Mit großen Hoffnungen im Übergangsjahr

Mit großen Hoffnungen im Übergangsjahr

Der erste Höhepunkt der Leichtathletik-Saison steht an. Der DLV reist mit 44 Athleten zur Hallen-Europameisterschaft nach Belgrad.

Die Europameister David Storl und Max Heß, die dominierenden Hürdensprinterinnen Cindy Roleder und Pamela Dutkiewicz - dazu einige hoffnungsvolle Talente: Die deutschen Leichtathleten reisen zuversichtlich zum ersten Höhepunkt des Jahres.

Doch bei der heute beginnenden Hallen-EM in Belgrad zählen für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nach den enttäuschenden Olympischen Spielen in Rio im vergangenen Jahr nicht nur Medaillen. "Wir werden viele junge Athleten dabei haben. Es mag sein, dass man als Youngster auf Platz zwei oder drei der europäischen Bestenliste steht - das heißt nicht, dass man Zweiter oder Dritter wird", sagte DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska. Das Motto für die Talente: Erfahrungen sammeln und frech auftreten - in einem "Übergangsjahr", wie Gonschinska die nacholympische Saison 2017 bezeichnet.

Nach der Absage von Mittelstreckler Florian Orth, der verärgert über die Nominierungspraxis des DLV auf einen Start verzichtete, treten dennoch 44 Deutsche in Serbien an. 2015 bei der Hallen-EM in Prag gab es für das deutsche Team sechs Medaillen (1-3-2), allerdings ist diesmal der weiterhin wegen des Doping-Skandals suspendierte russische Verband (6-2-0) nicht am Start. Kugelstoßer David Storl holte in Prag den einzigen deutschen EM-Titel.

Auch diesmal ist der Freiluft-Europameister wieder Favorit. Genauso wie Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz führt der Leipziger die europäische Jahresbestenliste an. Nach einem verkorksten, von Verletzungsproblemen überschatteten Jahr 2016 ist der 26-Jährige vor allem froh, dass sein Knie wieder vollständig belastbar ist. "Im Wettkampf stört mich gar nichts. Es ist noch ein bisschen schwierig, richtig auf die Stöße draufzugehen, das verhindert die großen Weiten", sagte Storl.

Aus deutscher Sicht wird zudem das Duell zwischen Dutkiewicz und Vize-Weltmeisterin Cindy Roleder interessant. Mit 7,79 Sekunden lief Dutkiewicz bei den deutschen Meisterschaften in Leipzig so schnell wie seit der Wende keine Hürdensprinterin mehr, Roleder (7,84) kam nur knapp dahinter ins Ziel. Beide sind derzeit unangefochten an der Spitze Europas. "Zwei Weltklasse-Leistungen", sagte Gonschinska. Dutkiewicz hat sich für das Wochenende jedenfalls viel vorgenommen: "Da will ich wieder den Lauf meines Lebens machen."

Ähnlich positiv äußerte sich DLV-Bundestrainer Gonschinska über die Sprinterinnen. Gleich sieben Athletinnen schafften die EM-Norm, bei der Hallen-DM reichten 7,19 Sekunden sogar nur zu Platz vier. Meisterin Gina Lückenkemper (20 Jahre/7,14) ist zwar nicht am Start, die zweitplatzierte Rebekka Haase (24) geht mit der gleichen Bestleistung aber genauso aussichtsreich ins Rennen. Lisa Mayer (20/7,18) und Alexandra Burghardt (22/7,19) komplettieren das junge deutsche Trio.

Gespannt sein dürfen die Fans auch auf eine weitere junge Läuferin - allerdings über die Mittelstrecke. Konstanze Klosterhalfen, am 18. Februar 20 Jahre alt geworden, lief bei der Hallen-DM die zweitschnellste Zeit einer Deutschen über 1500 Meter. Wie Dreisprung-Europameister Max Heß liebäugelt zudem auch Vize-Weltmeister Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken im Stabhochsprung mit einer Medaille. Es wäre seine erste in der Halle überhaupt. Bei den Frauen überzeugte die frühere Zweibrückerin Lisa Ryzih mit guten Vorleistungen und liegt mit übersprungenen 4,67 Metern derzeit auf Platz zwei in Europa.

Zum Thema:

Holzdeppe hofft auf Hallen-Medaille Der Stabhochsprung der Männer ist eine der ersten Entscheidungen der Hallen-EM in Belgrad, die heute aus deutscher Sicht interessant sind. Um 17 Uhr startet Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken das Vorhaben, seine erste internationale Medaille unter dem Hallendach zu gewinnen. Zwar ist Weltrekordler Renaud Lavillenie nicht im Start, der Franzose musste seine Teilnahme verletzungsbedingt absagen. Dennoch ist die Konkurrenz stark: Der große Favorit ist der Pole Piotr Lisek, der in dieser Saison bereits 6,00 Meter übersprang. Lisek duellierte sich mit Holzdeppe, unter freiem Himmel schon Weltmeister, Vize-Weltmeister und EM-Dritter, in diesem Winter bereits beim Neujahrsspringen im Zeltpalast in Merzig und beim Himmelsstürmer-Cup in Zweibrücken.

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