Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 21:07 Uhr

Mit Xu kam die Wende

Huaiwen Xu, Mitte, hält die Trophäe für den deutschen Mannschaftsmeister im Badminton hoch. Mit dem vierten Titel in Folge verabschiedet sich Xu von ihrem Verein 1. BC Bischmisheim. Foto: Wieck
Huaiwen Xu, Mitte, hält die Trophäe für den deutschen Mannschaftsmeister im Badminton hoch. Mit dem vierten Titel in Folge verabschiedet sich Xu von ihrem Verein 1. BC Bischmisheim. Foto: Wieck
Saarbrücken. Es war beinahe vorauszusehen, dass die gemeinsame Geschichte von Huaiwen Xu und ihrem Verein, dem Badminton-Bundesligisten 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim, so dramatisch enden musste. 0:4 lag der BCB im Finalrückspiel um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft gegen EBT Berlin zurück. Das Polster vom 5:3-Hinspielerfolg war längst dahingeschmolzen, es drohte eine Niederlage Von SZ-Redakteur Mark Weishaupt

Saarbrücken. Es war beinahe vorauszusehen, dass die gemeinsame Geschichte von Huaiwen Xu und ihrem Verein, dem Badminton-Bundesligisten 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim, so dramatisch enden musste. 0:4 lag der BCB im Finalrückspiel um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft gegen EBT Berlin zurück. Das Polster vom 5:3-Hinspielerfolg war längst dahingeschmolzen, es drohte eine Niederlage.

Aber dann bat Huaiwen Xu zum Dameneinzel gegen Juliane Schenk. Deutschlands erfolgreichste Spielerin im letzten Spiel für ihren Verein gegen ihre potenzielle Nachfolgerin auf internationaler Ebene. Und was Xu und Schenk den gut 750 Zuschauern in der Joachim-Deckarm-Halle vor allem im dritten Satz boten, machte das Finale endgültig "zum besten, was ich jemals in den Play-offs gesehen habe", sagte BCB-Team-Manager Thomas Tesche später.

Satz eins hatte Schenk deutlich mit 21:12 dominiert, Satz zwei ging ebenso klar mit 21:13 an die 33-Jährige, die im Sommer mit dem Leistungssport aufhören wird. Beim Stand von 10:13 aus der Sicht von Xu im entscheidenden dritten Satz war die gebürtige Chinesin platt, der BCB mausetot, die Hoffnungen auf die Titelverteidigung dahin.

Aber Xu kam zurück, erkämpfte sich acht Punkte in Folge (18:13) und sah wie die sichere Siegerin aus. Denkste, denn Juliane Schenk, mit dem Kämpferherzen einer Löwin ausgestattet, drehte wieder auf - 19:19. Die darauffolgenden Minuten dürften sich für alle Zeiten in die Erinnerungen aller Anwesenden eingebrannt haben. Erst vergab Xu zwei Matchbälle, dann Schenk drei - und der dritte von Xu passte dann endlich. 26:24-Sieg, der 1:4-Anschluss für den BCB, eine Halle, die Kopf stand - und die Initialzündung für die Titelverteidigung.

Der Rest des Spiels ist schnell erzählt. Kristof Hopp und Johanna Persson verkürzten in zwei knappen Sätzen im Mixed auf 2:4 (24:22, 21:19). Kestutis Navickas, dem Litauer in Diensten es BCB, war es dann vorbehalten, im zweiten Herreneinzel den dritten Punkt gegen Tim Dettmann einzufahren. Damit war der BCB der Meistertitel nicht mehr zu nehmen; der Sieg von Marcel Reuter im dritten Einzel gegen Johannes Schöttler zum Endstand von 4:4 wäre gar nicht mehr notwendig gewesen, weil der BCB mehr Sätze gewonnen hatte.

BCB-Chef Frank Liedke, der sich während des Spiels aus Nervengründen zumeist im Foyer der Halle aufhielt, war überglücklich über den vierten Titel in Folge und wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte. "Was Xu heute geleistet hat, ist kaum in Worte zu fassen. Ich hätte sogar auf den Meistertitel verzichtet. Hauptsache, sie hat ihr letztes Spiel für uns gewonnen." Xu selbst verließ mit Tränen in den Augen das Feld und sagte: "Das war vielleicht einer meiner schwersten, aber auch schönsten Siege. Auf einem Turnier hätte ich wohl verloren. Aber hier in der Halle, mit den Zuschauern im Rücken - das konnte ja nur gutgehen." Sprach's und feierte dann mit ihren Mannschaftskollegen in der Deckarm-Halle bis spät in die Nacht - den vierten Titel und ihren Abschied von BCB.

Meinung

Eine ganz Große geht

Von SZ-Redakteur

Mark Weishaupt

Dass ausgerechnet Huaiwen Xu in ihrem letzten Spiel dafür gesorgt hat, dass der 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim seinen vierten deutschen Meistertitel gewinnen konnte, beweist die großartige Einstellung, die die 33-Jährige immerwährend in ihrer Karriere an den Tag gelegt hat. Kämpfen bis zum Umfallen, den geschundenen und schmerzenden Körper ignorieren, sich auf das Spiel konzentrieren, gepaart mit diesem unbändigen Willen, zu gewinnen - alles Eigenschaften, die im Sport selten sind und denjenigen, der sie hat, bis an die Weltspitze bringen kann.

Mit Huaiwen Xu verliert der deutsche Badmintonsport eine herausragende Persönlichkeit - und der 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim seine Galionsfigur, die kaum zu ersetzen sein wird. Und man kann sich nur wünschen, dass Huaiwen Xu eines Tages wieder den Weg ins Saarland zurückfindet und sich im Badmintonsport engagiert - in welcher Form auch immer.