Mit Wut im Bauch ins letzte Spiel

Stockholm · Das 4:4 nach 4:0-Führung im Hinspiel tut noch weh. Bundestrainer Joachim Löw kommt die Konstellation entgegen: Er fordert im heutigen Rückspiel in Schweden einen Lerneffekt von seiner Mannschaft.

Revanche und Lerneffekt: Mit dem Abflug nach Schweden hat Joachim Löw in den Weltmeisterschafts-Modus geschaltet. In den verbleibenden acht Monaten bis zum Turnierstart in Brasilien will der Bundestrainer vor allem die Defizite in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bekämpfen - und damit heute in Stockholm (20.45 Uhr/ZDF) beginnen.

"Ich erwarte in Schweden eine hochmotivierte Mannschaft", erklärte Löw vor seinem 99. Länderspiel als Cheftrainer. Nach der Gelb-Sperre von Sami Khedira saßen gestern 19 Spieler im Flugzeug in die schwedische Hauptstadt, wo Sonnenschein und zehn Grad die Delegation empfingen. "Wir wollen ohne Niederlage die Qualifikation abschließen", benannte der Bundestrainer das Ziel für das letzte Pflichtspiel vor der WM.

Löw setzt nach dem 4:4 im Hinspiel auf einen Lerneffekt bei seinen Spielern. Immerhin neun Akteure, die damals in Berlin mit auf dem Rasen gestanden hatten, könnten heute bei der Revanche von Beginn auflaufen. Nur Miroslav Klose und Holger Badstuber fehlen verletzt. Helfen soll in der "Friends Arena" die Erinnerung an den verspielten 4:0-Vorsprung im Oktober 2012. "Das wurmt mich heute noch ein bisschen. Die Spieler haben es nicht vergessen. Wir gehen mit einer kleinen Portion Wut im Bauch nach Schweden, das ist auch gut so", erklärte Löw.

Lange hatte Löw gegrübelt, warum seine ratlose Mannschaft in Berlin gegen die Schweden mit dem heute im Rückspiel wegen einer Gelbsperre fehlenden Stürmer Zlatan Ibrahimovic auseinander gebrochen war. "Das wird uns nicht noch einmal passieren", unterstrich der damals ebenso passive Bundestrainer. Aber selbst beim 3:0-Sieg gegen die Iren am vergangenen Freitag ließ die deutsche Elf mehrere klare Torchancen des biederen Kontrahenten zu. "Wir haben Verbesserungspotenzial in unser ganzen Defensivarbeit", gestand Löw: "Das ist eine Sache der Kompaktheit, das beginnt vorne, geht über das Mittelfeld nach hinten. Die ganze Mannschaft muss die Arbeit verrichten." Auch in der mit 31 Toren in der Qualifikation überzeugenden Offensive sieht Löw eine Steigerungspflicht: "Unser Spiel im letzten Drittel kann noch besser sein."

Auch Bastian Schweinsteiger, der in Stockholm in den "Club der Hunderter" aufrückt, weiß, in Brasilien muss vom 12. Juni 2014 an das System perfekt funktionieren, um den Traum vom vierten WM-Titel Wirklichkeit werden zu lassen. "Da sind so Kleinigkeiten, die wir noch besser machen müssen", bemerkte der 29 Jahre alte Münchner, der "stolz" auf sein 100. Länderspiel ist.

Über personelle Änderungen in seiner Startelf hielt sich Löw zurück. Stürmer Max Kruse könnte erstmals bei einem Pflichtspiel in der Nationalmannschaft beginnen. Mesut Özil würde dann wieder seine angestammte Spielmacherrolle übernehmen. Mario Götze könnte länger als die vier Minuten gegen Irland spielen. Und auch Mats Hummels sowie Benedikt Höwedes und Julian Draxler erhoffen sich eine Chance.

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Auf einen BlickDie voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen: Deutschland: Neuer (27 Jahre/42 Länderspiele) - Lahm (beide Bayern München/29/102), Hummels (Borussia Dortmund/24/25, Boateng (München/25/33), Jansen (Hamburger SV/27/41) - Schweinsteiger (29/99), Kroos (23/38) - Thomas Müller (24/45), Götze (alle München/21/23), Schürrle (FC Chelsea/22/27 - Kruse (Borussia Mönchengladbach/25/4).Schweden: Isaksson (32/110) - Lustig (26/39), Nilsson (31/12), Antonsson (32/12), Martin Olsson (25/19) - Larsson (28/59), Wernbloom (27/35), Elm (25/36), Kacaniklic (22/13) - Elmander (32/74), Toivonen (27/34). dpa

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