Mit Schiedsspruch beginnt der Wahlkampf

Kostenpflichtiger Inhalt: Machtkampf im Saar-Fußball : Mit Schiedsspruch beginnt der Wahlkampf

Der ordentliche Verbandstag des Saarländischen Fußballverbandes wird auf den 28. März vorgezogen. Damit sind alle einverstanden.

Bei der großen Podiumsdiskussion der Kandidaten für das Amt des Präsidenten des Saarländischen Fußballverbandes (SFV) hatten alle drei Bewerber vor ein paar Wochen einmütig erklärt, sie werden das Urteil des Schiedsgerichts anerkennen. Dieses sollte feststellen, ob die Anträge auf Einberufung eines außerordentlichen Verbandstages rechtens waren. Das Gremium unter Leitung des Saarbrücker Richters Olaf Weber hat in der vegangenen Woche einen Kompromissvorschlag vorgelegt, dem nach den Herausforderern Udo Hölzer und Thorsten Klein nun auch der aktuelle SFV-Vizepräsident Adrian Zöhler und sein Vorstand zugestimmt haben.

Am 28. März werden die Weichen im Saar-Fußball neu gestellt. Dann findet in der Saarbrücker Congresshalle der ordentliche Verbandstag statt – gut sechs Wochen vor dem bislang geplanten Termin. „Es geht hier nicht um Gewinner oder Verlierer. Es ist ein gutes Urteil, das für unsere haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter allerdings immensen Mehraufwand bedeutet“, sagt Zöhler. Im Vorfeld des Verbandstages sind laut SFV 28 Versammlungen auf Kreis-, Jugend- und Schiedsrichterebene durchzuführen. „Es geht darum, dass sich beim Verbandstag alle präsentieren können, die künftig im Fußball mitarbeiten wollen“, sagt Zöhler, der sein komplettes Vorstandsteam demnächst der Öffentlichkeit vorstellen will.

Das Schiedsgericht angerufen hatte der Fußball-Landesligist SV Britten-Hausbach. Dieses Vorgehen war wohl nicht ganz satzungskonform, in der Sache aber nach der Begründung des Schiedsspruches dennoch durchaus richtig. „Wir hätten auch auf ein Urteil gedrängt, wenn der Verband jetzt diesen Kompromissvorschlag nicht angenommen hätte“, sagt der Vereinsvorsitzende Florian Lichtmeß: „Das hatten wir im Vorstand so beschlossen. Es geht um die Interessen der Vereine. Mit Thorsten Klein hatten wir übrigens erst nach der Anrufung des Schiedsgerichts Kontakt.“

Klein hatte mit der Initiative „Vereine vor“ dem Unmut in vielen Vereinen eine Plattform gegeben und einen außerordentlichen Verbandstag angestrebt. Das wollte der SFV unbedingt verhindern, woraufhin „Vereine vor“ die Versammlung mit einer Unterschriftenliste erzwingen wollte. Der SFV wehrte sich trotz der notwendigen Unterstützer-Zahl weiterhin mit allen juristischen Mitteln dagegen, bis nun der SV Britten-Hausbach mit dem Anrufen des Schiedsgerichts einen Schlussstrich gezogen hat.

„Ich hatte genau diesen Vorschlag, der nun Schiedsspruch ist, im März schon Adrian Zöhler gemacht“, sagt Klein. „Damit haben wir ein Jahr später dann die Lösung. Wir hätten uns also die ganze Posse ersparen können. Es dürfte einmalig in der Geschichte des Fußballs sein, dass ein Misstrauensvotum der Vereine durch die Verbandsspitze abgelehnt worden ist.“

Die Initiative „Vereine vor“, zu der unter anderem auch Ex-Nationalspieler Philipp Wollscheid oder der Vorsitzende von Viktoria Hühnerfeld, Christoph Kleinz, gehören, hat sich mit einem Schreiben an die Vereine gewandt, die ihr Anliegen für einen außerordentlichen Verbandstag unterstützt haben. Dort heißt es: „Man sieht, was möglich ist, wenn man zusammen für etwas einsteht. Das ist als Erfolg von allen Beteiligten zu verstehen, die sich in ihrem Verein für eine Unterstützung unserer Initiative zum Vorziehen des Verbandstages starkgemacht haben.“

Das klingt schon nach Wahlkampf, den alle Bewerber nun angehen müssen. „Wir werden wie bisher auf den Sportplätzen und in den Sporthallen während des Hallenmasters als Ansprechpartner für die Vereine da sein“, sagt Zöhler: „Wichtig ist, dass der Sport wieder im Mittelpunkt steht. Denn anders als zuletzt häufig suggeriert wurde, läuft der Spielbetrieb ja, und da gibt es genug Positives zu berichten.“

Positiv ist jedenfalls, dass alle drei Bewerber zu ihrem früheren Bekenntnis zum Schiedsgerichts-Urteil stehen. In vier Monaten wird nun definitiv und endgültig über die Zukunft des Saar-Fußballs abgestimmt. Spannend wird nun sein, welche Themen von den Kandidaten Zöhler, Klein und Hölzer bis zum Verbandstag wie besetzt werden. Einige – wie beispielsweise die Spielklassenreform oder auch die Art und Weise des Umgangs des Verbandes mit den Vereinen – wurden in den vergangenen Wochen bereits gesetzt.

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