsten Sommerspiele absolvieren. „Da werden wir die Gegebenheiten in Japan schon ein bisschen austesten“, sagt sie. Die Wettkämpfe dürften spannend werden. Neben einer 4x100-Meter-Staffel wird es auch Rennen über 4x200 Meter und ein Mixed über 4x400 Meter geben. Das sei ein ganz neues Format, erklärt Trainer Knapp. „Laura könnte in allen Formaten starten.“ Müller hat also mehrere Möglichkeiten, sich frühzeitig für die WM zu qualifizieren. „Mit der Sicherheit, dass man in Doha mit der Staffel dabei ist, kann man die Saison ganz anders angehen“, erklärt Müller.

Klar ist: In der Freiluftsaison wird sich die Sprinterin weniger auf die 400 Meter konzentrieren. „Wir wollen Richtung Tokio eher auf die 200 Meter gehen, weil ich mich dort näher an der Weltspitze befinde“, sagt sie. Doch im Moment trainiert Müller noch in der Halle – für die Halle.

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