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Badminton: Mit neuen Gesichtern auf Titeljagd

Badminton : Mit neuen Gesichtern auf Titeljagd

Der 1. BC Bischmisheim startet angriffslustig in die neue Saison der Badminton-Bundesliga. Der Kader ist exquisit.

Frank Liedke ist nicht unbedingt bekannt für leise Töne. Als Präsident des Saarländischen Badminton-Verbandes ist er schon das ein oder andere Mal angeeckt, als Organisator des Grand-Prix-Turniers „Bitburger Open“ beherrscht er das Trommeln für seine Veranstaltung wie kein Zweiter. Und auch als Chef des Bundesligisten 1. BC Bischmisheim artikuliert er gerne, was er von seiner Mannschaft erwartet. Und so ist die Ansage für die kommende Saison, die der BCB am Sonntag mit einem Auswärtsspiel beim TSV Trittau beginnt, eine eindeutige. „Etwas anderes als der Titel kommt nicht infrage“, sagt Liedke.

Die Ansage speist sich aus mehreren Faktoren. Da ist zum einen das Selbstverständnis eines Vereins, der in den letzten elf Jahren sieben Mal den Titel ins Saarland geholt hat. Da ist zum anderen das fast schon als traumatisch zu bezeichnende Erlebnis der letztjährigen Saison, als der BCB im Finale in Bad Hersfeld Mitte Mai den sicher geglaubten Titel an den TV Refrath verlor.

Zur Erinnerung: Die Refrather schickten im Endspiel gegen den BCB Ex-Nationalspieler Max Schwenger aufs Feld. Der 24-Jährige, eines der hoffnungsvollsten Talente im deutschen Badminton, hatte seine Leistungssport-Karriere wegen großer Hüftprobleme ein Jahr zuvor eigentlich schon beendet, hielt sich aber mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit fit. Im Finale wurde er dann zur Refrather Trumpfkarte, besorgte erst einen Punkt im Herrendoppel und holte dann im Mixed gegen die BCB’ler Marvin Seidel und Isabel Herttrich den Siegpunkt zum 4:3.

Der Stachel dieser taktischen Meisterleistung der Rheinländer sitzt zweifellos tief. In dieser Saison soll das anders werden – auch und vor allem dank neuer Gesichter beim BCB. Marc Zwiebler (33), Deutschlands langjährige Nummer eins, trainiert nur noch sporadisch und ist zu seinem Heimatverein BC Beuel zurückgekehrt. Mit Fabian Roth (21), der Zwiebler im Mai in Bad Hersfeld noch im Trikot des TV Refrath bezwang, spielt jetzt die große deutsche Badminton-Einzelhoffnung für den BCB. An Position zwei im Herreneinzel ist der 27-jährige Österreicher Luka Wraber gemeldet, der schon mal unter den besten 60 der Weltrangliste zu finden war. Der Niederländer Ruben Jille (21) soll die Variationsmöglichkeiten im Herrendoppel und im Mixed erhöhen, und die Russin Natalia Perminova (25) könnte für wichtige Punkte im Dameneinzel sorgen.

Auch einige Altbekannte halten dem BCB weiter die Treue. Die einstige Weltklasse-Doppelpaarung Michael Fuchs (35) und Johannes Schöttler (33) hängt nach dem internationalen Karriere-Ende nach den Olympischen Spielen 2016 noch mal eine Bundesliga-Saison an, soweit sich Einsätze der beiden mit ihren beruflichen Verpflichtungen verbinden lassen – Fuchs ist Sportdirektor des Schweizer Badminton-Verbandes, Schöttler Doppel-Bundestrainer des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV). Auch der ebenfalls nicht mehr international aktive Dieter Domke (30) wird hin und wieder aufschlagen.

Olga Konon gehört wieder zum Kader der Nationalmannschaft und steht dem BCB ebenso weiter zur Verfügung wie Nationalspielerin Isabel Herttrich, die vornehmlich im Damendoppel und Mixed eingesetzt werden wird, und Peter Käsbauer (29). Nicht zu vergessen das wohl größte Talent, das der saarländische Badmintonsport je hervorgebracht hat: Marvin Seidel. Der 21-Jährige, der beim KV St. Ing­bert erstmals zum Schläger griff, macht seit geraumer Zeit international mit einigen schönen Erfolgen im Herrendoppel und Mixed auf sich aufmerksam und erreichte jüngst beim Super-Series-Turnier in Südkorea mit seiner Partnerin Linda Efler (Union Lüdinghausen) sogar das Halbfinale. Das gelang seit der Ära der Olympia-Fünften Michael Fuchs und Birgit Michels niemandem mehr.

Alles in allem also von der Papierform eine Truppe, die die Gegner das Fürchten lehren kann. „Mit den Neuen wird der Umbruch in der Mannschaft fortgesetzt“, sagt Vereins-Chef Frank Liedke: „Und unsere ,Alten’ – Dieter, Johannes und Michael – runden das Team ab.“ Trotzdem: Ein Selbstläufer wird der achte Titel nicht. „Beuel und Lüdinghausen haben gut zugelegt“, sagt Liedke: „Und Wipperfeld, Refrath und Trittau können jedem ein Bein stellen.“ Am kommenden Sonntag in Trittau kommt es also gleich zur ersten Standortbestimmung.