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Mitfiebern ohne „großes Tamtam“

Hildegard und Alfred Weinzierl aus Saarbrücken fiebern bei den Olympischen Winterspielen mit Enkelin Nathalie. Foto: Dietze
Hildegard und Alfred Weinzierl aus Saarbrücken fiebern bei den Olympischen Winterspielen mit Enkelin Nathalie. Foto: Dietze FOTO: Dietze
Saarbrücken. Nathalie Weinzierl aus Mannheim steht vor ihrem bisherigen sportlichen Höhepunkt. Die 19-jährige gebürtige Saarbrücken erlebt ihre ersten Olympischen Winterspiele. Und ihre Großeltern fiebern da natürlich ganz besonders mit. Von SZ-MitarbeiterMichael Aubert

Der Countdown läuft. Heute starten die ersten Vorwettkämpfe, morgen werden die Olympischen Winterspiele in Sotschi offiziell eröffnet, und allerspätestens ab Samstag wird in einer Wohnung in Saarbrücken ganz besonders mitgefiebert. "Wir interessieren uns generell für Sport", sagt Alfred Weinzierl, "nur jetzt haben wir auch einen direkten Bezug". Der Grund ist Eiskunstläuferin Nathalie Weinzierl, Enkelin von Alfred und Hildegard Weinzierl - sie erlebt in Sotschi ihre Olympia-Premiere.

Die gebürtige Saarbrückerin wird im Einzelwettbewerb der Damen und im Teamwettbewerb aufs Eis gehen - erstmals im Kurzprogramm des Teamevents an diesem Samstag ab 20.10 Uhr. "Wir fiebern natürlich immer mit, wenn sie läuft", sagt Oma Hildegard. "Und wenn es nicht zu weit weg ist, fahren wir auch hin", ergänzt Opa Alfred. Doch weil Sotschi definitiv zu weit ist, bleibt den Großeltern dieses Mal nur das Mitfiebern von zu Hause aus. Aber auch von hier aus wird jeder ihrer Schritte genau verfolgt. "Die Kür", sagt ihr Großvater erleichtert, "wird wohl komplett im Fernsehen übertragen".

Trotzdem werden die Weinzierls Nathalies Olympia-Auftritt nur im kleinen familiären Kreis verfolgen. "Das wird kein großes Tamtam mit Sekt", sagt ihr Großvater und lacht. Das war es früher auch nicht, als Nathalie, die in Mannheim lebt, Weihnachten und Ostern bei den Großeltern verbrachte. So wie sie sich damals für alle möglichen Spiele begeistern konnte, sitzen heute ihre Großeltern auf eben jenem Sofa, und fiebern mit.

So war es auch schon vor drei Wochen bei den Europameisterschaften in Budapest, bei denen sich Nathalie Weinzierl als Achte im Vergleich zum Vorjahr um einen Platz steigern konnte. Ihr persönliches Ziel hatte sie somit erreicht und zudem nicht nur einen zweiten deutschen Startplatz für die nächste EM gesichert, sondern sich vor allem in der erweiterten Weltspitze etabliert. "Ich habe gezeigt, dass ich stabil geworden bin", sagt Weinzierl. Stabilität, die ihr auch Großvater Alfred attestiert: "Seit sie sich nur auf ihren Sport konzentrieren kann, hat sie enorme Fortschritte gemacht. Sie ist bei ihren Sprüngen viel sicherer geworden und in ihrem Ausdruck noch stärker."

Dass sie bei der EM in Budapest ausgerechnet ihren letzten Sprung in der Kür vermasselte, lag vielleicht auch daran, dass sie ohne ihren Trainer Peter Sczypa unterwegs war. "Mein Trainer hat mir da schon sehr gefehlt", gibt die 19-Jährige zu. Sczypa hatte vor der EM einen Schwächeanfall erlitten und konnte sie deshalb nicht nach Budapest begleiten. Und er ist es, der ihr von der Seite aus die nötige Ruhe und Sicherheit verleiht.

Zum Auftakt in Sotschi muss Weinzierl wieder auf ihn verzichten. Aber sie wird nach ihrem Kurzprogramm zurück nach Mannheim kommen, dort mit Sczypa trainieren und wenige Tage später für ihre Kür wieder nach Sotschi fliegen. Dann vielleicht schon wieder mit ihrem Trainer. Und ganz gewiss mit der Sicherheit, dass die Großeltern in Saarbrücken die Daumen drücken, wenn sie zum zweiten Mal auf olympischem Eis läuft.



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Auf einen BlickBei der Olympia-Premiere im Teamwettbewerb der Eiskunstläufer gehen Peter Liebers und die Paarläufer Maylin und Daniel Wende für die deutsche Mannschaft als Erste an den Start. Der Wettkampf beginnt heute um 15.30 Uhr mit den Herren, die Paare folgen im Anschluss. Das Kurzprogramm der Damen und der Eistänzer startet am Samstag. dpa