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Fußball-Regionalliga
Mohr spürt endlich wieder Vertrauen

Der Elversberger Trainer Karsten Neitzel (links) setzt auf den Saarländer Benno Mohr. Der erlebt gerade seine beste Zeit in seiner Aktivenkarriere. Auch deshalb hat die SVE seinen Vertrag bis 2020 verlängert.
Der Elversberger Trainer Karsten Neitzel (links) setzt auf den Saarländer Benno Mohr. Der erlebt gerade seine beste Zeit in seiner Aktivenkarriere. Auch deshalb hat die SVE seinen Vertrag bis 2020 verlängert. FOTO: Andreas Schlichter
Elversberg. Der Saarländer fühlt sich bei der SV Elversberg richtig wohl und glaubt nach wie vor an die Aufstiegs-Chance. Von Heiko Lehmann

Mit ausgebreiteten Armen lief Benno Mohr am vergangenen Dienstag auf Lukas Kohler zu. Beide jubelten, klatschten ab und freuten sich über den ersten Sieg der SV Elversberg im Jahr 2018. 4:2 hieß es am Ende gegen den TSV Schott Mainz. Der St. Ingberter Kohler brachte die SVE mit seinem Tor zum 3:2 auf die Siegerstraße, der Saarbrücker Mohr machte mit dem 4:2 den Sack zu.


„Das war am Ende schon verdient, aber wir haben es uns unnötig schwer gemacht. Wie so oft in dieser Saison“, sagt Mohr. Der 22-Jährige blüht in dieser Saison bei der SV Elversberg so richtig auf – zum ersten Mal in seiner Aktivenkarriere. Als A-Jugendlicher war der Junge vom Saarbrücker Rodenhof vom 1. FC Saarbrücken zu Borussia Mönchengladbach gewechselt und spielte dort bis zur vergangenen Saison für die U23 in der Regionalliga West.

„Richtig gespielt habe ich in Gladbach eigentlich nie. Ich bekam zwar viele Einsätze, aber das waren meistens Einwechslungen. Unter richtig spielen verstehe ich das, was ich jetzt in Elversberg mache“, sagt Mohr, der von Trainer Karsten Neitzel von Beginn an das Vertrauen geschenkt bekam. Dabei stand Mohr zunächst gar nicht auf der Wunschliste der Elversberger. Als Linksaußen Maximilian Oesterhelweg nach der vergangenen Saison bekannt gab, dass er zu den SF Lotte gehen werde, wurde Milad Salem als Ersatz verpflichtet. Aber man brauchte noch jemanden für die linke Seite – und zudem wegen der U23-Regelung auch noch einen jungen Spieler. Mohr wurde zum Probetraining eingeladen, überzeugte und wurde quasi auf den letzten Drücker verpflichtet. „Ich war richtig glücklich, dass ich wieder einen Vertrag und eine Mannschaft hatte“, erinnert er sich.



Mohr erlebte bereits in jungen Jahren von absoluten Glücksgefühlen bis zu den unschönen Schattenseiten viele Momente im Fußball. Mit 16 Jahren war er Nationalspieler und kickte in der U16 mit den aktuellen Bundesligastars Leon Goretzka und Serge Gnabry. Im Frühjahr 2017 gab Borussia Mönchengladbach bekannt, dass Mohr keinen weiteren Vertrag für die U23 erhält.

„Das wünscht sich kein Fußballspieler. Du hast keine Vorstellung, was die Zukunft bringt. Man überlegt, ob man eine Ausbildung anfangen und nur noch hobbymäßig Fußball spielen soll. Du musst dich selber um deine Fitness kümmern, sonst ist es schnell vorbei mit der Karriere. Ich war viel im Wald und habe beim Oberligisten Wiesbach mittrainiert“, erzählt der 22-Jährige, der das Vertrauen der SVE und von Neitzel zurückzahlen wollte.

Und das hat er. Mit vier Saisontoren und sechs Vorlagen hat Mohr überzeugt und bekam vor Kurzem einen neuen Vertrag bis Sommer 2020. „Ich habe eine Wohnung in Güdingen und kann mich jetzt voll auf den Fußball konzentrieren. Vielleicht beginne ich nebenher noch ein Fernstudium“, sagt Mohr, bei dem nach harten Zeiten wieder alles voll im Soll zu sein scheint.

Nur in der Tabelle der Regionalliga Südwest könnte es für die SV Elversberg etwas besser aussehen. An diesem Samstag um 14 Uhr ist die Mannschaft zu Gast beim SSV Ulm. „Wenn wir unser Nachholspiel gewinnen, sind es nur noch sechs Punkte Abstand auf einen Relegationsplatz. Ich bin immer Optimist, aber wir müssen jetzt sehen, dass wir Spiele gewinnen. Wir haben schon viel zu viele Punkte verschenkt“, sagt Mohr. Gegen Ulm baut Neitzel auf den gleichen Kader wie in den vergangenen Wochen.